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Borna Bemalt Fischer-Art die Oberschule in Kitzscher?
Region Borna Bemalt Fischer-Art die Oberschule in Kitzscher?
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10:00 24.02.2019
Etwa so stellt sich der Künstler Michael Fischer-Art die Oberschule in Kitzscher vor. Quelle: Michael Fischer-Art
Kitzscher

Wird die Kitzscheraner Oberschule äußerlich ein Kunstwerk aus der Malerwerkstatt von Michael Fischer-Art? Grau soll sie jedenfalls nicht werden, so wie im Entwurf des Leipziger Ingenieurbüros Klemm und Hensen vorgesehen. Die Farbgestaltung war nicht das einzige, was Lehrer und Elternvertreter bei einer Präsentation der bevorstehenden energetischen Sanierung zu bemängeln hatten.

„Wir werden gute Nerven brauchen“, stimmte Schulleiterin Dagmar Schulz auf die zwei bevorstehenden Jahre ein. So lange wird die im April beginnende Sanierung bei laufendem Betrieb der Schule dauern. Und womöglich sogar noch länger, weil die Stadt nach der zu 100 Prozent vom Freistaat Sachsen finanzierten energetischen Sanierung mit der Innensanierung weitermachen will.

In der Aula der Oberschule Kitzscher werden die Pläne für die energetische Sanierung der Oberschule vorgestellt. Links: Bürgermeister Maik Schramm. Quelle: André Neumann

Wände und Böden bei energetischen Sanierung der Schule nicht dabei

Zur energetischen Sanierung gehören nämlich nur die Gebäudehülle einschließlich Dach und Aufbau einer Photovoltaikanlage und alles was mit Heizung und Energieversorgung zu tun hat. Türen, Wände und Böden, soweit sie nicht unmittelbar betroffen sind, gehören nicht dazu. Wann die in Angriff genommen werden, steht noch nicht fest.

Bevor die Runde in der Aula der Schule auf die Farbgebung zu sprechen kam, waren die Fenster das beherrschende Thema. Das 1971 errichtete Gebäude mit Keller und vier Geschossen hat auf beiden Längsseiten durchlaufende Fensterreihen mit jeweils drei Meter breiten Elementen. Die sind jetzt dreigeteilt und zudem durch Oberlichte strukturiert.

Durchgehende große Fensterflügel problematisch

Nach dem Entwurf von Klemm und Hensen sollen künftig nur noch zwei von oben bis unten durchgehende große Fensterflügel ein Element ausmachen. „Dann können wir, wenn wir mit offenen Fenstern lüften, eine Bankreihe nicht mehr benutzen“, warf ein Lehrer ein.

Noch wichtiger war den Lehrern ein weiteres Problem: Aus Sicherheitsgründen sind alle Fenster schon jetzt immer mit einem Schloss gesperrt, können so nur gekippt werden, damit Kinder nicht versehentlich abstürzen. Kinder, war zu vernehmen, sitzen auch mal auf dem Fensterbrett.

Gegen die vorgesehenen Fenster haben die Lehrer Bedenken. Die Reliefs am Haupteingang würde der Künstler Michael Fischer-Art gern in die Fassadengestaltung einbeziehen. Quelle: André Neumann

Architektin von Klemm und Hensen kommt Lehrern nicht entgegen

Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass ein Kollege mal das Abschließen nach dem Lüften vergisst. Zumal der Aufwand, jedes einzelne Fenster zu verschließen, Zeit erfordert. Warum könne also nicht ein starres Unterteil eingebaut werden, wollten die Lehrer wissen. Die Architektin von Klemm und Hensen gab zu verstehen, dass mit dem jetzigen Entwurf alle gesetzlichen Vorgaben zur Absturzsicherung erfüllt würden.

Auch beim Wunsch nach einem festen Sonnenschutz anstelle manuell zu bedienender Jalousien mit Wartungsaufwand kam die Architektin den Lehrern nicht entgegen. Man würde ansonsten die 100-Prozent-Förderung gefährden. Auch Bürgermeister Maik Schramm (Freie Wähler) stand hier nicht auf Seiten der Lehrer.

Reliefbilder aus DDR-Zeiten würden verschwinden

Dafür aber bei der Fassadengestaltung: Schon als die Vertreterin des Ingenieurbüros ein erste Bild zeigte, ging verständnisloses Raunen und Gemurmel durch die Reihen. Das gesamte Gebäude in unterschiedlichen Grautönen, nur gelbe Trennungen zwischen anthrazitfarbenen Fenstern und zwei gelbe Türen am Haupteingang.

Künstler Michael Fischer-Art will der Schule in Kitzscher einen frischen Anstrich verpassen. Quelle: Julia Tonne

Die große Fläche darüber, jetzt immerhin mit Betonwaben aufgelockert, würde glatt und grau, die Reliefbilder daneben – typische damalige DDR-Kunst – würden verschwinden.

Michael Fischer-Art präsentiert eigenen Entwurf

An dieser Stelle kam Michael Fischer-Art ins Spiel, der unter den Zuhörern saß. Schramm hatte beim Bornaer Neujahrsempfang in dessen Atelier mit dem seit einiger Zeit in Borna lebenden Künstler über die Oberschule gesprochen und schnell auch die Schulleiterin begeistert. Fischer-Art hatte auch schon einen Entwurf mitgebracht.

So würde die sanierte Oberschule nach den Plänen des Ingenieurbüros Klemm und Hensen aussehen. Quelle: André Neumann

Er wolle, sagte er der LVZ, auch Kunstunterricht geben und Schüler an der Fassadengestaltung mitarbeiten lassen. Das würde auch Vandalismus entgegenwirken. Die Reliefs wolle er mit einbeziehen, jedenfalls nicht beseitigen.

Schüler und Lehrer in Kitzscher bevorzugen bunte Schule

Die Vorstellung einer bunten Schule stieß auf so viel Zustimmung, wie das Grau auf Ablehnung getroffen war. „Wir haben hier eine Schule, ein Haus voller Kinder, das muss bunt sein“, spricht die Schulleiterin vermutlich ihren Kolleginnen und Kollegen aus dem Herzen. Und Schramm macht gegenüber der LVZ deutlich: „Wir streichen doch keine Schule grau an!“

Ob sich der Entwurf von Fischer-Art umsetzen lassen wird, hängt natürlich auch vom Geld ab. Schramm will sich jetzt zunächst noch von seinen Stadträten grünes Licht holen. Wenn diese die Idee mittragen, wolle er nach Finanzierungsmöglichkeiten Ausschau halten.

Von André Neumann

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