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Borna Böhlens Klaus Havenstein – der ungekrönte Torschützenkönig
Region Borna Böhlens Klaus Havenstein – der ungekrönte Torschützenkönig
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09:47 26.07.2019
Fußballer Klaus Havenstein feierte jetzt seinen 70. Geburtstag. Quelle: Thomas Kube
Böhlen

 Selbst dem ruhmreichen Zentralorgan der Fußballer, dem Kicker, war der 70. Geburtstag von Klaus „Have“ Havenstein eine Würdigung wert. Und tatsächlich ist der ewige Böhlener und Gerd Müller des Ostens eine Legende. Wo er auch auftaucht, lächeln ihn die Leute noch heute (fragend) an. „Ja, ich bin’s“, hilft ihnen der Jubilar – angriffslustig wie immer – aus der Patsche. Dabei hat er sich optisch kaum verändert.

Der Fußball hält ihn jung. Der fünffache Großvater kickt noch heute einmal in der Woche mit den alten Kämpen. Immer öfter muss er auf die Zähne beißen. Das Knie. Manchmal kommt er am Morgen nach dem Training vor Schmerzen nur schwer aus dem Bett. Have jammert nicht, Have klopft dreimal auf Holz: „In meinem ganzen Leben wurde ich noch nie operiert. Kein Schnitt. Kein Bruch. Toi, toi, toi.“

Der Böhlener Fußballer Klaus Havenstein ist kürzlich 70 geworden. Er blickt auf eine bewegte Karriere zurück.

Ohne Fußball könnte er nicht leben. Er sei ein Verrückter. Deshalb steht er noch immer als Coach an der Seitenlinie. Er braucht Training und Punktspiel wie die Luft zum Atmen. Geht ihm etwas gegen den Strich, poltert er – am liebsten Richtung Schiri. Seine Spieler behandelt er mit Samthandschuhen: „Wenn du bei der heutigen Jugend laut wirst, kommt die nicht wieder. Bei uns war das anders, da flog schnell mal der Schlüsselbund des Trainers.“

„Wir spielten Fußball, Fußball, Fußball

Auch von Vater Otto bekam der kleine Klaus mitunter eine geschossen. Damals in seinem Heimatdorf Belgershain. „Hinterm Haus war der Sportplatz. Nach der Schule spielten wir Fußball, Fußball und nochmals Fußball.“ Als der Papa kam und pfiff, war der Anpfiff nicht weit. „Weil ich vergessen hatte, die Ziege zu melken, gab es den verdienten Satz warme Ohren.“ Dem Vater und LPG-Bauern verdankt Klaus Otto Havenstein seinen zweiten Vornamen, den aber keiner kennt.

Elf Jahre war Klaus, als Mutter Liselotte starb. Neun Geschwister hatte er. Fast ein Fußballteam. Kein Wunder, dass in der Dorfmannschaft mitunter vier Havensteins kickten: Achim, Walter, Rudi und Klaus. Sechs Kinder brachte der Vater mit in die Ehe, zwei die Mutter. „Zusammen machten sie dann noch mich und meinen jüngeren Bruder Gerd“, lacht Have. Er selbst hat drei Töchter. „Ja, sicher hätte ich mich über einen Nachfolger gefreut – aber zumindest mein Enkel Dominic spielte lange Fußball.“

Als 16-Jähriger machte Klaus Havenstein in Belgershain seine ersten Spiele für die Männer. Mit falschem Pass, bei den Herren durfte man eigentlich erst mit 18 ran. „Damals machte ich am Wochenende noch drei Spiele, bei den Junioren sowie in der zweiten und eben auch ersten Mannschaft. Nach dem Spiel musste ich die Kabine übers Fenster verlassen, um bei der Ausweiskontrolle nicht aufzufliegen."

Nicht mal Blumen für den Schützenkönig

Weder Krone noch Kanone bekam Klaus Havenstein nach der Oberligasaison 1977/78, als er mit 15 Treffern sensationell Torschützenkönig wurde. Der Instinktfußballer mit großartigem Stellungsspiel, perfekter Ballbehandlung und enormer Sprungkraft schaute sprichwörtlich durch die Finger: „Nicht mal einen Blumenstrauß hatten die Funktionäre für mich übrig. Es sollte nicht sein, was nicht sein durfte: Dass ein BSG-Spieler die meisten Tore schießt.“ BSG, diesen drei Buchstaben, die für Betriebssportgemeinschaft stehen, blieb Have immer treu.

Die Stationen

Havenstein begann als Sechsjähriger seine Karriere bei Traktor Belgershain und stand anfangs im Tor. Im Nachwuchsalter wechselte er zu Aktivist Espenhain (A-Jugend), um danach für Belgershains Herrenmannschaft aufzulaufen. In der Folge spielte er in Otterwisch, bei Chemie Böhlen und Motor Grimma. Seinen Armeedienst leistete er zunächst in Zeithain sowie die längste Zeit in Löbau ab, wo er für Vorwärts fast anderthalb Jahre DDR-Liga beziehungsweise Bezirksliga spielte. 1975 kam er zurück nach Böhlen. Im Stadion an der Jahnbaude hatte er seine mit Abstand erfolgreichsten Jahre. 1977/78 wurde er mit 15 Treffern überraschend Torschützenkönig der DDR-Oberliga.

