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Borna Bahnstreik: Pendler warten vergeblich auf Züge im Landkreis
Region Borna Bahnstreik: Pendler warten vergeblich auf Züge im Landkreis
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13:59 10.12.2018
Bahnstreik im Landkreis Leipzig: In Wurzen fielen viele Züge aus, Reisende mussten teils stundenlang auf ihre Bahn warten.
Bahnstreik im Landkreis Leipzig: In Wurzen fielen viele Züge aus, Reisende mussten teils stundenlang auf ihre Bahn warten. Quelle: Frank Schmidt
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Böhlen/Bad Lausick

Gefühlt war der Stau auf der Bundesstraße 95 zwischen Espenhain und Großdeuben am Montagmorgen noch länger als sonst: Doch wer hier im Auto Richtung Leipzig sich 20 Minuten oder mehr in Geduld fassen musste, hatte es immerhin warm.

Anders erging es den Hunderten Pendlern, die in Bornas, Geithain, Frohburg, Bad Lausick und auf den Stationen unterwegs vergeblich auf S-Bahn, Regiobahn oder Regionalexpress warteten. Der Streik der EVG-Gewerkschafter legte nicht nur den Fernverkehr deutschlandweit lahm. Im Landkreis Leipzig drehte sich am Morgen ebenso kaum ein Rad auf der Schiene.

In Wurzen fielen viele Züge aus, Bahnreisende drängelten sich in den verbliebenen S-Bahnen, die noch fuhren. Quelle: Frank Schmidt

Züge kamen teils 180 Minuten später

„Meine S-Bahn sollte halb sieben fahren, doch sie kommt nicht“, sagte eine junge Frau 6.50 Uhr auf dem Bahnhof in Böhlen. Nach ihrer Nachtschicht wollte sie nur eines: heim nach Leipzig und schlafen. Daraus wurde nichts. Aufgrund von „Streikauswirkungen“, so informierte die elektronische Anzeige auf dem ungemütlichen Bahnsteig, käme ihr Zug 180 Minuten später.

Das müssen Bahnfahrer wissen

• Welche Rechte habe ich, wenn mein Zug ausfällt? Erhalte ich mein Geld zurück? Alles, was Sie zum Streik der Deutschen Bahn wissen müssen, haben wir hier in einer Übersicht für Sie zusammengestellt.

• Ist mein Zug pünktlich? Auf der Bahnhofstafel der Deutschen Bahn können Sie Informationen zu Ihrem Zug bekommen. Geben Sie einfach den Abfahrtsbahnhof sowie die Abfahrts- oder Ankunftszeit ein.

• Allgemeine Informationen zum aktuellen Stand der Beeinträchtigungen können Sie hier auf der Webseite der Bahn einsehen.

Andere warteten bereits eine knappe Stunde, da die S-Bahn nach Halle, reguläre Abfahrt 6.11 Uhr, ebenso überfällig war. Dass sie sich lediglich – wie die Leuchtschrift verhieß – um eine Stunde verspäten würde, glaubte kaum einer. Trotzdem blieben die meisten – und hofften.

Bahnstreik im Landkreis Leipzig: Viele Züge waren am Morgen extrem verspätet. Quelle: Frank Schmidt

Bahn-App gibt keine klare Auskunft

„Es gibt keine klare Aussage, auch in der App nicht. Deshalb kann man sich nicht drauf einstellen“, sagte ein Mann, der zur Arbeit nach Markkleeberg musste. Richtung Borna gebe es wenigstens Busse, Richtung Leipzig aber habe man keine Alternative. „Ich habe meinen Chef angerufen, der holt uns jetzt ab.“ Wenn man schon streike, dann sollte man doch wenigstens einen Schienenersatzverkehr organisieren.

An der Oberschule in Bad Lausick sorgte der Bahner-Streik dafür, dass Schüler zumindest am Morgen fernblieben. „Schüler aus Belgershain und Otterwisch wurden offenbar durch ihre Eltern gefahren. Schüler aus Hopfgarten und Tautenhain, die vergeblich auf den Zug warteten und in der Schule anriefen, haben wir erstmal nach Hause geschickt“, sagte Schulleiterin Steffi Meier-Köhn. Betroffen seien auch mehrere Lehrkräfte, die in Leipzig lebten: „Die organisieren sich jetzt ein Auto.“ Der Tag des Bahn-Streiks ist zugleich der Tag des neuen Bus-Netzes in der Region Geithain/Frohburg. Auch da, sagte Meier-Köhn, sei zum Start nicht alles rund gelaufen. So habe man Schüler aus Prießnitz vermisst.

Auch in Wurzen standen Bahnreisende am Montag auf verlorenem Posten, da ihnen verlässliche Informationen über Verspätungen fehlten. „Die Anzeigetafel gibt zwar bekannt, dass mit Verzögerungen zu rechnen ist, aber mehr auch nicht“, beklagt ein Mann, der nach Riesa wollte. „Das habe ich mir schon so gedacht, als ich von den Streiks heute Morgen aus dem Radio erfahren habe“, sagte Regina Vetterlein, die gegen Mittag einen wichtigen beruflichen Termin in Dresden hat. „Dass es zu Verspätungen kommen wird, war mir dann schon klar, aber dass es so heftig werden wird...“ fügte sie überrascht an.

Einige Bahnreisende haben Verständnis

Allerdings zeigte sie auch etwas Verständnis. „Woher auch soll jemand relativ genau sagen können, wann und wie es weitergeht, wenn, wie ich gehört habe, in ganz Deutschland Züge ausgefallen sind.“ Richtig sauer zeigte sich ein junger Mann, der nach Leipzig zur Arbeit muss. „Alle reden davon, dass mit Bus und Bahn gefahren werden soll, dann dieser Scheiß“, sagte der etwa 30-Jährige und legte nach. „Hätten denn nicht wenigstens die S-Bahnen fahren können?!“

Ein anderer Mann, der angab für ein privates Bahnunternehmen im Güterverkehr tätig zu sein, sagte, dass er erst wieder auf die Schiene dürfe, wenn der Personenverkehr wieder normal laufe. Er ging davon aus, dass die „Zwangspause“, wie er es nannte, noch bis zum Nachmittag dauern würde. Ihn ärgerte nur, „dass wir im Güterverkehr gar nichts mit dem Arbeitskampf im Personenverkehr zu tun haben, aber eben auch darunter zu leiden haben.“

Gewerkschaft will im Tarifkonflikt Forderungen durchsetzen

Der Grund des Warnstreiks: Die Gewerkschaft will im Tarifkonflikt mit der Bahn ihre Forderungen durchsetzen. Am Samstag hatte die EVG die Verhandlungen für rund 160.000 Beschäftigte abgebrochen. Bei der Lohnerhöhung war der Konzern der Gewerkschaft aus deren Sicht nicht weit genug entgegengekommen.

Von Ekkehard Schulreich und Frank Schmidt