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Borna Großabschaltung: So sieht’s im Chemiewerk Dow in Böhlen innen aus
Region Borna Großabschaltung: So sieht’s im Chemiewerk Dow in Böhlen innen aus
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16:11 19.06.2019
Turnaround am Cracker im Dow-Werk Böhlen: Arbeiter montieren die Haube eines Wärmetauschers. Quelle: Jens Paul Taubert
Böhlen

TA, das ist die Abkürzung für Turnaround. Sie weist auf kleinen Schildern an der Straße zwischen Lippendorf und Zwenkau derzeit täglich hunderten Lastwagen, Autos mit Monteuren und Servicekräften und ganzen Bussen voll mit zeitweiligen Mitarbeitern den Weg zum Chemiewerk Dow. Turnaround kann man mit Umdrehen, Wende, Umkehr oder Umschwung übersetzen.

Am Cracker in Böhlen, dem Herzstück des Werkes, in dem der Rohbenzin gespalten wird, bedeutet Turnaround mehr oder weniger, dass das Innerste nach außen gekehrt und die riesige Anlage eine kompletten Wartung, Überprüfung und Instandsetzung unterzogen wird. „Großabschaltung“, sagt Turnaround-Manager Reiko Hass, könne man auf Deutsch dazu sagen.

Am Dow-Standort in Böhlen arbeiten derzeit 3400 Leute an der Generalüberholung des Crackers.

Geschäftiges Gewimmel beim Turnaround bei Dow in Böhlen

Was wiederum auch Stillstand bedeutet. Doch still geht es hier im Mai und im Juni während des Turnarounds keinesfalls zu. Im Gegenteil, man muss vielmehr von geschäftigem Gewimmel reden. Was kein Wunder ist. Knapp 600 Mitarbeiter hat Dow in Böhlen. Für die Zeit der Großabschaltung kommen insgesamt rund 2800 Frauen und Männer dazu.

Die stammen von rund 125 Firmen überwiegend aus Sachsen und Sachsen-Anhalt und von Dow-Standorten aus Deutschland und dem Ausland. Der Chemie-Konzern hat mehr als 200 Werke in Europa, Asien, den USA sowie in Latein- und Südamerika. Rund um den Cracker im Böhlener Werk wird derzeit nicht nur Deutsch gesprochen, knapp hundert Spezialisten kommen von ausländischen Standorten.

Fackel der Dow

die Fackel ist immer dann weithin zu sehen, wenn bei Dow in Böhlen eine Betriebsstörung vorliegt.

Zuletzt war das im April diesen Jahres der Fall. da stieg schwarzer Rauch auf.

Bereits im März brannte die Fackel des Werks, nicht nur einmal.

Das ist der Grund, warum die Fackel des Werks so oft brennt.

Die Wärme des Betriebs könnte künftig Böhlen heizen.

Die Vorbereitungen für die jetzige Wartung begannen schon im Januar 2016, das war vier Monate nach dem letzten. Im vorigen Oktober wurde begonnen, die Anlagenteile des Crackers einzurüsten. 175 Sattelzüge lieferten dafür das Gerüstmaterial an. Von den Rüstungen aus erreichen Arbeiter fast alle Behälter, Rohre, Wärmetauscher, Kolonnen, eben alles, was zu dem 45 Jahre alten und immer wieder erweiterten Cracker gehört, damit der Rohbenzin in Grundstoffe für die chemische Industrie aufspalten kann.

Industrie-Kletterer arbeiten in luftiger Höhe

Nur die ganz hohen Teile sind nicht eingerüstet. Dazu gehört der letzte gemauerte Schornstein, der hier noch in Betrieb ist, und natürlich die 146 Meter hohe Hochfackel. In diesen Höhen arbeiten Industrie-Kletterer der Firma Alpintechnik Leipzig mit Seilsicherungen. Auf diese Weise wurde beispielsweise die Demontage des Fackelkopfes vorbereitet, über den im Fall einer Störung oder Unterbrechung überschüssige Gase verbrannt werden.

Abgehoben hat ihn ein 1200-Tonnen-Kran, der mit seiner Hubhöhe von 160 Metern die an sich schon imposante Silhouette des Werkes noch überragt. Im Juli, wenn das Werk nach der Wartung wieder hochgefahren wird, wird aus dem schon montierten überholten Fackelkopf voraussichtlich wieder zeitweilig die Flamme ’gen Himmel lodern.

Bis dahin werden weiter Sicherheitsventile geprüft, TÜV-Inspektionen vorgenommen, Behälter und andere Anlagenteile repariert, ausgetauscht, Pumpen, Verdichter und Motoren gewartet, Behälter und Rohrleitungen gereinigt.

Zum Teil erledigen das Spezialisten von Innen. Dazu steigen sie in die gereinigten und belüfteten Anlagenteile, tragen dabei Atemschutzausrüstung und werden von Sicherheitsposten überwacht.

Ausgeklügelte Logistik auf dem Werksgelände

Eine ausgeklügelte Logistik ist bei den vielen Menschen und gleichzeitigen Tätigkeiten auf dem weitläufigen Werksgelände das A und O. Deswegen wurden Wege über normalerweise ungenutzte Wiesen angelegt, die die Strecken zu zwei großen Lagerzelten, zwei Kantinenzelten für je mehr als 800 Personen, zu einem Ausgabe-Zelt für Sicherheitsausrüstungen und zu den so genannten Permit-Containern führen.

Hier muss sich jeder, der eine Tätigkeit am Cracker ausführt, eine Arbeitserlaubnis holen mit genauer Beschreibung, den Nachweisen für Sicherheitsausrüstung und den nötigen Einweisungen. Sicherheit wird groß geschrieben. Das lässt sich sogar optisch ausmachen. Männer mit breitkrempigen grünen Helmen sind Gasanalysten, die die Luft in einer Anlage messen, bevor jemand hineinsteigt. Die mit den weißen Helmen sind Sicherheitsaufsichten.

Insgesamt stehen derzeit 600 Container auf dem Gelände. Die meisten, 293, sind WCs, Wasch- und Umkleideräume. 180 sind Bürocontainer, der Rest enthält Technik, Beratungs-, Küchen- und Pausenräume. Und auch das gehört zur Logistik: Damit die Wege nicht zu weit werden, umkreist ein Bus den Cracker. Auf diese Weise muss niemand mehr als 200 Meter bis zu seinem Arbeitsplatz zurücklegen.

Von André Neumann

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