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Borna Auf zu Musik und Historie in der Nacht der offenen Dorfkirchen
Region Borna Auf zu Musik und Historie in der Nacht der offenen Dorfkirchen
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06:58 06.07.2019
Pfarrer Matthias Ellinger öffnet am Sonnabend die Türen der Rüdigsdorfer Kirche für Vortrag und Musik. Quelle: Claudia Carell
Rüdigsdorf/Kohren-Sahlis

Normalerweise dauern ja Bauarbeiten meist länger als geplant, manchmal sogar viel länger. Bei der Christus-Kirche in Rüdigsdorf bei Kohren-Sahlis jedoch war es anders. Bis zum Jahr 1848 hatte das Dorf mit 300 Bewohnern eine ziemlich dunkle und unansehnliche Kirche. Den Rittergutsbesitzer Heinrich Wilhelm Leberecht Crusius (1790-1858) verdross dies. „Er empfand die Kirche als unwürdig“, sagt heute Pfarrer Matthias Ellinger vom Kirchspiel Kohren-Sahlis. Ein neues Gotteshaus sollte entstehen.

Crusius war ein bemerkenswerter Mann. Er galt als fortschrittlicher Landwirt, seine Güter in Sahlis und Rüdigsdorf sollen Musterbetriebe gewesen sein. Darüber hinaus war er Mitbegründer der Leipzig-Dresdner Eisenbahn und einer Hagelversicherung. Er war politisch im sächsischen Landtag engagiert und förderte die Kunst.

Innenausstattung ist noch fast original

Die Bauunterlagen geben an, dass am 1. Mai 1848 der Abriss der alten Kirche bis auf die Grundmauern begann. Ein reichliches Jahr später, zu Himmelfahrt 1849, wurde das Gotteshaus eingeweiht. „Das war gigantisch schnell“, findet der Pfarrer. Zumal wenn man beachte, dass es ein neugotisches Gesamtkonzept gebe.

Die Dorfkirche Rüdigsdorf thront über dem Dorf. Quelle: Claudia Carell

Zur Zeit ihrer Entstehung war das Äußere der Kirche reicher verziert als heute. Der Schmuck der Mauern wurde jedoch leider schon bei der ersten Restaurierung nach 1900 eingespart. „Doch im Innern ist die Kirche fast vollständig erhalten“, so Ellinger.

Gutsbesitzer baute auch Pfarrhaus und Schwindpavillon

Der Blick des Besuchers fällt zuerst auf das Altarbild Christus als Friedensfürst. Es wurde als Hinterglasmalerei ausgeführt und ist hell erleuchtet, wenn die Sonne scheint. Viele Holzschnitzereien zieren das Gotteshaus, zum Beispiel an der Kanzel in der Form eines Weinstocks. Leipziger Künstler und einheimische Handwerker wirkten beim Bau mit, dessen Architekt Oscar Mothes war, ein Schüler des berühmten Gottfried Semper.

Wie viel Geld der Rittergutsbesitzer für die Kirche bezahlt hat, sei unbekannt. Es scheint ihm aber damals finanziell gut gegangen zu sein. Er bezahlte auch das neue Pfarrhaus in Kohren, als seine Tochter den dortigen Pfarrer heiratete. Einige Jahre zuvor ließ Crusius den kunstvollen Schwindpavillon in Rüdigsdorf bauen. Der von Moritz von Schwind und Gottfried Semper gestaltete Saal gehört bis heute zu den Kleinoden des Leipziger Landes.

Tourist schreibt Dankes-E-Mail für freundliche Anwohner

Der Pfarrer rühmt den Klang der kleinen Kirche. Das fällt nicht nur ihm auf. Vor kurzem erhielt er eine Dankes-E-Mail. Darin erzählte ein Tourist, dass er die Kirche aus seiner Kindheit kennt und als Senior nun wieder nach Rüdigsdorf kam. Freundliche Anwohner schlossen für ihn das Gotteshaus auf, gemeinsam sangen sie und das habe so schön geklungen, in ihm seien viele Erinnerungen aufgestiegen. Das alles habe ihn sehr berührt.

Matthias Ellinger betont, wie aktiv Gemeindeglieder mithelfen, auch in Rüdigsdorf. Ohne dieses Engagement sei die Arbeit in den fünf Kirchen des Kohrener Landes mit rund 900 Gläubigen nicht zu bewältigen. In seinem Kirchenbezirk würden etwa ein Drittel der Bewohner zur evangelisch-lutherischen Kirche gehören – weit mehr als in anderen Regionen des Leipziger Landes.

Im Innern der neugotischen Kirche. Quelle: Claudia Carell

Zur Nacht der offenen Dorfkirchen lädt am Sonnabend auch Rüdigsdorf ein. „Klassische Duette im tönenden Jubel“ ist das Konzert mit den beiden Sängerinnen Agnes und Lilli Hein aus Leipzig überschrieben. Zudem wird der Pfarrer einen Vortrag halten.

Schätze entdecken, an denen man sonst vorbei fährt

Dabei möchte er von der Epoche erzählen, in der die Rüdigsdorfer Kirche entstanden ist. „Das 19. Jahrhundert war geistig sehr bewegt“, sagt er. Im Jahr der Revolution 1848 war Baustart für die Kirche. Es gab damals einen demokratischen Aufbruch, „der theologisch ebenfalls eine Rolle spielte“ und Auswirkungen bis in kleine Dörfer wie Rüdigsdorf hatte.

Damals war es zwar noch selbstverständlich, Christ zu sein. Allerdings gab es schon heftige Kritik durch die Aufklärung: Für gebildete Menschen sei Gott überflüssig. „Diese Zeit war nicht homogen, sondern sehr durchwachsen.“

Die Veranstaltungsreihe Nacht der offenen Dorfkirchen, die es seit vielen Jahren auch im Leipziger Land gibt, begrüßt der Pfarrer. Dies sei eine gute Möglichkeit, die kleinen Kirchen in den Dörfern zu öffnen und „wahre Schätze der näheren Umgebung zu entdecken, an denen man viel zu oft einfach vorbei fährt“.

Tipp: Kirche Rüdigsdorf, 18.30 Uhr Vortrag von Pfarrer Ellinger zur Zeit der Entstehung der Kirche, 20 Uhr Konzert „Klassische Duette im tönenden Jubel“ mit Agnes und Lilli Hein.

Die reich verzierte Kanzel in Form eines Weinstocks. Quelle: Claudia Carell

Alle Termine im Kreis Leipzig

18 Uhr: Vernissage zur Fotoausstellung „Leben in Baumhäusern zum Erhalt des Hambacher Forstes“. Die junge Fotografin und Umweltaktivistin Sara Reuter berichtet in Wort und Bild und lädt zur Diskussion ein. 18-22 Uhr: offene Kirche mit Fotoausstellung

Von Claudia Carell

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