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Borna Böhlen: Bagger fressen sich durch Brücke
Region Borna Böhlen: Bagger fressen sich durch Brücke
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10:27 11.11.2018
Mit Einbruch der Dunkelheit lag das Fallbett, so dass der erste Baggerbiss erfolgen konnte. Quelle: Julia Tonne
Böhlen

 Am Freitagabend ließ so manch Böhlener Kino- und Fernsehabend sausen. Denn was vor der eigenen Haustür an der Anschlussstelle Böhlen/Zwenkau zu erleben war, war mindestens genauso spektakulär wie ein Action-Streifen. Ein wenig erinnerte das nächtliche Szenario an den Film Jurassic Park. Baufahrzeuge mit Abbruchscheren, die einem Dinokopf nachempfunden schienen, bissen sich durch meterdicken Beton.

Acht Bagger, Radlader und etliche Mitarbeiter der beiden Firmen Reinwald und Amand waren vor Ort, um die B2-Brücke, die über die Bundesstraße 95 verläuft, dem Erdboden gleich zu machen. Beschränkten sich am Freitagvor- und nachmittag die Arbeiten noch auf Baustellen-Absperrung und Einrichten der Umleitungen, ging es mit Einbruch der Dunkelheit dann richtig zur Sache.

Fallbett aus Erdaushub federt Brückenteile ab

Zahlreiche Strahler sorgten für die passende Beleuchtung, als sich die Baufahrzeuge zunächst das Erdreich um die Widerlager der Brücke vornahmen und den tonnenschweren Aushub unter dem Bauwerk zu einem Fallbett zusammenschoben. „Einen Meter Höhe muss das Bett schon haben, um keine Schäden auf der Fahrbahn zu verursachen, wenn die Brückenteile herabstürzen“, erklärte Rico Gey, Bauleiter bei Reinwald. Schließlich solle die ja am Montagabend wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Gegen 20 Uhr tauschten die Baufahrzeuge dann die Werkzeug-Aufsätze. Zum Einsatz kamen – nach den Schaufeln – Hydraulikhammer, die die Brücke zunächst perforierten und damit schwächten. Anschließend rückten die Dino ähnlichen Abbruchscheren dem Beton zu Leibe. Allein die beiden Geräte brachten ein beachtliches Eigengewicht mit: Während der Hammer etwa fünf Tonnen wiegt, bringt die Schere rund sechs Tonnen auf die Waage.

Unter Flutlicht, mit etliche Baggern und zahlreichen Mitarbeitern ist am Wochenende der Abriss der B2-Brücke erfolgt. Etliche Zaungäste nutzten das Ereignis als Familienausflug.

Tanklaster versorgen Baufahrzeuge mit Diesel

In Zwölf-Stunden-Schichten bewegten die Mitarbeiter der beiden Baufirmen die Gerätschaften, bis Sonntag rückte zudem mehrmals ein Tanklaster an, der die Bagger und Radlader genauso mit Diesel versorgte wie die Strahler. Während dessen wartete ein Ersatzbagger in der Nähe von Frohburg auf einen möglichen Einsatz.

„Die Logistik, die dahintersteckt, ist schon eine Geschichte für sich“, sagte Gey. So seien einige Bagger gar aus Berlin und Potsdam abgezogen worden, um in Böhlen am Wochenende zum Einsatz zu kommen. Zudem wurde ein Hydraulikdienst in Bereitschaft versetzt, sollten Signal-, Kraft- oder Energieübertragung an den Geräten versagen.

Letzte Aufgabe: Putzen der B95-Fahrbahn

Am Sonnabend war von der Brücke schon nicht mehr viel übrig, selbst die Widerlager und Pfeiler waren verschwunden. „Auch die Fundamente kommen raus und werden anschließend mit Kies aufgefüllt“, erklärte Gey. Am Montag dann werde rund um die Baustelle ordentlich gewienert. Mehrere Kehrmaschinen seien unterwegs, um jedes Krümelchen Erde von der Fahrbahn zu verdammen.

Der Abriss ging am Wochenende mit einer viertägigen Vollsperrung einher, die sowohl die B 2 als auch B 95 betraf. Dennoch kam es nur an wenigen Ecken der Umleitungen zu Staus. Allerdings hatten besonders die Markkleeberger und Großdeubener zu leiden. Denn unzählige Ortskundige hatten von Leipzig aus in Richtung Borna die Route über die Hauptstraße gewählt. Die Einhaltung des Zeitplans, federführend vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) erstellt, sorgte dann aber für Aufatmen bei den Autofahrern.

Von Julia Tonne

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