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Borna Bornas Top-Volleyballerinnen ziehen sich nach Markkleeberg zurück
Region Borna Bornas Top-Volleyballerinnen ziehen sich nach Markkleeberg zurück
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14:45 18.04.2018
Emotionaler Abschied: 220 Zuschauer feiern Ende März nach dem letzten Heimspiel mit den Volleyballerinnen von Einheit Borna. Quelle: Norman Hertwig
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Borna

Frauen-Volleyball beim SV Einheit Borna – das war eine fast einzigartige Erfolgsgeschichte. Vor zehn Jahren begann Trainer Sebastian Schroth, eine schlagkräftige Truppe aufzubauen, führte das Team von Aufstieg zu Aufstieg und 2014 sogar in die Regionalliga Ost. Dort schlug sich die Mannschaft mit den Plätzen sieben, acht, sechs und jetzt wieder sieben mehr als achtbar, erkämpfte viermal mit großem Einsatz den Klassenerhalt und zog des öfteren über 200 begeisterte Zuschauer an.

Doch vier Wochen vor Abschluss dieser Saison informierte Schroth die sichtlich überraschte Vereinsführung, dass er und seine Damen nicht in Borna weitermachen wollen. Beim 3:1-Sieg im letzten Heimspiel gegen Olympia Dresden II wurden Trainer und Team sehr emotional von Verein und Fans verabschiedet, es flossen Tränen.

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Damals sickerte schon durch, dass die Volleyballerinnen zur TSG Markkleeberg wechseln wollen. Nun werden die Pläne konkret. Beide Vereine müssen der Übertragung des Regionalliga-Spielrechts zustimmen und verhandeln derzeit über die Bedingungen. TSG-Abteilungsleiter Ralph Bühler würde das Team mit offenen Armen empfangen und erklärte: „Wir sind im Gespräch und streben eine Lösung im gegenseitigen Einvernehmen an, eine Win-Win-Situation. Bis Ende des Monats wird eine Entscheidung fallen.“ Ob finanzielle oder andere Forderungen der Bornaer im Raum stehen, darüber hüllen sich beide Seiten in Schweigen. Laut Bühler würde der sächsische Verband einem Wechsel der Lizenz zustimmen. „Es wäre fatal für den hiesigen Volleyball, das Spielrecht verfallen zu lassen.“

In Borna ist das Bedauern groß

Thomas Roll bedauert den Weggang des Teams sehr. „Wir als Verein und die Stadt Borna verlieren das sportliche Aushängeschild, keine andere Mannschaft der Region spielt in der vierten Liga“, sagt der Vorsitzende des SV Einheit: „Die Entscheidung von Sebastian Schroth tut uns sehr weh, aber wir müssen sie respektieren, weil sie auch dem Wunsch der Spielerinnen entspricht.“ Obwohl die Regionalliga den Verein pro Saison „eine ordentliche vierstellige Summe“ koste, habe es nicht am Geld gelegen. Roll: „Wir hätten das weiter stemmen können.“

Ein neues Team und einen neuen Trainer auf diesem Niveau könne der Verein nicht aus dem Hut zaubern. Ob und wie es mit dem Frauen-Volleyball in Borna weitergeht, sei offen. „Wir sind da noch in der Findungsphase, müssen klären, ob wir künftig nur Hobby-Volleyball anbieten wollen oder weiter eine ambitionierte Mannschaft im Spielbetrieb.“ Die„Zweite“ tritt aktuell in der Bezirksliga an.

Schroth geht schweren Herzens

Fakt ist: Auch Sebastian Schroth geht schweren Herzens. „Wir haben in Borna viel erreicht, hatten bei der Halle fast Luxusbedingungen und viele Fans. Dennoch habe ich hier keine vernünftige Perspektive mehr gesehen“, betont der Trainer. Es sei immer schwieriger geworden, starke Spielerinnen nach Borna zu lotsen, sie von einem Engagement zu überzeugen. „Ich habe jahrelang den Leipziger Markt abgegrast. Kaum jemand ist noch dazu bereit, zweimal in der Woche zum Training nach Borna zu fahren und am Wochenende dann zu den Spielen, zumal der Verein nicht dazu in der Lage war, Aufwandsentschädigungen zu zahlen oder die Fahrtkosten zu erstatten“, so Schroth.

