Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Böhlen und Bad Lausick stimmen gegen Orchester-Gesellschaft
Region Borna Böhlen und Bad Lausick stimmen gegen Orchester-Gesellschaft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:17 27.09.2019
Der Appell der Sächsischen Bläserphilharmonie, die bisherigen Strukturen zu belassen, war noch im April im Kreistag verhallt. Jetzt herrscht bei den Musikern Entwarnung. Quelle: Frank Schmidt
Böhlen/Bad Lausick

Paukenschlag in Böhlen: Die Stadt war am Donnerstagabend für einen solchen sprichwörtlich verantwortlich. Mit knapper Mehrheit lehnte der Stadtrat den Beschluss zur Gründung der Orchester GmbH ab. Lediglich sechs Räte stimmten für den Beschluss, zwei enthielten sich, acht votierten mit einem Nein. Damit ist die geplante Neustrukturierung vom Tisch.

Mehrheitsverhältnisse verstimmen die Räte in Böhlen und Bad Lausick

Ziel von Seiten des Landkreises war es, für die beiden im Kreis beheimateten professionellen Klangkörper, die Sächsische Bläserphilharmonie und das Leipziger Symphonieorchester (LSO), eine gemeinsame GmbH ins Leben zu rufen, denn bisher agieren beide Ensemble komplett eigenständig – mit eigenen Trägergesellschaften und Geschäftsführern. Gesellschafter der gemeinsamen GmbH sollten die beiden Städte Böhlen und Bad Lausick sowie der Landkreis sein, allerdings mit unterschiedlichen Gewichtungen. Während der Landkreis 52 Prozent des Stammkapitals eingezahlt und demzufolge größere Entscheidungsbefugnisse bekommen hätte, hätten hingegen die beiden Kommunen nur jeweils 24 Prozent zum Kapital beigesteuert – und vermutlich weniger Einfluss ausüben können.

Böhlener sorgen sich um Einfluss

Und eben das war Hauptkritikpunkt an dem neuen Konstrukt: Böhlen würde seine Entscheidungsbefugnisse durch die Orchester GmbH zu einem großen Teil einbüßen. „Mit einem solchen Vertrag tauschen wir unsere bisherige Mehrheit gegen eine Minderheit ein“, brachte es der AfD-Fraktionsvorsitzende Falk Jahr auf den Punkt. Erst vor wenigen Tagen war Jahr zu Gast bei einem Workshop, der sich mit eben der Gründung beschäftigte. „Und hier hat sich gezeigt, dass es keine gemeinsame Linie gibt“, erklärte Jahr.

Vergrößerte Verwaltung treibt Kosten in die Höhe

Das gesamte Konstrukt sei dem Steuerzahler nicht zu vermitteln, zumal die designierte Geschäftsführerin Gabriele Hegner einen Verwaltungsapparat während des Workshops vorgestellt habe, der 50 Prozent mehr Verwaltungsstellen vorsehe als der Status Quo. Falle dann außerdem im Jahr 2022 die Kulturraumförderung weg, müssten die Kosten – unter anderem die Gehälter der Musiker – vollständig vom Landkreis und von den beiden Kommunen getragen werden. Eines machte Jahr deutlich. Er sei keineswegs gegen Kultur, aber es müsse eine „Maßhaltigkeit zwischen Einnahmen und Ausgaben“ geben.

Wirtschaftlichkeit der Orchester steht nicht zur Disposition

Allerdings wollte die Diskussion über die Wirtschaftlichkeit zweier Orchester im Landkreis keiner führen. „Der Beschluss sieht nicht vor, dass wir über ein Ja oder ein Nein zum LSO entscheiden, sondern über die Gründung der Orchester GmbH“, erwiderte Bürgermeister Dietmar Berndt (parteilos). Hochkultur im ländlichen Raum könne nicht wirtschaftlich sein, müsse aber erhalten werden. Für ihn sei es zudem „richtig“, dass der Gesellschafter, der das meiste Geld einzahle, auch mehr Entscheidungsgewalt habe, „und zwar in guten wie in schlechten Zeiten“.

Jahrs Argumentation zu den künftigen Mehrheitsverhältnissen hingegen fand einige Zustimmung bei den Stadträten. So machte auch Bernd Seidel von der FDP deutlich, dass Böhlen in der neuen Gesellschaft „nichts mehr zu sagen“ habe. Jeder Gesellschafter solle mit einem Drittel vertreten sein für ausgewogene Verhältnisse.

