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Borna Bornaer Gymnasium distanziert sich von AfD-Werbeflyer
Region Borna Bornaer Gymnasium distanziert sich von AfD-Werbeflyer
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16:29 21.05.2019
Das Gymnasium am Breiten Teich trägt die Auszeichnung „Schule gegen Rassismus“. Quelle: Jens Paul Taubert
Borna

Das Gymnasium Am Breiten Teich in Borna wehrt sich dagegen, auf einem Werbeflyer der AfD abgebildet worden zu sein. Erst vor wenigen Tagen hatte die Schule ungebetene Post im Briefkasten – genauso wie zahlreiche Haushalte in Borna. Die Alternative für Deutschland wirbt mit einem Flyer um Wählerstimmen bei der anstehenden Kommunalwahl. Darauf zu sehen: das Bild des Gymnasiums und der Spruch „für eine lebenswerte Heimat und eine sichere Zukunft“.

Beim Schulleiter, dessen Kollegen, Eltern und Schülern kam das gar nicht gut an. Zumal das Gymnasium vor zwei Jahren ausgezeichnet wurde als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. „Für uns ist dies nicht nur ein Titel, sondern gelebte Realität ohne Diskriminierung“, macht der kommissarische Schulleiter Jens Staacke deutlich.

Gegen den Zusammenhang von AfD und Gymnasium wehrt sich die Bornaer Schule. Quelle: privat

Schule aus Borna distanziert sich von AfD-Werbeflyer

Täglich würden hier 787 Schüler, 66 Lehrer und sieben Mitarbeiter lehren, lernen und einen Großteil ihres Tages verbringen. „Toleranz und ein respektvolles Miteinander sind dabei unverzichtbar“, so Staacke weiter. Aus diesem Grund distanziere sich die Schule entschieden von dem Versuch der AfD, „einen Zusammenhang zwischen dem Foto unserer Schule und dem Programm dieser Partei herstellen zu wollen“.

Die AfD bewegt sich mit der Abbildung des Gymnasiums auf sicherer Seite. Verboten ist es nicht, öffentliche Gebäude auf Wahlflyern zu zeigen. Ob Parteien die Rechte an bestimmten Bildern haben, müssen diese immer selbst prüfen, so die rechtliche Einordnung. Im Falle der AfD – übrigens wirbt auch die SPD mit einem Bild der Schule um den Einzug in den Bornaer Stadtrat – wäre es jedenfalls nicht das erste Mal, dass Parteien öffentliche Gebäude auf Wahlwerbemitteln abbilden.

Nach Aussage der Stadtverwaltung Borna greife hier die „Panoramafreiheit“ (auch Straßenbildfreiheit genannt). Diese ist eine in vielen Rechtsordnungen vorgesehene Einschränkung des Urheberrechts, die es jedermann ermöglicht, urheberrechtlich geschützte Werke, beispielsweise Gebäude, die von öffentlichen Verkehrswegen aus zu sehen sind, bildlich wiederzugeben, ohne dass hierfür der Urheber des Werkes um Erlaubnis gefragt werden muss.

Schulleiter Jens Staacke (r.) ist empört über den Werbeflyer der AfD. Quelle: Julia Tonne

Gymnasium Am Breiten Teich spricht sich gegen Rassismus aus

Vor zwei Jahren hatte das Gymnasium Am Breiten Teich Farbe bekannt und sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ausgesprochen. Weil der Titel aber nicht auf Dauer verliehen wird, gibt es nach wie vor Projekte, die dazu dienen, diese Auszeichnung zu bewahren. Und dafür wiederum zeichnet ein Projektteam verantwortlich. „In unserer Gesellschaft sollte es eigentlich schon längst Normalität sein, jeden Menschen so zu akzeptieren, wie er ist“, hatte Philipp Berger vom Projektteam bei der Übergabe der Auszeichnung betont.

Gymnasium sei eine weltoffene Schule

Dass das Gymnasium eine weltoffene Schule sei, sei nicht nur in der Vergangenheit unter Beweis gestellt worden, sondern werde nach wie vor gelebt. Die Auszeichnung solle als „Selbstverpflichtung für die Zukunft“ gesehen werden, so dass sich Schüler und Lehrer „stets an die Werte eines friedlichen Zusammenlebens mit allen Menschen erinnern“.

Beim Fest der Sprachen gab es auch Zumba-Kurse. Und Zumba stammt aus Kolumbien und vereint internationale Tanzstile und Musik. Quelle: Julia Tonne

Die Auszeichnung ging mit einem Appell des Projektteams einher. Darin forderten die Initiatoren die Bornaer auf, Gesicht zu zeigen und sich ebenfalls gegen Rassismus einzusetzen. „Bitte schauen Sie nicht weg, wenn Sie merken, dass Personen aus welchem Grund auch immer diskriminiert werden.“ Eine Gesellschaft funktioniere nur, wenn die Stärkeren den Schwächeren helfen.

Erst kürzlich hatte das Gymnasium bewiesen, weltoffen und tolerant zu sein. Im März drehte sich einen Tag lang alles um Sprachen und Nationen. Da gab es nicht nur Sportarten aus anderen Ländern, sondern auch Sprachkurse unter anderem in Arabisch und Chinesisch.

Kommentar: Gymnasium ist verdientermaßen „Schule mit Courage“

Eine Auszeichnung ist nicht leicht zu bekommen. Schon gar nicht der Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Es erfordert nicht nur zahlreiche Projekte, die sich gegen Diskriminierung richten, sondern vor allem etliche Menschen, die an einem Strang ziehen, um das Ziel zu erreichen, also die Auszeichnung zu bekommen.

Für das Gymnasium Am Breiten Teich, dessen Lehrer, Schüler und auch Eltern ist der AfD-Werbeflyer ein Schlag ins Gesicht. Schließlich spricht sich die Schule für Weltoffenheit und Toleranz aus, veranstaltet beispielsweise ein Fest der Sprachen, es gibt Partnerschaften zu Schulen in anderen Ländern, auf dem Stundenplan stehen neben den Fremdsprachen Englisch, Französisch auch Russisch und Spanisch. Nun kann man allerdings nicht gerade behaupten, dass sich die AfD für Weltoffenheit und Toleranz ausspricht. Die Diskrepanz zwischen den Weltanschauungen von Partei und Gymnasium ist mehr als offensichtlich.

Es ist daher mehr als nachvollziehbar und verständlich, dass sich die Schule von dem Flyer und der Werbung distanziert. Rechtlich hingegen hat die Schule keine Handhabe. Die Panoramafreiheit lässt jedem die Möglichkeit, öffentliche Gebäude abzubilden und für eigene Zwecke zu nutzen. Dennoch setzt die Schule mit der Distanzierung ein Zeichen – sie will keinen Zusammenhang zwischen Schule und Wahlprogramm der AfD herstellen. Schon alleine dafür hat das Gymnasium den Titel „Schule mit Courage“ für die nächsten Jahre verdient.

Von Julia Tonne

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