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Borna Bewohner von Lobstädt kämpfen weiter gegen Verkehrslärm
Region Borna Bewohner von Lobstädt kämpfen weiter gegen Verkehrslärm
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07:03 23.11.2018
Lobstädt wehrt sich gegen die gestiegene Verkehrsbelastung. Quelle: André Neumann
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Neukieritzsch/Lobstädt

Viele Bewohner der Glück-Auf-Straße in Lobstädt wollen sich weiter gegen die ihrer Ansicht nach zu starke Verkehrsbelastung stark machen. Von rund 150 Bewohnern der Straße, die als Kreisstraße die B176 mit Rötha verbindet, beteiligten sich auf einer Bürgerversammlung rund 50 an der Diskussion darüber, was man gegen Verkehrslärm und Gefahren durch die vielen Autos tun kann.

Carsten Wiesner, einer der Sprecher der Bürgerinitiative Glück-Auf-Straße, bezeichnet die Stimmung auf der Versammlung als „emotional, aber sachlich und konstruktiv“.

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Banner sollen Autofahrer in Lobstädt zum Langsamfahren motivieren

Eines der wichtigsten Ergebnisse der Debatte könnte demnächst entlang der Straße sichtbar sein. Die Bürgerinitiative hat den Anwohnern nämlich vorgeschlagen, Banner aufzuhängen, die Autofahrer zur Vorsicht und zum Langsamfahren mahnen. 13 Stück des 1,50 Meter langen und 80 Zentimeter hohen Schriftzuges „Verkehrslärm macht krank! Freiwillig 30 Km/H“ seien bestellt worden, freut sich Wiesner. Die würden jetzt angefertigt und geliefert. Auch eine weitere Warn-Figur in Leuchtfarbe, ein so genannter Street Buddy soll noch aufgestellt werden.

Mit solchen Bannern soll der Verkehrslärm in Lobstädt verringert werden. Quelle: BI/Winkler

Öffentliche Aufmerksamkeit wollen die Lobstädter für ihr Anliegen künftig auch über Facebook gewinnen sowie durch ein Straßenfest im kommenden Frühjahr, zu dem Politiker und Medien eingeladen werden sollen. Der Termin steht schon fest: 13. April 2019.

Bürgerinitiative will Geschwindigkeitsmessungen beantragen

Beschlossen wurde auch, dass man bei den zuständigen Behörden mehr über die tatsächliche Situation in, auf und unter der Straße erfahren will. Beim Landratsamt will die Bürgerinitiative beantragen, dass die Ergebnisse von Geschwindigkeitsmessungen und Verkehrszählungen offen gelegt werden.

Auch über den Zustand der Straße sollen Nachforschungen angestellt werden. Denn, so Wiesner, es gebe Hinweise darauf, dass bei einer Kanalbefahrung in diesem Frühjahr Schäden festgestellt worden seien.

In der Glück-Auf-Straße in Lobstädt warnt eine Figur in Leuchtfarbe Quelle: André Neumann

Von den Behörden erhofft man sich Unterstützung bei der Begrenzung der Geschwindigkeit im Ort. Ortschaftsratsmitglied Werner Winker brachte den Vorschlag ins Spiel, für den Abschnitt etwa zwischen dem Asylheim am Ortseingang aus Richtung Großzössen und dem so genannten Hufeisen ungefähr in der Mitte der Straße eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 Kilometer je Stunde zu fordern.

Bürgermeister Thomas Hellriegel wurde nicht eingeladen

Ein Ansatz, den auch Bürgermeister Thomas Hellriegel (CDU) für zielführend hält und unterstützen würde, wie er sagte. Allerdings zeigte er sich etwas verschnupft darüber, dass die Veranstalter zwar den Ortschaftsrat, aber nicht ihn auf der Einladungsliste hatten. „Ich kann die Bürgerinitiative nur unterstützen, wenn sie mich einlädt“, sagte er auf LVZ-Anfrage.

Bürgermeister Thomas Hellriegel wurde von der Bürgerinitiative nicht eingeladen. Quelle: Julia Tonne

Ob Begrenzung oder nicht, die Bürger wollen auch versuchen, bei der zuständigen Behörde den Antrag auf ein Geschwindigkeitsdisplay zu stellen, von dem rote oder grüne Smileys auf die Autofahrer schauen.