Veto für klassische Musik

Außer Frage stellte noch einmal Mirko Altmann von der SPD, dass klassische Musik – zumal von einem Orchester wie dem LSO gespielt – finanzielle Unterstützung brauche. Ohne die Musiker seien Stücke von Mozart oder Beethoven nicht mehr „live“ zu hören, zudem gebe es einen Bildungsauftrag durch Orchester. Letztlich aber enthielt sich Altmann seiner Stimme.

Zum Abstimmungsergebnis der Böhlener Räte fand Berndt abschließend nur noch ein Wort: „Schade.“ Allerdings hatte er schon im Vorfeld erklärt, dass der Beschluss auch von Seiten der Bad Lausicker „schwierig wird“. Und in der Tat fand die geplante Gründung der Orchester GmbH schon beim Workshop keine tragfähige Mehrheit – weder bei den Böhlenern, noch bei den Bad Lausickern. Auch Bad Lausick hatte am Donnerstagabend den Beschluss auf der Agenda – allerdings im nichtöffentlichen Teil. Das Ergebnis fiel nach LVZ-Informationen gegen die Orchester GmbH aus.

Landkreis beerdigt Plan von Straffung der Struktur

Der Kreis hat seinen Plan, eine gemeinsame Struktur zu schaffen, damit am Freitag beerdigt. Landrat Henry Graichen (CDU) hatte offensiv für die GmbH geworben und bedauerte die Ablehnung aus Böhlen und Bad Lausick ausdrücklich: „Es ist schade, dass wir mit unseren Argumenten nicht durchgedrungen sind“, erklärte er unmittelbar nach den Ablehnungen durch die beiden Kommunalparlamente. Seit 2017 engagiere sich der Landkreis verstärkt, um die Orchester zu unterstützen, erinnerte er. Geld fließe nicht nur über die Zahlung der Kulturumlage an den Kulturrraum, sondern zusätzlich zur Finanzierung der Klangkörper.

Kreisräte hatten auf mehr Mitspracherecht gehofft

So wurden zum Beispiel auch die Sitzgemeindeanteile für Böhlen und Bad Lausick vom Kreis übernommen. Insgesamt gebe man jährlich über 800.000 Euro für die Orchester aus, ohne in den Gesellschafterversammlungen ein Mitspracherecht zu haben. „Unser Wunsch war, entsprechend unseres finanziellen Engagements auch eine entsprechende Verantwortung als Gesellschafter zu übernehmen und auch den Kreisräten mehr Mitsprache zu ermöglichen“, begründete Graichen noch einmal seine Intention. Noch im April war der Kreistag der Argumentation mehrheitlich gefolgt und hatte für den Weg grünes Licht gegeben. Es sollte einen gemeinsamen Geschäftsführer geben, auch bei anderen Dingen wie Steuererklärung oder Wirtschaftsplan sollte künftig gemeinsame Sache gemacht werden.

Keine gute Erinnerung an frühere Gesellschaft

„Nunmehr“ äußerte Graichen ohne jeglichen Groll, „haben wir die Entscheidung der Kommunen zu akzeptieren.“ Offenbar seien auch die Vorbehalte der Musiker zu groß gewesen. „Mit einer gemeinsamen GmbH, die schon einmal unter anderen Vorzeichen bestand, verbinden viele keine guten Erinnerungen“, musste der Landrat konstatieren. Eine weitere Behandlung des Themas im Kreistag sei damit obsolet. Im Übrigen, so Graichen abschließend, wäre die GmbH auch gescheitert, wenn nur einer der drei Partner Nein gesagt hätte.

Von Julia Tonne und Simone Prenzel

Die Polizei fahndet nach einem geklauten Kleintransporter der Marke Renault Master. Er war in der Nacht zum Donnerstag in Böhlen gestohlen worden. Die Soko Kfz hat die Ermittlungen aufgenommen.

27.09.2019

Bei einem Verkehrsunfall sind am Donnerstag in Borna vier Senioren schwer verletzt worden. Ein 75-jähriger BMW-Fahrer hatte die Vorfahrt missachtet.

27.09.2019
Borna Zweieinhalb Monate später Bornaer Stadtrat nimmt seine Arbeit auf

Der Bornaer Stadtrat ist jetzt zu seine konstituierenden Sitzung zusammengekommen.

27.09.2019