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Borna Ausstellung in Wyhra zeigt Altern und Tod um 1900
Region Borna Ausstellung in Wyhra zeigt Altern und Tod um 1900
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13:00 28.06.2019
Starb ein Mensch, musste das Fenster geöffnet werden, damit die Seele fort kann. Quelle: Hans-Jürgen Ketzer
Borna

Der Traum vom Friedhof in den Nächten zwischen Weihnachten und Silvester sowie der Ruf des Kauzes ließen vor mehr als 100 Jahren die Menschen verschreckt zurück. Denn beides konnte nach damaligem Aberglauben nur eines bedeuten: den eigenen Tod.

Mit Aberglaube, Krankheit, Bestattungsformen und Sterbebett beschäftigt sich eine neue Sonderausstellung des Volkskundemuseums in Wyhra. Unter dem Titel „Alles hat ein Ende – Krankheit, Altwerden und Sterben im dörflichen Wandel um 1900“ rückt sie die Themen in den Mittelpunkt, die heutzutage lieber ausgeklammert werden. „Früher war der Tod selbstverständlich und gehörte zum Leben dazu“, erklärt Museumsleiter Hans-Jürgen Ketzer. Heute werde alles, was mit Sterben und Tod zu tun habe, verdrängt und gerne auch verschwiegen.

Grabbeigaben waren noch um 1900 üblich. Den Toten wurden unter anderem Pfeifen, Besteck und Arzneifläschchen mitgegeben. Quelle: Julia Tonne

Altwerden war nicht mit Ruhestand verbunden, sondern mit Arbeit

Auch das Altwerden auf den Dörfern unterlag im vergangenen Jahrhundert einem deutlichen Wandel. Denn das Alter war damals nicht mit Ruhestand verbunden, sondern mit Arbeit. Männer, deren Kräfte zunehmend nachließen, mussten aber nicht mehr die schweren Arbeiten verrichten, sondern wurden beispielsweise beim Sensendengeln (ein Verfahren zum Schärfen der Sensen-Schneide) eingesetzt. Frauen hingegen saßen meist am Spinnrad. „Für beides waren Geschicklichkeit und Erfahrungen notwendig“, begründet Ketzer.

Sensendengeln und Spinnen waren alten Frauen und Männern vorenthalten. Dafür bedurfte es Erfahrung und Geschicklichkeit. Quelle: Julia Tonne

Einfacher wurde es für viele Menschen, als der Rentenanspruch durch Bismarck im Jahr 1889 eingeführt wurde. Vergleichbar mit der heutigen Vollsicherung sei die damalige Rente aber nicht, macht der Museumsleiter deutlich. „Vielmehr ist nur ein Ausgleich der durch Altersschwäche geminderten Erwerbstätigkeit erfolgt.“ Zudem sei die Rente erst mit 70 Jahren ausgezahlt worden. Hofbesitzer hatten hingegen noch eine andere Altersabsicherung. Mit der Abgabe des Hofes wurde die Versorgung der Alten vertraglich geregelt – also beispielsweise Wohnrecht und Ernährung. Hart sanktioniert wurde, wer diese Vereinbarungen umging.

Begräbnisse innerhalb der Dorfgemeinschaften

Für die Lohnbeschäftigten hingegen gab es bereits um die Jahrhundertwende Altersheime und Armenhäuser. In Borna eröffnete 1880 in der Luckaer Straße das Bezirkssiechenhaus, in dem alte Menschen bis zu ihrem Tod lebten. Wer allerdings in einem dieser Häuser alt werden wollte, musste mit Hilfe eines Heimatscheins nachweisen, dass er aus dem entsprechenden Ort stammte und wegen der Arbeit fortgegangen war.

In der Scheune werden unter anderem auch Zimmertoiletten gezeigt. Sie erinnern in gehobener Ausstattung an kleine Schränkchen. Quelle: Julia Tonne

Die neue Ausstellung in Wyhra, die noch bis zum 20. Oktober in der Scheune zu sehen ist, beschäftigt sich zudem mit dem Thema der Bestattung. Auch da gab es gravierende Veränderungen. „Früher fanden die Begräbnisse innerhalb der Dorfgemeinschaften statt, heute ist alles kommerzialisiert“, erläutert Ketzer. Um 1900 herum habe der Dorftischler den Sarg gebaut, die Heimbürgerin, auch Leichenfrau genannt, sei für das Waschen und das Ankleiden der Toten verantwortlich gewesen, der Pfarrer schließlich für das Begräbnis an sich. Zudem wurde der Sarg einige Tage aufgebahrt, so dass die Familie und Freunde Abschied nehmen konnten.

Von Julia Tonne

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