Bürgerinitiative fordert Radweg in Lobstädt

Außerdem spricht sich die Bürgerinitiative für einen innerörtlichen Radweg aus, der die Situation für Radfahrer und Fußgänger entschärfen könnte. Während es an der Straße von Borna nach Lobstädt und an der von Lobstädt nach Großzössen und Kahnsdorf Radwege gibt, müssen die Radfahrer im Ort nämlich auf der Straße fahren, oder sie nutzen die schmalen Fußwege, was die Straßenverkehrsordnung nur Kindern bis zehn gestattet.

Kommentar: Landrat tut sich keinen Gefallen

Wegen der gesperrten B 176 werden jetzt voraussichtlich zwei Wochen lang noch mehr Autos durch die Glück-Auf-Straße in Lobstädt rollen als bisher schon – genauso wie durch den anderen, größeren Teil des Neukieritzscher Ortsteils. Für die Bewohner der Straße, die sich gerade in einer Bürgerinitiative gegen Verkehrslärm und Gefahren wehren, ist das Wasser auf die Mühlen.

Zu den Kritiken der Anwohner am Verkehr auf ihrer Straße kann man so und so stehen. Auswärtige Autofahrer, das ist auch in Web-Kommentaren zu lesen, neigen eher zu der Meinung: Es ist eine Straße, die ist für den Autoverkehr da. Wer den Tag und Nacht vor Augen, Nase und Ohren hat, empfindet logischerweise anders.

Wenn sich in dieser Situation eine Bürgerinitiative bildet, die Veränderungen erreichen will, dürfen regionale Politiker sich dem nicht versperren. Die Menschen sind keine Beamten oder Verwaltungsangestellten. Diese mögen sagen: Die Straße ist für Autos da, der Verkehr muss rollen, möglichst ungehindert. Ein Bürgermeister und auch ein Landrat sollten aber nicht nur die rechtliche Situation im Blick haben, sondern auch – wenn nicht zuerst – die Bürger.

Insofern hat sich Landrat Henry Graichen vermutlich keinen Gefallen getan mit seiner Absage an die Bürgerversammlung. Lag es daran, dass Sonntag war, dass er auch keinen Vertreter in seiner Behörde fand? Dass der CDU-Politiker sein Fernbleiben ausgerechnet in einem Telefonat mit einer regionalen Grünen-Politikerin kundtat, die zum Sprecherkreis der Bürgerinitiative gehört, lässt bei gutem Willen bestenfalls erkennen, dass Graichen im Vor-Wahljahr keine Wahltaktik betreibt.

Der Neukieritzscher Bürgermeister Thomas Hellriegel, auch CDU, geht da deutlich geschickter vor. Er ist klug genug, die Bürger nicht vor den Kopf zu stoßen, auch wenn er zur Versammlung nicht eingeladen war. Und obwohl er weiß, dass sein Einfluss auf die Situation an der Kreisstraße begrenzt ist.

a.neumann@lvz.de

Einig war man sich auch darüber, dass die Thema Verkehrsbelastung und Verkehrslärm in der Glück-Auf-Straße auf der übernächsten Sitzung des Ortschaftsrates besprochen werden sollen, also voraussichtlich im Januar. Dann soll es nach dem Willen der Bürgerinitiative auch darum gehen, in welchem Maße die Transporte des Saftherstellers Sonnländer in Rötha von und nach Borna den Weg über Lobstädt nutzen.

Landrat Henry Graichen erneut einladen

Zu dieser Sitzung soll dann auch der Neukieritzscher Bürgermeister eingeladen werden. Außerdem wird voraussichtlich noch einmal Landrat Henry Graichen (CDU) eingeladen. Der hatte sich mit Verweis auf andere Termine entschuldigen lassen und um ein Protokoll der Versammlung gebeten.

Das kam bei vielen gar nicht gut an, zumal Graichen auch keinen Vertreter geschickt hatte. Carsten Wiesner sagt sehr zurückhaltend, man habe die Absage „mit Bedauern“ aufgenommen. Andere wurden deutlicher: Der Landrat habe wohl vergessen, sagte Werner Winkler, dass im nächsten Jahr in Sachsen gewählt wird. Für die CDU stehe einiges auf dem Spiel.

Von André Neumann