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Borna Abschied vom Kind: Familie malt Regenbogen und Monster auf den kleinen Sarg
Region Borna

Abschied vom Kind im Hospiz Bärenherz: Regenbögen auf dem Sarg

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09:50 28.11.2020
Viele Familien im Kinderhospiz Bärenherz möchten den Sarg ihres verstorbenen Kindes bemalen.
Viele Familien im Kinderhospiz Bärenherz möchten den Sarg ihres verstorbenen Kindes bemalen. Quelle: Kinderhospiz Bärenherz
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Markkleeberg

Mutter und Vater malen auf den Sarg Regenbogen und Schmetterlinge, der kleine Bruder ein Monster. Oder: Der Sarg eines verstorbenen Jugendlichen hat ein Astloch – um das Loch herum malt die Familie eine Zigarette und Qualm, ihr Kind hat leidenschaftlich gerne geraucht. „Etwa ein Drittel unserer Familien möchte den Sarg ihres Kindes bemalen“, sagt Adeline Kremer, Kunsttherapeutin im Kinderhospiz Bärenherz.

Wenn das Kind stirbt, entfällt plötzlich die ganze Fürsorge, welche die Eltern oft jahrelang nahezu rund um die Uhr beschäftigt hat. Bei der Sargbemalung „ist etwas zu tun“ und auch Trauer zu bewältigen, so die Therapeutin. Wenn die Familie das erste Mal den Sarg sieht, sei das oft „ein Schlag mit der Realität“. Auch den Sarg das erste Mal anzufassen, sei für viele ganz schwierig. Doch dann löst sich meist die Spannung.

Geschenke als Sargbeilage

Je nach Familie einigt man sich auf ein gemeinsames Bild oder jeder bemalt ein Stück des Holzes, verziert es neben Bildern mit Sprüchen und Wünschen. Nicht selten sitzt die ganze Familie mit Farben und Pinseln um den Sarg, es werden Erinnerungen erzählt und dabei manchmal fast vergessen, was da bemalt wird, so die Kunsttherapeutin. Wesentlich sei das Gemeinschaftliche, „die ganze Familie hält hier zusammen“. Als Sargbeigabe werden auch Geschenke gefertigt – zum Beispiel Kerzen auf Mosaik-Scherben.

Auch die Blumen für das Abschiedsritual werden gestaltet. Einmal entschied man sich für Neon-Graffiti-Sprühfarbe auf dem Trauergesteck – alles andere wäre zu langweilig, der Junge sei doch „immer so cool“ gewesen, da passen keine normalen Blumen, hieß es. Manchmal malen auch Großeltern oder Bärenherz-Beschäftigte mit, je nachdem.

„Trauerwege sind vielfältig“

„Die Trauerwege sind vielfältig“, sagt Adeline Kremer. Kunst sei eine Form der Unterstützung. Die 40-Jährige bietet an drei Tagen in der Woche für alle Gäste im Hospiz künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten an.

Auch für die kranken Kinder und Jugendlichen. Sie verstreichen Farben mit ihren Fingern, fertigen Gipsabdrücke für ihre Hand oder besprühen den Basketball-Korb. Sie sollen sagen oder zeigen, wozu sie Lust haben. Ziel sei, ein Stück Normalität und Erfolgserlebnisse: „Auch Jugendliche im Hospiz sprühen gern mal ein Graffiti.“

Figuren im Nebel

Gesunde Geschwister nutzen das Angebot oft. Keramik-Druck, Speckstein, Skulpturen aus Holz, vielfältige Dinge sind möglich. Ein Mädchen, das traurig war, weil ihre kleine Schwester bald sterben wird, hat dort viel gemalt. Bilder mit Licht und Schatten. Eine junge Frau, die wegen ihres Bruders trauerte, entwarf Figuren im Nebel. „Kunst ist ein schönes Medium, Gefühle auszudrücken. Weil es nicht über den Kopf funktioniert, sondern durchs Machen“, meint die Therapeutin.

Auch Erinnerungsstücke entstehen. Abgüsse von vier Händen, die in der Mitte eine kleine Hand halten. Ein krankes Kind wollte einmal seinen eigenen Zwilling bauen. Im Erinnerungsgarten, gleich neben dem Hospiz, hängen in verschiedenen Bäumen Erinnerungsnester mit kleinen Geschenken für das verstorbene Kind, die ausgetauscht werden können.

Hilfe durch Kunst

Die Atelier-Zeiten im „Weißen Haus“ fallen selten aus – stets gibt es Interessenten. „Sicher, für manche ist es eine Hürde. Sie denken, sie sind nicht kreativ genug und können nicht malen“, so Kremer. Aber wer diese Hürde genommen hat und ins Werkeln kommt, werde oft belohnt. Die Therapeutin freut sich immer, wenn – außer in Pandemie-Zeiten – mehrere Erwachsene und Kinder künstlerisch tätig werden. „Auf eine leichte und unverkrampfte Art kommt man dabei auch ins Gespräch“, sagt sie.

Und wenn mal ein Stück Speckstein von der ursprünglich geplanten Figur abbricht, muss der Laienkünstler überlegen: Was mache ich nun daraus? Vielleicht kann er die Figur auf den Kopf stellen und etwas Neues Schönes entsteht.

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Die LVZ-Aktion „Ein Licht im Advent“ geht vom 14. November bis 13. Dezember 2020 Anschließend wird der Gesamtbetrag unserem Partnerverein für das Hilfsprojekt übergeben. Wir berichten regelmäßig über die konkrete Hilfsaktion. Sollten mehr Spenden zusammenkommen, als für das konkrete Hilfsprojekt benötigt wird, so geht das übrige Geld ebenfalls an unseren Projekt-Partnerverein. Das Projekt „Ein Licht im Advent“ wird unterstützt von der Sparkasse Leipzig.

Bisher erschienen zu dieser LVZ-Spendenaktion:

Von Claudia Carell