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Borna Aggressionen abbauen beim SC Borna
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14:11 06.12.2018
Die Teilnehmer des Anti-Aggressionstrainings sind anonym beim SC Borna aktiv. Quelle: Jens Paul Taubert
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Borna

Das Gros der organisierten Boxer beim SC Borna trainiert in der Halle in Gnandorf, weil es Spaß am Faustkampf hat.

Bisweilen sind aber unter den Sportlern im Training auch Akteure, die nicht ganz freiwillig in den Ring steigen. Sie folgen Auflagen, die sie von Ämtern beziehungsweise vom Gericht erhalten haben, sagt SC-Präsident Hans-Peter Hofmann. Es handelt sich um Leute, die ein sogenanntes Anti-Aggressionstraing absolvieren. Weil sie irgendwann zugeschlagen haben oder anders ausgerastet sind.

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Beim SC Borna trainieren etwa 80 Boxer. Der Verein steht in diesem Jahr im Mittelpunkt der LVZ-Spendenaktion „Licht im Advent“.

Männer Mitte 40 und junge Kerle

Wer denkt, dass es sich bei den Teilnehmern am Anti-Aggressionstraining um klassische Schläger handelt, bei denen jeder Durchschnittsbürger automatisch auf Abstand geht, der liegt allerdings nicht ganz richtig, sagt Hofmann.

„Das können auch Leute im Alter von 45 Jahren sein.“ Männer, die in einer Situation falsch reagiert haben, weil sie jemand beleidigt hatte.

Aber selbstverständlich sind auch junge Kerle unter denen, die bei den Bornaer Boxern lernen sollen, sozialverträglich mit ihrer Kraft umzugehen. Im Jahr etwa drei, vier Leute ziehen sich deshalb unter der Regie von Hofmann, dem früheren erfolgreichen Leistungssportler, die Boxhandschuhe über.

Teilnehmer bleiben anonym

Dass ihr Erscheinen in der Gnandorfer Turnhalle sozusagen eine Strafe ist, weiß allerdings nur Hofmann. Und zwar als einziger im Verein. Die Anonymität schützt die speziellen Trainingsteilnehmer.

Am Anfang ein Gespräch

Bevor sie sich aber umziehen dürfen, gibt es erst einmal ein Gespräch. „Ich will mich in die Leute hineinversetzen können“, sagt der 60-jährige Vereinschef.

Das ist der Zeitpunkt, zu dem Hofmann den Teilnehmern am Anti-Aggressionstraining klarmacht, wie sie künftig durchs Leben gehen sollten.

So können Sie spenden

Sie möchten ein oder mehrere Projekte der LVZ-Aktion „Ein Licht im Advent“ unterstützen? Hier erfahren Sie, wie Sie spenden können.

Er erklärt ihnen, „dass man sich von einem Problem lösen sollte, wenn man das Problem nicht lösen kann“. Und dass die hohe Kunst der Gesprächsführung nicht darin besteht, „etwas Gescheites zu sagen, sondern sich etwas Dummes anzuhören“. Schließlich gibt es genug Leute, „die einfach nur provozieren wollen“. Die es geradezu darauf anlegen, „eine gelangt zu bekommen“. Hofmann: „Und dann ist Otto Normalbürger dort, wo er nie hinwollte.“

Die Wahrheit liegt in der Halle

Nach dem Gespräch liegt die Wahrheit beim Anti-Aggressionstraining dann in der Halle. Zunächst am Sandsack oder am Wandpolster, das die Probanden drei Minuten schlagen müssen. Oder auch länger. Allerdings nicht sehr viel länger. „Ich habe noch niemanden gesehen, der da nach sechs Minuten noch fit war.“

Demütigung im Kampf

Was freilich nur der Anfang der Übungen ist. Hofmann steigt mit den Probanden selbst in den Ring, wobei es nicht um die große Klopperei geht, sondern nur um vergleichsweise harmlose Berührungen, einem Tätscheln gleich.

Weil Hofmann, der zu anderen als zu sozialistischen Zeiten sicherlich auch ein guter Profi geworden wäre, von einem Box-Laien kaum das Wasser zu reichen sowie ernsthaft eine zu verpassen ist, wird der Kampf früher oder später zur Demütigung für seinen Partner.

Spieß wird umgedreht

Das ist so gewollt, schließlich sollen dem Mann, der immerhin nennenswert handgreiflich geworden ist, die Grenzen aufgezeigt werden. „Er soll merken, dass er mit dem, was er kann, nicht weit kommt.“ Später wird der Spieß umgedreht, und die Probanden müssen sich mit Leuten im Ring auseinandersetzen, die schwächer sind als sie selbst. „Dann müssen sie sich zurückhalten und ihre Kraft einteilen.“

Methode hat Erfolg

Jeder, der bei Hofmann ein Anti-Aggressionstraining beginnt, macht das (fast) freiwillig. Anders geht es nicht, stellt Hofmann klar. Seine Methode hat offenkundig Erfolg. „Von denen, die bei uns waren, habe ich jedenfalls noch niemanden bei uns wiedergesehen.“

Von Nikos Natsidis

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