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Borna Andrang in Töpfereien Kohren und Neukirchen
Region Borna Andrang in Töpfereien Kohren und Neukirchen
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15:42 10.03.2019
Katrin Melzer (l.) versucht sich mit Hilfe von Gundula Müller an der Töpferscheibe. Quelle: Julia Tonne
Borna/Frohburg

Die Töpferwelt ist eine Scheibe – oder auch gleich mehrere. Und die drehten sich im Landkreis das ganze Wochenende hindurch. Entsprechend groß war der Besucheransturm beim Tag der offenen Töpfereien. Ob in den Kommunen Frohburg, Borna, Groitzsch oder Bad Lausick: Überall gaben Kunsthandwerker Einblicke in die Welt von Ton, Farben und Glasuren.

In den Töpfereien des Landkreises gaben sich am Wochenende die Besucher die Klinke in die Hand. Sowohl in Kohren-Sahlis als auch in Bornas Ortsteil Neukirchen erlaubten die Werkstätten Einblicke in die Welt des Handwerks.

Anstehen in der Töpferei Arnold, Kohren

Schon morgens war es in der Werkstatt der Töpferei Arnold in Kohren-Sahlis rappelvoll. Schlange stehen musste, wer in Richtung Lagerkeller und Töpferscheibe vordringen wollte. Doch wer es so weit geschafft hatte, kam so schnell vom Anblick nicht mehr los. Rasend schnell drehte sich die Scheibe, auf der Töpferin Katrin Stein das Unterteil einer Steckschale formte. „Das Drehen an sich ist nicht die Arbeit, die am längsten dauert“, erklärte sie den Zuschauern. Vielmehr seien es die vielen Handgriffe rundherum. Schaffe es ein Bäcker in drei bis vier Stunden, Kuchen und Torten zu backen, müsse ein Töpfer drei bis vier Wochen aufwenden, um Schalen, Vasen, Teller und Kännchen herzustellen.

Malerin Heike Pischke begründete das Warum: „Nach jedem Arbeitsgang muss das Töpferstück ein bis zwei Tage stehen, es muss bemalt, mehrmals im Ofen gebrannt und glasiert werden.“ Voller Faszination guckte der zweijährige Jaxon den Fachfrauen über die Schultern. Und fragte Uroma Dorothea Lippmann förmlich Löcher in den Bauch, um alles zu verstehen. Zu guter Letzt wollte der kleine Mann nur noch eines: ein getöpfertes Sparschwein. Die Uroma hingegen hielt schon mal Ausschau nach Geburtstags- und Ostergeschenken.

Und die geschäftsführende Gesellschafterin Heidi Steglich zeigte währenddessen anderen Besuchern die neuen Linien „Sommerwiese“, „blau-grau“ und „schwarze Kunst“. Und die drei schlugen ein wie die sprichwörtliche Bombe. „Die Nachfrage danach ist schon jetzt riesig, dabei haben wir sie noch gar nicht so lange im Sortiment.“

In der Töpferei Arnold in Kohren-Sahlis schauen viele Besucher schon mal nach Ostergeschenken. Quelle: Julia Tonne

Ausprobieren in der Töpferei Müller, Kohren

Einige Straßen weiter weihte auch Gundula Müller in ihrer gleichnamigen Töpferei Besucher in die Kunst des Handwerks ein. Katrin Melzer war extra mit ihren Eltern aus Chemnitz gekommen, um sich einmal selbst an der Scheibe zu probieren. Doch so leicht, wie es bei den Profis aussieht, ist es nicht. Ohne die helfenden Hände von Müller hätte Melzer es kaum geschafft, den Klumpen Ton auf der drehenden Scheibe zu halten und ihn so zu fixieren, dass sie ihn in eine Form bringen konnte.

Manchmal braucht es vier Hände, wenn aus dem Klumpen Ton eine Schale werden soll. Quelle: Julia Tonne

„Die Schritte beim Töpfern kann man sicherlich erläutern, aber das Gefühl dafür muss man selbst bekommen“, erklärte Müller. In ihren 30 Jahren Berufserfahrung sei ihr bislang nur ein einziges Mal ein wahres Naturtalent begegnet – in Kohren-Sahlis selbst. „Die Lehrlinge fangen ihre Ausbildung also damit an, drei Wochen täglich acht Stunden den Ton zu zentrieren“, erzählt die Töpferin.

Was Melzer an dem Handwerk so reizt, sind die individuellen Stücke, die dabei entstehen. „Keramik ist nachhaltig, jedes Stück ist ein Einzelstück, weil es eben nicht aus Massenproduktionen stammt.“ Und Kohren-Sahlis sei nun einmal der zentrale Ort des Töpferhandwerks. Auch Carola und Andreas Bock aus Rötha hatte es am Wochenende in die Töpferstadt verschlagen. „An solchen Tagen hat man die Möglichkeit, den Gang eines Töpferstücks von Anfang bis Ende zu verfolgen“, begründeten sie ihren Ausflug.

Größere Stücke in der Keramikschmiede Nass, Neukirchen

In der Keramikschmiede von Jacqueline Naß, die etwas versteckt im Bornaer Ortsteil Neukirchen zu finden ist, war an beiden Tagen ebenfalls viel los. Gleich ganze Gruppen begehrten Einlass in die heiligen Gefilde. Naß, die für ihre Besucher mehrere Drehscheiben laufen ließ, stellt unter anderem Pflanzgefäße und Schalen her. Allerdings alles etwas größer. „Ich liebe Größe“, sagte sie, „und ich lege Wert auf saubere Formen.“ Für sie heißt der Beruf des Töpfers, „schöne Dinge mit Funktion zu schaffen“. Wichtig sei ihr, immer etwas Neues zu machen. „Du musst den Beruf leben, dann verkaufst Du auch gut.“

Jacqueline Naß (r.) zeigt ihre Keramikschmiede im Bornaer Ortsteil Neukirchen. Quelle: Julia Tonne

Von Julia Tonne

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