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Borna Dank Schulbegleiterin: Felix kann in Borna die Realschulprüfung absolvieren
Region Borna Dank Schulbegleiterin: Felix kann in Borna die Realschulprüfung absolvieren
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12:12 14.10.2019
Die Fotografin stresst Felix, er möchte sich am liebsten verstecken. Der Zehntklässler, der autistisch ist, wird seit sieben Jahren von Regina Streller in der Schule begleitet und bereitet sich jetzt auf seine Realschulprüfung vor. Quelle: Diakonie Leipziger Land
Landkreis Leipzig

Die Zahl der Schulbegleiter im Landkreis Leipzig steigt. Aktuell haben 165 Kinder und Jugendliche eine Begleitung in der Schule, sagte Brigitte Laux, Pressesprecherin im Landratsamt, auf LVZ-Anfrage.

Seit 2008 ist es möglich, dass Kinder mit Schwierigkeiten im Unterricht eine ausgebildete Fachkraft neben sich haben, die ihnen hilft. Das betreffe Störungen im Autismusspektrum, geistige und körperliche Behinderungen, ausgeprägte Aufmerksamkeits- und Aktivitätsstörungen sowie Schwierigkeiten im Sozialverhalten.

2012 wurden 48 Schüler auf diese Weise betreut, 2015 stehen schon 87 in der Statistik. Seitdem hat sich die Zahl fast verdoppelt. 43 Prozent der zusätzlichen Pädagogen arbeiten in Grundschulen, 27 Prozent in Förder- und 26 Prozent in Oberschulen sowie vier Prozent an Gymnasien.

Freie Träger und Soziale Dienste als Partner

Dabei hat das Jugendamt selbst keine Schulbegleiter unter Vertrag, sondern überträgt diese Aufgabe an Freie Träger und Soziale Dienste. Da auch bei diesen Pädagogen Personalnotstand herrscht, sei es schwierig, die Stellen zu besetzen. Kürzlich trennte sich der Landkreis zudem von einem der Anbieter, weil dieser Personal ohne ausreichende Qualifikation beschäftigte.

Ein positives Beispiel dagegen ist Regina Streller, die für die Diakonie Leipziger Land arbeitet. Sie betreut in der Bornaer Dinter-Schule den Zehntklässler Felix, der autistisch ist. Schon seit sieben Jahren ist sie an seiner Seite und hat maßgeblichen Anteil daran, dass er sich wie alle anderen Zehntklässler nun auf die Realschul-Prüfung vorbereitet, so Cornelia Killisch, Pressesprecherin der Diakonie.

Erste Schuljahre waren schwierig

In Felix’ ersten beiden Grundschuljahren sei es schwierig gewesen. Die Lehrerin hatte einen Verdacht. Es folgten Termine, Wartezeiten und Anträge bei mehreren Psychologen, in der Autismusambulanz und beim Amt. Dessen erste Aussage war: „Wir haben zur Zeit niemanden für eine Schulbegleitung“.

Auf der anderen Seite suchte Regina Streller Arbeit. Nach den Wende- und Kleinkinderjahren habe die Unterstufenlehrerin „freie Zeit und Energie“ gehabt. Über Kontakte und den Kirchenbezirk, für den sie stundenweise immer noch arbeitet, hat sie sich dann für das neue Projekt vormerken lassen, das die Diakonie damals startete. Und dann ging es ganz schnell.

Chemie stimmte: „Sie schickt der Himmel“

In der letzten Ferienwoche vor dem Beginn von Felix‘ dritter Klasse kam der Anruf, dass eine Schulbegleitung für einen autistischen Jungen gesucht würde. Noch am selben Tag traf sie sich mit Felix und seiner Familie. „Sie schickt der Himmel“, soll seine Mutter gesagt haben. Die Not war groß, die Chemie stimmte und wenige Tage später ging es los.

Sie sei für Felix wie eine „Dispatcherin“. Driftet er in seine Welt ab, holt sie seinen Fokus zurück an die Tafel. Sie erinnert ihn daran, das Mathebuch aufzuschlagen und schreibt für ihn mit, denn Multitasking sei schwierig. Über die Jahre hat sie gelernt, seine Signale zu deuten und übersetzt sie für die Pädagogen.

Felix will Gärtner werden

Ohne seine Schulbegleiterin hätte Felix wahrscheinlich eine Förderschule besuchen müssen – trotz guter Anlagen. Dass er sich so positiv entwickelt und Strategien für den regulären Schulbetrieb erlernt hat, verdanke er vor allem dem unermüdlichen Engagement seiner Familie, Lehrer – und seiner Begleiterin.

Für die Zeit nach der Schule hat Felix ein Ziel: Er will Gärtner werden. Ein Praktikum hat er schon gemacht und findet diesen Beruf „toll“.

Wenn Eltern Schulbegleitung beantragen, werde dies meist bewilligt, sagt die Landkreis-Sprecherin Laux. In der Regel haben sie schon mehrere Wege hinter sich. Entweder das Kind benötige wegen einer körperlichen Beeinträchtigung Unterstützung oder es hat wegen seines unerklärbaren Verhaltens „ständig Probleme mit den Lehrern“.

Beratung im Jugendamt möglich

Empfehlungen zur Antragstellung würden Eltern häufig durch die Schule selbst und durch Ärzte oder Therapeuten erhalten. Schulbegleitung sei meist eine Maßnahme, die ergänzend zu anderen Leistungen erfolgt, zum Beispiel Erziehungshilfen oder medizinische Therapien. Eine umfassende Beratung erhalten Interessenten im Jugendamt.

Schulbegleitung stellt finanziell einen relativ großen Posten dar, weil es sich um eine 1:1-Betreuung handelt. 2018 zahlte der Landkreis dafür rund 2,5 Millionen Euro, so Laux.

Von Claudia Carell

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