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Borna Borna bekommt eine „Straße der Braunkohle“
Region Borna Borna bekommt eine „Straße der Braunkohle“
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13:14 07.01.2019
Soll Bestandteil einer „Straße der Braunkohle“ in Borna werden: die ehemalige Brikettfabrik Witznitz.
Soll Bestandteil einer „Straße der Braunkohle“ in Borna werden: die ehemalige Brikettfabrik Witznitz. Quelle: Jens Paul Taubert
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Borna

Es sind sozusagen ungehobene Schätze: Gebäude, Orte und sonstige Zeugnisse, die die reiche Bergbaugeschichte speziell in Borna deutlich machen. Höchste Zeit, die Geschichte der Braunkohle und ihrer Verarbeitung zeitgemäß aufzuarbeiten und für die Nachwelt erlebbar zu machen, ist Rudolf Lehmann überzeugt. Der 83-Jährige, langjähriger Chef der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltung (LMBV), macht sich deshalb für den Aufbau einer „Straße der Braunkohle“ in Borna stark.

Bergmann Rudolf Lehmann aus Neukirchen will in Borna eine „Straße der Braunkohle“ aufbauen. Quelle: Jens Paul Taubert

18 Orte in Borna möglich

Das würde sich zweifellos lohnen. Umfasst die Mitteldeutsche „Straße der Braunkohle“, die durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen führt, etwa 200 Objekte, wären es auf Bornaer Flur immerhin 18 Orte. Plätze, an denen Hinweistafeln mit Fotos auf den früheren Bergbau hinweisen sollen. Dazu gehören das Gebäude der Deutschen Erdöl AG (DEA) in der Röthaer Straße, heute ein Seniorenzentrum, ebenso wie die ehemaligen Brikettfabriken Witznitz und Neukirchen, aber auch Bockwitz und der Lerchenberg und das Gewerbegebiet Zedtlitzer Dreieck.

Straße der Braunkohle kommt nicht zu spät

Kommentar

Es ist höchste Eisenbahn. Die Idee, in Borna eine „Straße der Braunkohle“ anzulegen, kommt keinesfalls zu früh. Eher ein oder zwei Jahrzehnte zu spät, was sich nicht mehr ändern lässt. Ändern aber lässt sich aber, dass Borna nicht weiter unter „ferner liefen“ auftaucht, wenn es um mehr als ein Jahrhundert Bergbaugeschichte in Mitteldeutschland geht.

Denn wo, wenn nicht in in Borna lässt sich die durchaus ambivalente Geschichte der Braunkohle darstellen – von Brot und Wohlstand als Folge der Gewinnung und Verarbeitung der Kohle bis hin zu den negativen Folgen, für die konkret die umgesetzte einstige Heuersdorfer Emmauskirche steht. Immerhin 18 Orte wären Bestandteil eine „Straße der Braunkohle“ im Bornaer Stadtgebiet. Das hätte womöglich, zumindest auch, einen gewissen touristischen Effekt.

Dass niemand schon in den 90er-Jahren auf die naheliegende Idee gekommen ist, Orte und Gebäude als Zeugen einer industriellen Epoche zu würdigen und entsprechend zu präsentieren, lässt sich durch den Zeitgeist der Nachwende-Jahre erklären, in dem vielfach die schlimmen Folgen des Bergbaus für die Umwelt im Zentrum standen. Um die aber darf es keineswegs allein gehen. Gerade in Zeiten, in denen die öffentliche Meinung zur Verteufelung von Kohle und Co. neigt, ist die Erinnerung an die Bergbaugeschichte auch und gerade in Borna umso wichtiger.

n.natsidis@lvz.de

Die frühere Brikettfabrik in Neukirchen soll ebenfalls in die Straße des Bergbaus aufgenommen werden. Quelle: Jens Paul Taubert

Emmauskirche und Geburtshaus von Kurt Pietsch

Auch die Stadtkirche und die Emmauskirche spielen in Lehmanns Auflistung für mögliche Objekte einer Bornaer „Straße der Braukohle“ eine Rolle. Die Stadtkirche, an der sich mit Blick auf die Sicherung des schiefen Kirchturms vor zehn Jahren darstellen ließe, welche Folgen der Bergau hatte und die Emmauskirche selbstredend durch ihren Transport nach Borna als Folge der Abbaggerung von Heuersdorf. Ebenso als Bestandteil einer Braunkohlenstraße in Borna definierbar: das Geburtshaus von Kurt Pietzsch, dem Vater der Geologie in Sachsen, von dem wohl kaum jemand weiß, dass es sich in der Leipziger Straße befindet.

Die Bornaer Stadtkirche St. Marien soll ebenfalls die „Straße der Braunkohle“ aufgenommen werden. Quelle: Frank Prenzel

Gymnasium und DokMitt als Verbündete

Lehmann, der wie viele Bergmänner auch lange nach seiner Berufstätigkeit für den Bergbau brennt, hat für seine Idee bereits Verbündete gefunden. Neben der Stadt mit Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) und dem Förderverein zum Aufbau eines Dokumentationszentrums Industriekulturlandschaft Mitteldeutschland (Dokmitt) gehören auch das Bornaer Museum und die Leiterin des Sächsischen Wirtschaftsarchivs Leipzig, Veronique Töpel, dazu.

Lehrerin Steffi Kohlmetz hat mit ihren Schülern die Bornaer Bergbaugeschichte aufgearbeitet. Quelle: Jens Paul Taubert

Von besonderer Bedeutung ist zudem die Zusammenarbeit mit dem Teichgymnasium, wo eine Reihe von Schülern unter Leitung von Lehrerin Steffi Kohlmetz die Bornaer Bergbaugeschichte aufgearbeitet hat. Rudolf Lehmann hebt dabei die Arbeiten von Schülern wie Lena Weiske, Laura Salomon, Valentin Weise und Laura Pfau hervor.

Einheitliches Design mit Text und Bild

Sie sollen Grundlage eines Erlebnispfades, also einer Bornaer „Straße der Braunkohle“ werden, der quer durchs Stadtgebiet führt. Jeder der möglichen Orte soll nach Vorstellung von Lehmann in einem einheitlichen Design mit einem knappen Text und möglicherweise einem Bild versehen werden. Denkbar sei, die Tafeln durch Spender zu finanzieren, die dann selbstverständlich namentlich erwähnt werden.

Solaranlagen in Witznitz

Wenn dann tatsächlich ab 2020 an den ersten Objekten Informationstafeln angebracht wären, würde sich damit auch ein Kreis schließen, macht Rudolf Lehmann klar. Etwa am einstigen Standort der Brikettfabrik Borna, wo heute Solaranlagen stehen.

Von Nikos Natsidis