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Borna Antisemitischer Text im Stadtjournal sorgt in Borna für Aufregung
Region Borna Antisemitischer Text im Stadtjournal sorgt in Borna für Aufregung
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10:47 14.05.2019
Ein Text im Bornaer Stadtjournal erregt derzeit die Gemüter. Der Autor verbreitet dort antisemitische Parolen. Quelle: LVZ
Borna

Sechs Bornaer Stadträte haben die Einberufung einer Sondersitzung des Stadtrates beantragt. Grund dafür ist ein Artikel im Bornaer Stadtjournal (BSJ), in dem ein freier Mitarbeiter „menschenverachtendes Gedankengut“ verbreitet, wie es in der Antragsbegründung heißt. Gemeint ist ein Text von Gert Bundesmann, in dem unter dem Aufhänger, Bornaer Straßennamen und konkret die Benennung der Kantstraße zu erklären, gängige Stereotype zur Erklärung des Antisemitismus verwendet werden.

Antragsteller: Borna soll weltoffen bleiben

Sebastian Stieler von der CDU in Borna ist einer der Unterzeichner des Antrags für eine Sondersitzung des Stadtrats. Quelle: Andreas Döring

Autor beschäftigt sich mit den Juden

In dem besagten Text beschäftigt sich der Autor mit den Juden. Die seien für viele Menschen der „Inbegriff von Gier und Wucher, also genau jener Übel, die wohl allgemein am (ungezügelten) Kapitalismus verabscheut werden“. Die Wurzel des Übels liege wohl auch „in ihrem religiösen Selbstverständnis“. Denn, so heißt es weiter: „Die Juden betrachteten sich als auserwähltes Volk Gottes.“ Der Autor spricht von einer „arroganten Einstellung“ der Juden, die „zu Ablehnung und Hass geführt habe – nicht nur in Deutschland“. Und er kommt zu dem Schluss, dass „die Juden als Vertreter des Judentums weder allein (d.h. selbst) schuld an ihrem Unglück“ seien, „noch sind sie völlig unschuldig daran“.

Lutz-Egmont-Werner, von den Freien Wählern Borna, hat den Antrag für einen Sonderstadtrat mit unterschrieben. Quelle: privat

Heft landet in allen Bornaer Haushalten

Der Text ist mittlerweile auf den Seiten des BSJ im Internet nicht mehr abrufbar. Zwar räumen die Antragsteller ein, dass er nicht in Verantwortung der Stadtverwaltung erschienen ist, halten aber eine Distanzierung der Stadt für „zwingend geboten, da auf der Titelseite das Stadtwappen“ zu sehen ist und das Heft kostenlos in allen Bornaer Haushalten lande.

Herausgeber distanziert sich nachdrücklich

Bernd Schneider, Herausgeber und auch redaktioneller Leiter des BSJ, erklärt „nachdrücklich, dass sich das Bornaer Stadtjournal und ich mich persönlich von diesem Artikel distanzieren“. Keine der Aussagen von Bundesmann entspreche auch „nur ansatzweise dem Standpunkt des Verlags“.

Vielmehr habe der Autor, Mitglied des Bornaer Geschichtsvereins, eine Seite des BSJ ausgenutzt, „um in einem inhaltlich völlig substanzfreien Rundumschlag krude Stammtischparolen“ zu verbreiten. Schneider, seit mehr als einem Vierteljahrhundert Inhaber des Druckhauses Borna, betont, er habe „,mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit mit Herrn Bundesmann“ beendet. Unter seiner Verantwortung werde „niemals wieder ein Artikel“ von Bundesmann im BSJ erscheinen. Bundesmann wollte sich auf LVZ-Anfrage nicht äußern.

Bornaer Geschichtsverein distanziert sich

Siegfried Naß (von links), Gert Schreiber und Annemarie Engelmann sind Mitglieder des Bornaer Geschichtsvereins, der sich von den Äußerungen seines Mitglieds Bundesmann distanziert. Quelle: Julia Tonne

Bundesmann wollte sich auf LVZ-Anfrage nicht äußern. Der Bornaer Geschichtsverein hat sich auf seiner Internetseite „aufs Schärfste“ von dem Beitrag seines Mitglieds distanziert.

