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Borna Äthiopischer Kardinal: Flüchtlinge keine Last
Region Borna Äthiopischer Kardinal: Flüchtlinge keine Last
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21:31 23.09.2018
Kardinal Berhaneyesus Demerew Souraphiel (v. r.) und Pater Giday Alema im Gespräch mit den Böhlenern. Quelle: Bert Endruszeit
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Böhlen

Das ferne Äthiopien war am Sonnabend in Böhlen ganz nah. Die katholische Gemeinde hatte Besuch von Kardinal Berhaneyesus Demerew Souraphiel, der derzeit als Gast des bischöflichen Hilfswerkes „Missio“ in Deutschland unterwegs ist. Sofort stellte er viele Gemeinsamkeiten mit der Böhlener Gemeinde fest: „Auch wir sind eine Minderheitenkirche, gerade mal zwei Prozent gehören zur katholischen Kirche.“

Toleranz der Religionen in Äthiopien

Weitere 44 Prozent der Menschen seien in seinem Land in der orthodoxen Kirche, zudem gebe es 18 Prozent Protestanten und 36 Prozent Moslems. Das Verhältnis der Religionen sei von friedlicher Koexistenz geprägt, Konflikte mit Moslems habe es zuletzt im 16. Jahrhundert gegeben. „Es gibt einen interreligiösen Rat mit Vertretern der Religionen, der sich regelmäßig trifft.“

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900 000 Flüchtlinge aufgenommen

Diese Toleranz helfe auch beim aktuellen Flüchtlingsproblem. Äthiopien hat derzeit rund 900 000 Migranten aufgenommen, erklärte Pater Giday Alema, der den Kardinal begleitete. „Die meisten kommen aus Eritrea und Somalia. Viele sind jung und gut ausgebildet, es gibt aber auch zahlreiche Kinder ohne Eltern.“ Äthiopien nehme die Menschen ungeachtet eigener wirtschaftlicher Probleme auf, betonte Kardinal Souraphiel. „Wir verstehen die Flüchtlinge nicht als Last.“

Gruppenbild von Kardinal Berhaneyesus Demerew Souraphiel (M., mit Kreuz) mit der Böhlener Gemeinde. Quelle: Bert Endruszeit

Äthiopien sei ein armes Land, doch es gebe eine lange Tradition beim Umgang mit Schutzsuchenden. Schon zu König Salomons Zeiten habe man Juden aufgenommen, später dann Armenier, die in der Türkei verfolgt wurden. „Wenn man arm ist, heißt das nicht, dass man nicht trotzdem menschlich sein kann.“ Er wisse, dass die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland ein sensibles Thema ist. „Doch wir haben das immer als große Geste begriffen.“

Ausbildung und Arbeit fürs Bleiben anbieten

Eine wichtige Aufgabe im heutigen Äthiopien sei es, die jungen Leute im Land zu halten. „Wir müssen für Ausbildung sorgen, damit die Menschen nicht gezwungen sind, in die Golfstaaten zu gehen. Dort werden sie leider oft ausgebeutet und nicht respektiert.“ Wer aber beispielsweise Koch oder Krankenpfleger sei, könne in Äthiopien mehr Geld verdienen und dem Land so auch etwas zurückgeben. „Wir müssen unseren Menschen immer wieder sagen, dass die Golfstaaten, Südafrika und auch Europa nicht das Paradies sind. Denn auch dort ist es schwer, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.“ Klar sei jedoch, das Immigration ein internationales Thema sei und auch künftig aktuell bleibe. „Es wäre mal interessant zu wissen, wie viele Böhlener schon ihr Glück in anderen Teilen der Welt gesucht haben“, fragte er.

Die Armut in Äthiopien sei mittlerweile auch eine Bedrohung für das Christentum. „Zum ersten Mal in der Geschichte sind die Leute bei uns gezwungen, aus Armut ihr christliches Erbe zu verleugnen“, so der Kardinal. Denn für viele sei es einfach, ihren christlichen Namen abzulegen und so ein Visum für die arabischen Staaten zu bekommen – auf der Suche nach Arbeit. Doch die Wurzeln Äthiopiens seien christlich, diese müsse man auch künftig bewahren. „Auch in Europa ist das so, auch wenn manche Leute das oft vergessen.“

Von Bert Endruszeit

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