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Borna Christin aus Oelzschau auf Mission in Tansania
Region Borna Christin aus Oelzschau auf Mission in Tansania
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05:00 09.08.2018
Das Wetter von Arusha in Tansania hat Michelle Schwarz immer im Blick. Quelle: André Neumann
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Rötha/Oelzschau

In ihrer Wetter-App auf dem Smartphone hat Michelle Schwarz Arusha längst gespeichert. So kann die 18-Jährige aus Oelzschau schon mal verfolgen, was sie auf diesem Gebiet in der zweitgrößten Stadt des ostafrikanischen Landes Tansania erwartet. Dort wir die junge Frau, die seit einigen Wochen das Abitur in der Tasche hat, nämlich am 4. September für ein ganzes Jahr hinreisen.

Mit 14 Jahren getauft

Das sie nach dem Abi weggehen würde, sagt die Oelzschauerin, sei für sie längst klar gewesen. Ihre Familie weiß, dass es sie in die Welt hinaus zieht. Dass es gleich so weit sein würde, war dann wohl doch überraschend. Aber Michelle war schon immer für Überraschungen gut. Vor ein paar Jahren hatte sie Lust, Gitarre spielen zu lernen. Über die Musik fand sie Freunde aus der evangelischen Kirchgemeinde, und zwei Wochen vor der Jugendweihe, mit 14 Jahren, ließ sie sich taufen. Seit anderthalb Jahren ist sie Leiterin der Jungen Gemeinde. Gitarre spielt sie immer noch, sogar in zwei Bands, die eine heißt Sunday Delight, die andere Fishing in Panama. Die Gitarre fliegt auf jeden Fall mit nach Afrika.

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Mit der Kirche weltweit unterwegs

Auf der Suche nach einem Reiseziel für ihr Auslandsjahr hatte sich Michelle Schwarz zunächst mit einer Freundin auf einer Messe umgesehen. Von ihrem Pfarrer Stephan Vorwergk kam dann der Tipp, doch mal beim Leipziger Missionswerk nachzufragen. „Wie cool Kirche weltweit sein kann“, hatte sie schon einmal erlebt, sagt Michelle Schwarz. Ende vorigen Jahres war sie zwei Wochen in den USA. In der Stadt Milwaukee lebte sie in der Familie eines katholischen Pfarrers. 2000 Kilometer weiter südlich in Florida hatte damals der Hurrikan Irma getobt. Die Gemeinde, in der sie zu Gast war, sammelte eine Woche lang Hilfsmittel und schickte die nach Florida. Auch deswegen folgte sie gern dem Tipp, sich ans Missionswerk zu wenden.

Unterstützung der Frauenarbeit in Arusha

Mit dessen Freiwilligen-Austauschprogramm fliegt sie nun nach Arusha, wo sie in einer diakonischen Einrichtung in der Frauenarbeit beschäftigt sein wird. Zuerst als Sekretärin der Chefin, die sie in Leipzig schon getroffen hat, und später vielleicht in einer Schneiderei. „Es wird dort sehr viele verschiedene Bereiche geben, ich denen ich mich umschauen kann“, ist sie überzeugt.

Die 18-Jährige freut sich auf ihr kleines Häuschen, dass sie in Arusha auf dem Gelände des Diakoniewerkes bewohnen wird, zusammen mit Mwokozie und Jodi, zwei zum Haus gehörenden Hunden, und einer Katze. Urlaub bekommt sie auch, so dass sie sich bestimmt auch einige der vielen Nationalparks in der Gegend anschauen wird. „Die Serengeti liegt gleich um die Ecke“, sagt die Weltenbummlerin, und vom Garten ihres Häuschens aus kann sie direkt auf den Vulkan Mount Meru schauen. Ab und zu wird sie auch zu anderen Partnergemeinden des Leipziger Missionswerkes reisen dürfen, um zu sehen, was die Freiwilligen dort machen.

Im Garten des Kirchgemeindehauses in Mölbis erzählt Michelle Schwarz von Ihrer bevorstehenden Reise nach Tansania. Quelle: André Neumann

Erste Wörter in Kisuaheli

Zuerst wird sie aber einen 14-tägigen Intensivsprachkurs in Kisuaheli bekommen. Karibu, das heißt willkommen, kann sie schon sagen und verstehen. Ein paar Lieder in der afrikanischen Sprache kennt sie und wenigstens eine typische Speise: Pilau. Das Reisgericht mit Gemüse und Kokosmilch wird in Tansania nur zu Hochzeiten und anderen besonderen Anlässen gegessen. Sie servierte es ihren Gästen bei einem Abend im Kirchgemeindehaus in Mölbis, als sie ihre Reispläne vorstellte. Auch deshalb, weil sie Unterstützer braucht, denn zu den Regeln beim Missionswerk gehöre, erklärt sie, dass jeder Freiwillige rund ein Dutzend Unterstützer finden müsse, die mit monatlichen Spenden das Projekt mit finanzieren. Dafür bekommen sie Rundbriefe, in denen Michelle Schwarz über ihre Arbeit und ihr Leben in Afrika berichtet, und im nächsten Jahr eine Einladung zum Wiedersehensfest.

Von André Neumann