Beauftragter schreibt an die Bornaer OBM

Mittlerweile ist das Thema auch in Dresden angekommen. So hat sich der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Feistin seiner Eigenschaft als Beauftragter der Staatsregierung für das Jüdische Leben in einem Brief an die Bornaer Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) gewandt.

CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Feist hat sich in einem Brief an die Bornaer Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) gewandt. Quelle: Andre Kempner

Er habe „mit Entsetzen“ feststellen müssen, dass im „Bornaer Stadtjournal, das sich durch Verwendung des Wappens als offizielles Organ der Stadt Borna ausgibt,“ ein Bericht enthalten sei, „der nur als Antisemitismus in Reinform beschrieben werden kann“. Weil „ein Großteil des Geschriebenen in Ihren Verantwortungsbereich fällt“, müsse der Leser davon ausgehen, dass auch die weiteren Artikel nicht im Widerspruch zur Auffassung der Stadtverwaltung stehen“. Feist weiter: „Bitte distanzieren Sie sich deshalb klar, deutlich und öffentlich von den antisemitischen Artikeln im Bornaer Stadtjournal!“ Feist kündigt an, er lasse prüfe, inwieweit sich der Herausgeber, also Schneider, des Straftatbestandes der Volksverhetzung schuldig gemacht habe.

Bornas Oberbürgermeisterin Simone Luedtke sieht keinen Grund dazu, dem Stadtrat außerplanmäßig einzuberufen. Quelle: LVZ-Archiv

Bornaer OBM: Grund einer Sondersitzung fehlt

Oberbürgermeisterin Luedtke erklärt, für die Einberufung einer Sondersitzung des Stadtrates gebe es keinen handfesten Grund. Es müsse einen konkreten Beschlussantrag geben. Sollten die Antragsteller im Hinterkopf haben, die Zusammenarbeit von Stadtverwaltung und Druckhaus Borna zu beenden, sei das nicht möglich. Es gebe Verträge und entsprechende Fristen, an die die Stadt gebunden sei. Zugleich betonte sie, dass sie ganz persönlich, aber auch ihre Stadt jeder Form von Antisemitismus, Leugnung der Shoa oder einer Verunglimpfung des jüdischen Glaubens konsequent entgegen treten.

Kommentar: Antisemitismus in der Verwaltung? Kompletter Blödsinn

Es ist überhaupt keine Frage: Ein Text wie der im Bornaer Stadtjournal, in dem ausgehend vom Philosophen Immanuel Kant antisemitische Thesen verbreitet werden, hätte nicht erscheinen dürfen. Dem Herausgeber oder auch der Bornaer Stadtverwaltung deshalb Antisemitismus zu unterstellen, ist aber – mit Verlaub – kompletter Blödsinn.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Texte, in denen Juden zumindest in Teilen eine Mitschuld an ihrem ebenso einzigartigen wie furchtbaren Schicksal gegeben wird, im besten Fall niemals gedruckt werden sollten. Druckwerke aber sind Menschenwerk, das schließt Fehler ausdrücklich ein. Eine Klarstellung seitens des Herausgebers liegt vor, deren Botschaft nur anzweifeln kann, wer ganz anderes im Sinn hat: nämlich die Begleichung anderer Rechnungen. Schließlich handelt es sich beim Inhaber des Druckhauses Borna um jemanden, der nicht ganz unwesentlich und in jedem Fall erfolgreich zur aktuellen Besetzung des Oberbürgermeisterpostens in der Stadt beigetragen hat.

Deshalb darf und soll auch weiter über die Angelegenheit diskutiert werden. Wer allerdings mehr will, weil ihm die politische Grundkonstellation in Borna nicht passt, der sollte seine Absichten auch klar zu erkennen geben.

n.natsidis@lvz.de

Von Nikos Natsidis

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