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Borna Bornaer kämpfen gegen Schließung von Postamt
Region Borna Bornaer kämpfen gegen Schließung von Postamt
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16:11 08.05.2019
Die Postbank in Borna schließt bis Mitte des Jahres. Quelle: Guenther Hunger
Borna

Die Postbankfiliale in Borna soll bis Mitte des Jahres geschlossen werden. Dagegen wollen zahlreiche Bornaer vorgehen, bei einer entsprechenden Unterschriftensammlung – initiiert von Anwohnerin Elke Fritzsche, sind bislang 300 Namen zusammen gekommen. Die Liste liegt seit wenigen Tagen Landrat Henry Graichen (CDU) vor.

Bornaer Immobilie ist bereits verkauft

„Mit Entsetzen müssen wir tatenlos zusehen, wie das Postamt schließt. Still und heimlich wurde die Immobilie verkauft“, beschwert sich Fritzsche in einem Brief an Graichen. Und weiter: „Die Deutsche Bank und die Tochtergesellschaft (Postbank) verhandeln hinter verschlossenen Türen, um ihre eigenen Interessen zu vertreten.“ Die Kunden seien wieder einmal „die Dummen“. Dabei, so die Initiatorin der Unterschriftensammlung, könne die Schließung nicht mit fehlenden Kunden zusammenhängen. „Allein an einem Vormittag haben wir 50 Kunden gezählt.“

Bornaerin beklagt fehlende Tranzparenz

Fritzsche und ihre Unterstützer wollen nun vom Landrat wissen, wer das Gebäude gekauft habe und was daraus werden solle, ob es andere Lösungen gebe als die Schließung und ob Graichen selbst an Gesprächen mit der Postbank teilgenommen habe. Eines jedenfalls ist Fritzsche wichtig: „So kann es in der Großen Kreisstadt nicht weitergehen. Es fehlt überall an Transparenz.“

Fritzsche hatte schon einmal Unterschriften gesammelt: gegen die Einführung der Bio-Tonne. Auch damals waren mehrere hundert Unterschriften zusammengekommen, die sie an Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Die Linke) übergab.

Kommentar: Bedenklich ist der Trend

Die Post schließt. Oder doch die Postbank? Oder das Postamt? So undurchschaubar wie für den Verbraucher die Geschäftsstruktur dessen ist, was er als gelbe Post im ganz traditionellen Ziegelgebäude kennt, so unerklärlich ist für viele, dass sich dieser als Institution verstandene Dienstleister vom angestammten Ort zurückzieht.

Am 18. Juni soll in der Bahnhofstraße 6 offenbar Schluss sein mit Brief-, Paket-, Geld- und anderen Dienstleistungen. Das empfinden Betroffene zu Recht als bitter, vermutlich ist es aber nicht zu ändern. Denn dieser Dienstleistungssektor liegt längst nicht mehr in den Händen des Staates, der sich einer Versorgungsverantwortung stellen müsste. Hier sind ausschließlich Interessen privater Unternehmer im Spiel, und für die zählen in erster Linie Zahlen.

Allerdings ist Borna kein abgelegenes Dorf, in dem der letzte Briefkasten abgebaut und die letzte Paketannahmestelle geschlossen wird. Was dort viel mehr Einbuße an Lebensqualität bedeutet. In der Stadt gibt es immerhin ein Netz von Mitbewerbern, die die Lücke ausfüllen, wenn das manchem Kunden auch erst einmal umständlich erscheint.

Auf jeden Fall dürfte die Situation nicht so dramatisch sein, dass die öffentliche Hand, die die Kritiker in Persona des Landrates eingeschaltet haben, regulierend einschreiten müsste. Diese Frage stellt sich eher andernorts, wo es auf dem Land nicht einmal mehr einen Lebensmittelladen gibt.

Was aber wieder einmal deutlich wird: Die dem puren Blick auf Wirtschaftlichkeit geschuldete Zentralisierung und Ausdünnung der Dienstleistungsnetze, egal ob Handel, Handwerk, Banken oder was auch immer, macht nicht einmal mehr vor Kleinstädten wie Borna halt. Dieser Trend ist tatsächlich bedenklich.

a.neumann@lvz.de

Von Julia Tonne

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