Vier Saisons spielte Klaus Havenstein mit Chemie Böhlen im Oberhaus der Republik: 1977/78, 1978/79, 1980/81 und 1982/83. 1988 ging er als Trainer nach Scharfenstein (bei Zschopau), wechselte nach der ersten Halbserie aber nach Grimma, um bei Motor als Libero auszuhelfen. Nach kurzer Trainerstation in Grimma und politischer Wende in der DDR spielte er als 40-Jähriger kurzzeitig in Schwarzach nahe Heidelberg. Mit 51 (!) wechselte sich der (Spieler-)Trainer von Fortuna Leipzig noch selber ein – rackerte eine Halbzeit als Mittelstürmer. Aktuell ist Havenstein Trainer der 1. Mannschaft der SG Leipzig-Bienitz. Zuvor war er bereits Coach in Geithain, Otterwisch, Klinga, Wachau, Borna, Naunhof, Leipzig (Fortuna) und Sermuth.

Auch wenn die großen Klubs wie Dresden, Frankfurt oder Lok anklopften. Das Heimweh nach Böhlen war immer viel zu groß, als dass er weich geworden wäre. „Ich hatte Glück. Mein Sektionsleiter Hans Tröger war mit dem Klubvorsitzenden von Lok Leipzig, Peter Gießner, befreundet. So wurde ich nicht in die nahe Großstadt delegiert und bekam trotzdem von Gießner jedes Jahr ein Paar Adidas-Fußballschuhe geschenkt.“ Für einen BSG-Spieler eine ganz große Nummer!

Beinahe wäre der BSG-Spieler, der als Maurer und Kabelzieher arbeiten ging, sogar für die Nationalmannschaft nominiert worden: „Es gab schon Vorgespräche. Hinter dem Einsatz von Achim Streich gegen Malta stand ein dickes Fragezeichen. Ich war als sein Ersatz vorgesehen. Als Achim aber gerade noch rechtzeitig wieder fit war, wurde ich fallen gelassen.“ Ja, es habe ihn gewurmt, sagt Havenstein. „Ich hatte durchaus mit einer Kappe geliebäugelt.“

Karriere mit Licht und Schatten

Als Fußballer von Chemie Böhlen war er es gewohnt, Rückschläge wegzustecken. Unvergesslich für ihn die Klatsche, die die BSG vom BFC bekam: „Wir spielten zu Hause, an einem Mittwoch, und die Berliner schossen zehn Tore. Dabei war auf der Anzeigetafel nur Platz für einstellige Resultate.“ Da tröstete es Have auch nicht, dass er alle drei Böhlener Treffer markierte. Vor allem, weil Böhlen drei Tage später in Magdeburg mit 2:10 abermals unter die Räder kam.

Ob mit Jochen Kunath oder Rolf Tröger – beim kürzlich initiierten Böhlener Treff der Legenden konnte Klaus Havenstein die alten Zeiten noch mal aufleben lassen. Im unterhaltsamen Turnier stand Have, der Älteste, im Tor. So schließt sich der Kreis. Denn schon als Knirps, damals noch in Belgershain, hütete er anfangs das Gehäuse. Selbst viel später, beim Oberliga-Punktspiel in Halle, musste ausgerechnet Böhlens Torschütze vom Dienst in den Kasten, nachdem sein Schlussmann Werner Friese vom Platz gestellt wurde. „In den verbleibenden 40 Minuten bekam ich keinen rein“, triumphiert Havenstein noch heute.

Goalgetter „Have“

Klaus Havenstein absolvierte 92 Begegnungen in der DDR-Oberliga, der höchsten Spielklasse des Landes, und erzielte 55 Tore. Alle Treffer gehen auf das Konto von Chemie Böhlen. In der DDR-Liga gelangen ihm in 226 Spielen 169 Tore. In dieser zweithöchsten Liga lief er 205 Mal für Chemie Böhlen auf (163 Tore), sechs Mal für Vorwärts Löbau (zwei Treffer) und 15 Mal für Motor Grimma (vier Tore).

Es sei eine wunderschöne Zeit gewesen, sagt der Gerd Müller des Ostens. Wohl wissend, dass er heutzutage in der Bundesliga ein reicher Mann geworden wäre. Dafür habe er tolle Menschen kennen lernen dürfen: Sektionsleiter Hans Tröger, der wie ein Vater für ihn gewesen sei. Mit dem Motorrad ratterte er bis nach Grethen, um Klaus Havenstein, der gerade mit Freundin Christine im Steinbruch gebadet hatte, nach Böhlen zu lotsen. Nennen möchte er auch seine langjährigen begnadeten Mitspieler Gianfranco Zanirato und Uwe Ferl, mit denen er noch heute Kontakt hält.

Havenstein pflegte seine todkranke Frau

Das Menschliche war und ist Klaus Havenstein wichtig. Bis zu ihrem Tode pflegte er seine geliebte unheilbar erkrankte Christine. Tag für Tag. Als sie starb, schien für ihren Ehemann die Welt unterzugehen: „Wir waren 43 Jahre verheiratet.“ So sehr ihm die Kinder auch halfen – abends war er oft alleine, die Decke drohte ihm auf den Kopf zu fallen. Hinzu kamen finanzielle Probleme. Seine Freunde sammelten Geld für ihn. Have, der früher Tore aus dem Nichts machte, berappelte sich wieder.

Im Herzen werde er immer Böhlener bleiben. Auch wenn er inzwischen in Leipzig lebt. Vor zwei Jahren ist er nach Knauthain gezogen – ins Haus seiner neuen Partnerin Anja. Eine seiner Töchter, Nicole, wohnt noch in Böhlen. Oft besucht sie ihn und er sie. Auf dem Weg zu ihr komme er an seinem früheren Haus vorbei. Er könne sich nicht vorstellen, dort weiter zu wohnen. Er würde nur an Christine denken. In seinem neuen Zuhause gibt es einen Ehrenplatz – für einen Porzellanteller mit güldener Schrift: Torschützenkönig 1977/78. Sein Masseur Jürgen Kowalewski ließ ihn damals anfertigen – als Ersatz für die schuldig gebliebene Krone.

Von Haig Latchinian

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