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Borna Borna wird der Tag der Sachsen zu teuer – Stadt mit Großveranstaltung überfordert
Region Borna Borna wird der Tag der Sachsen zu teuer – Stadt mit Großveranstaltung überfordert
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00:19 28.08.2017
Es hätte so schön sein können: die Bornaer Bewerbung um die Landesgartenschau 2015.
Es hätte so schön sein können: die Bornaer Bewerbung um die Landesgartenschau 2015. Quelle: Günther Hunger
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Borna

Grimma hatte ihn schon, Wurzen auch. Borna allerdings war noch nie Ausrichter des Tages der Sachsen, der in diesem Jahr in der Zeit vom 1 bis 3. September in Löbau stattfindet. Was auch für die zweite große weiß-grüne Festivität gilt: die Landesgartenschau. Dabei ist es nicht so, dass es entsprechende Ansätze in Borna nicht gegeben hätte. Aktuell und demnächst, sagt die Bornaer Oberbürgermeisterin, seien entsprechenden Bewerbungen aber kein Thema.

Mittlerweile klingt es nur noch wie ein müder Witz, was der frühere Präsident des Bornaer Carneval Vereins (BCV), Hans Hohlfeld, gern erzählte. Auch wenn Borna der einzige Bewerber um den Tag der Sachsen wäre, fände sich dafür im zuständigen Kuratorium keine Mehrheit. Das war in den Jahren, als sich Borna tatsächlich mehrmals um die Ausrichtung des größten sächsischen Volksfestes beworben hatte. Der Oberbürgermeister hieß damals Bernhard Schubert (SPD), und den Tag der Sachsen gab es erst seit wenigen Jahren. Es war die durchaus geniale Idee des damaligen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (SPD), den Sachsen eine identitätsstiftende Großveranstaltung zu verordnen, die in einem regelmäßigen Turnus immer in einer anderen Ecke des jungen Freistaates stattfand. In Borna fanden sich damals glühende Befürworter einer Bewerbung. Eben den Karnevalisten Hohlfeld, aber auch Vereine, die an den Sachsentagen teilnahmen.

Fast noch mehr Enthusiasmus gab es beim Thema Landesgartenschau. Die findet in Sachsen aller drei oder auch vier Jahre statt und dauert bekanntlich nicht nur drei Tage wie der Tag der Sachsen. Sondern einen ganzen Sommer, das späte Frühjahr und den Herbstanfang inclusive. Dafür gab es in Borna gleich zwei Anläufe. Der erste kam aus dem Rathaus, in dem seinerzeit Bernd Schröter (Bürger für Borna) auf dem Chefsessel saß. Es gab die Idee von den „Vernetzten Gärten an der Sachsenallee“, und im Blickpunkt stand die Entwicklung des Areals am Breiten Teich, ein ausgesprochen aktueller Aspekt. Im Vorfeld der entscheidenden Stadtratssitzung wurde ein Schaugarten auf dem Markt aufgebaut, zu dem zahlreiche Besucher kamen. Am Ende scheiterte die Bewerbung um die Ausrichtung der Landesgartenschau 2009 an den Bedenken der Stadtratsmehrheit, die Stadt könne die Veranstaltung finanziell nicht verkraften. Den Zuschlag erhielt Reichenbach im Vogtland.

Auch der zweite Bornaer Anlauf scheiterte schließlich. Dabei hatte sich im Jahr 2010 sogar ein Förderverein mit 60 Mitgliedern dafür gegründet. Borna unterlag nach der Begutachtung durch das Vergabegremium, weil auch das stillgelegte Freibade zum potenziellen Gartenschau-Areal gehörte und die Gesamtfläche dadurch als zu groß galt. Der Zuschlag ging an Oelsnitz im Erzgebirge.

Gegenwärtig sind Bewerbungen für die Gartenschau wie den Tag der Sachsen kein Thema, wie Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) sagt. Für den Tag der Sachsen gebe es immer weniger Zuschüsse aus dem Säckel des Freistaates. Die liegen aktuell bei etwa 700 000 Euro. Und was die Landesgartenschau anbelange, so gebe es zwar Zuschüsse für Investitionen, aber auch dann müsse die Stadt Geld dazugeben. Ganz abgesehen davon, dass Borna mit seiner touristischen Infrastruktur – Stichwort Bettenzahl – für die Ausrichtung eines derartigen Großereignisses nicht geeignet sei.

Die Stadt setze deshalb auf eingeführte Veranstaltungen, so Luedtke weiter. Dazu gehörten das Lutherfest oder auch das alljährliche Stadtfest rund um den Tag der deutschen Einheit.

Von Nikos Natsidis