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Borna Chemikanten werden wieder in Böhlen ausgebildet
Region Borna Chemikanten werden wieder in Böhlen ausgebildet
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08:58 16.09.2019
Chemikanten werden seit Beginn des Schuljahres am Beruflichen Schulzentrum Leipziger Land in Böhlen ausgebildet. Gemeinsam mit dem Chemiekonzern Dow und weiteren Partnern gelang es, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Quelle: Christian Modla
Landkreis Leipzig

„Chemie lag mir schon immer.“ Für die 17-jährige Annabell Berger aus Borna war es naheliegend, eine Ausbildung zum Chemikanten am Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Leipziger Land in Böhlen zu beginnen. Dass der Oberschülerin und weiteren 19 neuen Azubis dieser Weg überhaupt offensteht, ist der Initiative des Chemiekonzerns Dow zu verdanken. Gemeinsam mit dem Landkreis als Schulträger und den Verantwortlichen des BSZ gelang es, in Böhlen nach über 20 Jahren Zwangspause wieder eine Chemikanten-Ausbildung zu etablieren.

Neue Landesklasse in Sachsen etabliert

Dass dies kein leichter Weg war, wurde am Freitag beim feierlichen Start des Lehrjahres deutlich. „Es ist nicht so einfach, in Sachsen eine neue Landesfachklasse zu eröffnen“, ließ die Zweite Beigeordnete des Landkreises Ines Lüpfert durchblicken. Der Freistaat sei bemüht, die einzelnen Ausbildungsrichtungen an bestimmten Orten zu konzentrieren, da auf Grund des demografischen Wandels nicht jeder Beruf in jeder Region ausgebildet werden könne.

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Am BSZ Böhlen fiel am Freitag der offizielle Startschuss für die Chemikanten-Ausbildung.

eshalb mussten die Initiatoren einiges in die Waagschale werfen, um das Kultusministerium von den Böhlener Vorzügen zu überzeugen. Befürchtungen waren insbesondere in Radebeul laut geworden, dem Standort der bislang einzigen Chemikanten-Fachklasse in Sachsen. Allerdings gelangte Dresden letztlich zur Überzeugung, dass die zweizügige Ausbildung nahe Dresden keinen Schaden durch das neue Böhlener Angebot nimmt. Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) habe sich als Befürworter ins Zeug gelegt, hieß es.

Dow engagiert sich wegen des eigenen Bedarfs

Dass sich Dow so für den Nachwuchs engagiert, hat einen guten Grund. „Der Markt an Chemikanten ist leer gefegt“, berichtete Ines Mayer, Ausbildungsleiterin bei der Dow Olefin Verbund GmbH in Böhlen. Bislang mussten die Lehrlinge stets ins benachbarte Sachsen-Anhalt pendeln, um dort die Schulbank zu drücken. „Um dringend benötigte Fachkräfte zu sichern, wollten wir unseren Azubis diesen Weg gern ersparen.“ Mit der Idee sei man sowohl beim Landkreis als auch dem BSZ sofort auf offene Ohren gestoßen, berichtete Ines Mayer.

„Anfangs dachten wir, so eine Ausbildung auf die Beine zu stellen, wird schon nicht so wild werden“, meinte BSZ-Schulleiter Jörg Großkopf. Die Beteiligten wurden jedoch bald eines Besseren belehrt. Die Trauben hingen hoch: Immerhin galt es, alle Voraussetzungen für die neue Berufsrichtung nachzuweisen, Lehrer an Land zu ziehen, einen Berg von Vorschriften zu erfüllen, vereinzelt auch Widerstände zu überwinden. „Das alles wäre nicht gegangen, wenn wir nicht alle für das Projekt gebrannt hätten“, bekannte die Böhlener Ausbildungsleiterin sichtlich erleichtert.

Böhlener Schule profiliert sich als Nachwuchsschmiede

Das Projekt hat dabei mehrere Gewinner: „Das BSZ kann sich als wichtige Nachwuchsschmiede weiter profilieren und zeigen, dass man die Interessen der regionalen Wirtschaft aufnimmt“, unterstrich Großkopf. „Für Dow ist die neue Ausbildung ein wichtiger Meilenstein, um sich schon heute die Fachkräfte von morgen zu sichern“, erklärte Hanna Sitzler, Geschäftsführerin der Dow Olefinverbund GmbH. Emotional berührt äußerte sich auch Andreas Zielke, Dow-Betriebsrat am Standort Böhlen. Vor 36 Jahren habe er selbst seinen Berufsweg an der Böhlener Schule begonnen. „Dass der Beruf des Chemikanten nach Böhlen zurückkehrt, hätte ich nie für möglich gehalten.“ Es habe viele Skeptiker gegeben, erinnerte der Groitzscher. „Doch die Region hat zusammengestanden und kann sich jetzt gemeinsam über diesen Erfolg freuen.“ Auch an Landrat Henry Graichen (CDU) ging ein Lob, der sich stark eingesetzt habe.

Gute Jobaussichten und stattliches Azubi-Gehalt

Christian Rosin, Kraftwerksleiter der LEAG, nahm auch die Jugendlichen, die aus dem Landkreis Leipzig, aus Nordsachsen oder Halle kommen, selbst in die Pflicht. „Jetzt ist es an Ihnen, sich zu engagieren, alles mitzunehmen, was die Ausbildung bietet“, so der Leiter des Lippendorfer Industriestandortes, in dem ebenfalls ein Teil der praktischen Ausbildung stattfindet. „Die Voraussetzungen jedenfalls sind mit BSZ, Dow und LEAG als starken Partnern ideal“, befand Rosin.

Gute Jobaussichten und ein stattliches Azubi-Gehalt von 1018 Euro bereits im ersten Lehrjahr – damit hoffen die Projektpartner auch in Zukunft genügend Interessenten nach Böhlen zu locken. Schließlich müssen sich nicht nur die Azubis im Rahmen ihrer dreieinhalbjährigen Ausbildung beweisen. Auch das BSZ muss seine Eignung und den Bedarf nachweisen. Die Genehmigung zur Chemikanten-Ausbildung ist schließlich vorerst auf vier Jahr befristet.

Von Simone Prenzel

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