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Borna Bornaer diskutieren zu Krise in Kirche und Gesellschaft
Region Borna Bornaer diskutieren zu Krise in Kirche und Gesellschaft
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11:50 20.05.2019
LVZ-Redakteurin Claudia Carell (Mitte) im Gespräch mit Jochen Kinder, Simone Luedtke, Petra Köpping und Dietrich Oettler (von links). Quelle: Julia Tonne
Borna

 Die Gemeinschaft ist im Auflösen begriffen, ein Miteinander nur noch selten zu erleben, Gespräche gibt es kaum noch auf Augenhöhe. Mit anderen Worten: Kirche und Gesellschaft haben eine handfeste Krise, jeder ist sich selbst der Nächste.

Darin waren sich am Montagabend die Gesprächspartner im Stadtkulturhaus einig. Die Katholische Kirchgemeinde St. Joseph hatte zu einer weiteren Diskussion „Kirche im Gespräch“ eingeladen. Thema: „Sinn- und Wertekrise in Kirchen und Gesellschaft?!“

Moderiert wurde der Abend von LVZ-Redakteurin Claudia Carell, ihre Fragen beantworteten die Bornaer Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Die Linke), die Dresdner Ministerin und frühere Landrätin Petra Köpping (SPD), Pfarrer Dr. Dietrich Oettler von St. Joseph und Superintendent Dr. Jochen Kinder vom Evangelisch-Lutherischen Kirchenbezirk Leipziger Land.

Im Stadtkulturhaus diskutierten Vertreter aus Politik und Kirche das Thema: „Sinn- und Wertekrise in Kirchen und Gesellschaft?!“ Quelle: Julia Tonne

Gesellschaft und Politik ist das Miteinander abhanden gekommen

„Das Wort Krise ist nicht zu hoch gegriffen“, machte Luedtke deutlich. Schon zu früheren Zeiten seien die Menschen bei Umbrüchen nicht mitgenommen worden, das deute sich beim kommenden Strukturwandel schon wieder an. Darin stimmte sie mit Köpping überein, die eine fehlende Aufarbeitung der Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte seit dem Zweiten Weltkrieg dafür verantwortlich machte.

„Das Verhältnis unter den Menschen hat sich verändert. Heute sehen es viele als Leistung, drei Autos zu haben. Dem Nachbarn aber wird nicht mehr geholfen“, betonte die Ministerin.

Rund 70 Zuhörer waren zur Diskussion ins Stadtkulturhaus gekommen. Quelle: Julia Tonne

Viele Fehler seien auch auf politischer Ebene passiert, gerade nach der Wende. Das Überstülpen der Veränderungen habe zu Frust und Ängsten geführt. „Gesellschaft und Politik wurden entmenschlicht.“ Dass genau das bis heute wirkt und sich fortsetzt, sieht auch Kinder. „Der wirtschaftliche Erfolg ist nicht bei allen angekommen, die Leistung des Lebens wird nicht gewürdigt“, begründete er.

Zudem würden viele Ängste daher rühren, dass es nur schwer vorstellbar sei, wohin die Lebens-Reise gehe – in Anbetracht von Digitalisierung, Klimawandel und Gesellschaft. „Die Kirche kann daher ein Ort zum Gespräch sein“, machte Oettler deutlich. Das Angebot zum Reden sei da, die Kirchen müssten sich entsprechend gestalten, damit die Menschen auch kämen.

Krise bedeutet in ursprünglicher Bedeutung „Entscheidung“

Dass es vor Jahrzehnten noch eine „Gemeinschaft“, ein enges Miteinander gab, führte Zuhörer Thomas Claus auf die damals herrschenden Bedingungen zurück. „Immer wenn es schlimm wurde, gab es eine Gemeinschaft“, sagte er. Er stellte die These auf, dass es wieder Situationen brauche, in denen alle mit anpacken. „Denn im Schnitt geht es allen immer besser, dadurch werden sie träger und fauler.“

Eine Krise in dem Sinne sehen Oettler und Kinder auch in der Kirche selbst. „In anderen Regionen sind Kirche und Gesellschaft eng miteinander verwoben, hier sind ganze Dörfer entkirchlicht“, betonte Kinder. Was dann in der Folge zu mehr und mehr Gemeindezusammenlegungen führe, wie Oettler ergänzte. Allerdings sieht er in den Krisen auch eine Chance. „Schließlich kommt das Wort Krise vom griechischen ’krisis’. Und das wiederum bedeutet ursprünglich Entscheidung.“

Kommentar: Nicht meckern, machen!

Die Podiumsdiskussion „Kirche im Gespräch“ hat etwas klar benannt, was viele sicherlich geahnt haben: Aus der Gesellschaft ist das Miteinander verschwunden. Heißt: Bei vielen gilt das Lebensmotto: „Ich bin mir selbst der Nächste“. Und wohl jeder kann dazu eine Anekdote erzählen. Sei es die Geschichte von Eltern, die sich über das Ergebnis eines Arbeitseinsatzes in der Kita aufregen, obwohl sie selbst keinen Finger krumm gemacht haben; sei es die Anekdote vom Arbeitnehmer, der einen Fehler auf einen Kollegen abwälzt.

Die Diskussion am Montagabend gibt Anlass zu der Hoffnung, dass sich das Bild wieder wandelt, dass wieder mehr Miteinander in die Gesellschaft einzieht. Von den Besuchern jedenfalls war in vielen Punkten immer wieder Zustimmung zu hören. Thomas Claus hat mit seiner These durchaus Recht, wenn er sagt, dass viele immer fauler und träger werden, je besser es ihnen wirtschaftlich geht. Den meisten geht es so gut, dass sie Zeit und Muße haben, sich über Gott und die Welt aufzuregen, ohne aber etwas ändern zu wollen. Denn meckern ist leicht, anpacken setzt Motivation und Arbeit voraus.

Als Beispiel sei der Umgang mit der zunehmenden Vermüllung in Borna genannt. In den vergangenen Monaten riefen immer wieder Leute in der Redaktion der LVZ an, um sich über die Müllhaufen in Schillerpark und Löscheranlagen aufzuregen. Als dann aber die Aktion „Borna räumt auf“ im März über die Bühne ging, war von ihnen nichts zu sehen. Kurzum: Veränderungen passieren nicht, weil man sie verbal einfordert. Veränderungen passieren, wenn man selbst aktiv wird.

Von Julia Tonne

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