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Region Borna Bornaer Günter Kolbusa war Abgeordneter in zwei Systemen
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10:00 27.07.2019
Abgeordneter in zwei Systemen: Günter Kolbusa in Gestewitz. Quelle: Jens Paul Taubert
Borna

Früher ging es mehr um Sachfragen. „Heute spielt der politische Hintergrund eher eine Rolle“, sagt Günter Kolbusa. Der 69-Jährige muss es wissen. Schließlich hat er den Vergleich, wenn es um die Arbeit eines Abgeordneten hierzulande geht. Schließlich war er Abgeordneter in zwei Systemen. Und der gelernte Elektriker ist ein Beispiel dafür, dass zur Wende- und Einheitszeit längst nicht jeder in der Versenkung verschwinden musste, der ein politisches Vorleben hatte.

Zehn Jahre im Eulaer Gemeinderat

Das dürfte damit zu tun haben, dass jemand wie Kolbusa eher ein sachlicher Typ ist. Jemand, dem es zuvörderst um praktische Ergebnisse geht. Die, daran lässt der Mann mit Wohnsitz im Bornaer Ortsteil Gestewitz keinen Zweifel, ließen sich auch zu sozialistischen Zeiten erreichen. Das hat er in mehr als zehn Jahren im Eulaer Gemeinderat immer wieder erlebt.

Abteilungsleiter beim Rat des Kreises Borna

Dort war er im Zuge der Kommunalwahl im Jahr 1979 gelandet. Einer Wahl, die sich nicht mit heutigen Urnengängen vergleichen lässt. Dass er Kandidat für die Eulaer Dorfvertretung wurde, war die Folge seines Studiums der Staats- und Rechtswissenschaft in Babelsberg.

Da war er bereits Industriemeister im Espenhainer Werk. Nach dem Abschluss an der Potsdamer Hochschule, an der auch die heutige sächsische Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) studiert hat, wurde Günter Kolbusa Abteilungsleiter Organisationswesen beim Rat des Kreises Borna, ein Bereich, der mit der heutigen Rechtsaufsicht vergleichbar ist.

Feierabendbrigaden in Eula

Im Eulaer Gemeinderat saß Kolbusa, der aus Magdeborn stammt und seit 1969 SED-Mitglied war, bis zur Wende. Gemeinderat als Kandidat der Nationalen Front – „das war eine ganz andere Arbeit als heute“. Aber sie war konkret, wenn etwa die Gemeinderäte eine „Wunschliste“ an den Rat des Kreises schicken konnten.

So ging es um die Schaffung fehlenden Wohnraums, eins der vielen großen Probleme der entwickelten sozialistischen Gesellschaft. Die Konsequenz war der Einsatz von „Feierabendbrigaden, da haben die Bürger mitgemacht“. Und sozusagen freiwillig und in Eigeninitiative Scheunen zu Wohnungen ausgebaut. Wobei sich Gemeinderäte wie Günter Kolbusa auch bedeutungsvolle „Kleinigkeiten“ wie fehlendes oder zumindest knappes Material kümmern mussten.

Günter Kolbusa im Jahr 1972, als seine jahrzehntelange Abgeordnetentätigkeit noch weit vor ihm lag. Quelle: Jens Paul Taubert

Am Ende aber konnten sich drei Familien über neue Wohnungen freuen ,und es sind diese kleinen Siege, die jemanden wie Kolbusa auch heute noch zu Protokoll geben lassen: „Ich war überzeugter DDR-Bürger.“ Der freilich wie alle wusste, auf welchem Kanal die Tagesschau lief und auch Westbesuch hatte. „Das musste dann gemeldet werden.“ Günter Kolbusa hatte sich mit den Verhältnissen arrangiert. Als dann ab Mitte der 80er-Jahre Michail Gorbatschow von Moskau aus einen neuen Takt anschlug, „war das für mich ein Stück Hoffnung, dass es vorwärts geht“.

Stellvertretender Bürgermeister in Eula

Es führte aber auch dazu, dass Kolbusa, 1989 stellvertretender ehrenamtlicher Bürgermeister in Eula geworden, im Herbst an Dienstagen über die Montagsdemonstrationen vom Vorabend in Leipzig diskutieren musste – in der Betriebsakademie in Espenhain, an der er unterrichtete. Und plötzlich war er auch ganz anders gefordert, als der hauptamtliche Eulaer Bürgermeister Eberhard Conrad im November 1989 krank wurde und sein Stellvertreter die Geschäfte zu führen hatte. Meist nach Feierabend.

Der Abgeordnetenausweis für den Kreistag von Günter Kolbusa. Quelle: Jens Paul Taubert

Wahl in den Bornaer Kreistag

Das blieb auch nach der ersten freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 so. Die erließ neue Gesetze im Eiltempo. Der amtierende Bürgermeister musste einige Kaufverträge unterschreiben, bevor er sein Amt an seinen gewählten Nachfolger übergab. Von der (Kommunal-)Politik wollte oder konnte er aber nicht lassen, weshalb er auf der Kandidatenliste der SED-Nachfolgepartei PDS landete.

Von 1990 bis 2004 saß Günter Kolbusa im Kreistag. Nach der Eingemeindung von Eula nach Borna wurde er 1994 in den Bornaer Stadtrat gewählt. Es sammelte neue Erfahrungen als Stadtrat im wiedervereinigten Deutschland. „Heute dauert es länger, bis es ein Ergebnis gibt“, und wer jemals eine Anhörung von Trägern öffentlicher Belange einem Stadtrat mitgemacht hat, versteht das.

Langer Atem nötig

„Als Gemeinderat in Eula war ich den Wählern gegenüber rechenschaftspflichtig, das fehlt heute.“ Die Verantwortung eines Stadtrates, davon ist Günter Kolbusa überzeugt, „ist heute höher“. Wer heute etwas erreichen will, „der braucht einen langen Atem“. Vor der letzten Stadtratswahl am 26. Mai beschloss er, dass 40 Jahre als Abgeordneter genug sind, auch wenn er wie alle seine Stadtratskollegen in Borna wegen der Klage gegen die Wahl noch nachdienen muss. „Aber jetzt müssen die Jüngeren ran.“ Das wird jemanden wie Günter Kolbusa aber nicht daran hindern, die Arbeit im Stadtrat auch weiterhin zu verfolgen.

Von Nikos Natsidis

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