Jeden Zuschauer hart erarbeitet

Ja, der 37-Jährige hätte sich mehr Unterstützung vom SV Einheit gewünscht, sah sich ein bisschen als Alleinunterhalter. „Auch die gesamte Organisation lag bei mir und der Mannschaft, wir haben uns um alles selbst gekümmert – um Sponsoren, die Öffentlichkeitsarbeit von der Zeitung bis zu den sozialen Medien. Wir haben auf eigene Kosten Flyer drucken lassen und sie in der Stadt verteilt. Wir haben da viel Geld reingebuttert und uns jeden Zuschauer hart erarbeitet, natürlich vor allem durch die sportliche Leistung.“ Dass der ständige Kampf gegen den Abstieg und um neue Spielerinnen auch mental Spuren hinterlassen hat, verhehlt Schroth nicht.

Als jetzt Kapitänin Maxi Klupsch, Christin Bobilow und Claudia Breitkreuz – drei Leistungsträgerinnen, drei Bornaer Urgesteine, die von Anfang an dabei waren – ihren Abschied zum Saisonende aus beruflichen und familiären Gründen ankündigten, wähnte sich Schroth am Ende der Fahnenstange und seiner Kraft. „Eigentlich wollte ich ein Jahr lang ganz pausieren.“

Synergie-Effekte mit der TSG Markkleeberg erhofft

Aber da sein Bornaer Co-Trainer Tim Reichenbach auch das Sachsenklasse-Team der TSG Markkleeberg coacht, reifte der Entschluss, gemeinsam bei den Randleipzigern etwas ganz Neues aufzubauen. Schroth: „Ich hoffe dort auf Synergie-Effekte zwischen den beiden Mannschaften und auf mehr Unterstützung seitens des Vereins, damit ich mich auf das Sportliche konzentrieren kann. In Markkleeberg gibt es mehr Volleyball-Enthusiasten – und es wird leichter, das Regionalliga-Team zu verstärken.“ Acht Spielerinnen aus Borna will Schroth mitnehmen, auch einige Sponsoren würden mit zur TSG wechseln.

Sebastian Schroth hat übrigens selbst noch Volleyball gespielt, schmetterte bei den Sachsenklasse-Männern des SV Einheit. Auch hier droht ein Aderlass. „Fünf von zehn Spielern hören jetzt auf“, weiß Schroth, „es könnte sein, dass sich die Volleyball-Hochburg Borna auflöst.“

Wechsel ist Gewinn für Markkleeberg

Und, dass eine andere wächst. „Markkleeberg ist traditionell eine Volleyball-Hochburg. Wir haben in der TSG eine sehr starke Nachwuchsabteilung mit vielen Mannschaften“, sagt Oberbürgermeister Karsten Schütze: „Im Damen- und Herrenbereich gibt es gleich mehrere Teams, die am Spielbetrieb teilnehmen. Insofern ist der Wechsel der Bornaer Volleyballerinnen natürlich ein Gewinn für die Sportstadt Markkleeberg. Ich würde mich freuen, wenn es klappt. Zumal sich Volleyball in Markkleeberg auch bei den Zuschauern größter Beliebtheit erfreut. Die ersten Herren in der Regionalliga sind die Mannschaft mit dem höchsten Zuschauerschnitt. Ich bin selbst oft bei den Spielen.“

Doch zunächst einmal müssen sich Einheit Borna und die TSG Markkleeberg über die Modalitäten verständigen. Am Montag berät der Einheit-Vorstand. Schroth: „Ich hoffe sehr, dass es im Sinne des Volleyballs eine Einigung gibt.“

Von Steffen Enigk