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Borna Darum bauen Porsche und Schuler kein Werk bei Kitzscher
Region Borna Darum bauen Porsche und Schuler kein Werk bei Kitzscher
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13:57 13.09.2019
Das Gewerbegebiet „Goldener Born“ bei Thierbach auf dem Gelände des einstigen Kraftwerks ging beim Wettbewerb um große Investoren bisher leer aus. Quelle: André Neumann
Kitzscher/Thierbach

Um ein Haar hätte die Stadt Kitzscher zu einer wichtigen Adresse in der Automobil-Zulieferindustrie werden können. Unter großer Geheimhaltung haben sich Vertreter des Autobauers Porsche und des Umform-Spezialisten Schuler auf der Suche nach einem geeigneten Platz für ein gemeinsames Pressen-Werk vor einem Jahr auch das Gewerbegebiet „Goldener Born“ bei Kitzscher angesehen.

„Denen gefielen die Flächen“, sagte Michael Körner, Chef des Akquise-Unternehmens Invest Region Leipzig, jetzt im Stadtrat von Kitzscher. Gebaut wird das Werk, eine Investition von mehr als 100 Millionen Euro, jetzt aber im Industriegebiet Star Park bei Halle. An der Nähe zu einer Autobahnanschlussstelle kann es nicht gelegen haben. Die wird hier in wenigen Wochen genau so gegeben sein, wie an der A 14.

Das Gewerbegebiet „Goldener Born“ bei Thierbach hat noch große freie Flächen. Quelle: André Neumann

„Goldene Born“ bei Kitzscher zieht beim Wettstreit um Investoren den Kürzeren

Warum der „Goldene Born“ beim Wettstreit um große Investoren bislang den Kürzeren zieht, und welche Chancen das Areal des ehemaligen Kraftwerkes Kitzscher hat, darüber gab der Geschäftsführer von Invest Region dem Stadtrat Auskunft. Das Unternehmen gehört der Stadt Leipzig, der IHK und den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen. Es versucht weltweit Firmen auf hiesige Gewerbeflächen aufmerksam zu machen mit dem Ziel einer Ansiedelung.

Michael Körner spricht im Stadtrat Kitzscher über Chancen für das Gewerbegebiet „Goldener Born“ bei Thierbach. Quelle: André Neumann

Betonwerk Bad Lausick und Kunststoffverarbeiter Lätzsch sind vor Ort

Das Industrie- und Gewerbezentrum (IGZ) „Goldener Born“ besteht aus drei Bauabschnitten. Der östliche erste Bauabschnitt nimmt mit rund 40 Hektar etwa die Hälfte des gesamten Areals ein und ist seit gut fünf Jahren fertig erschlossen. Mehr als sieben Millionen Euro gab vor allem der Freistaat Sachsen dafür aus.

„Ein Investor muss nur kommen und den Stecker in die Steckdose stecken“, sagte Kitzschers Bürgermeister Maik Schramm bei der Einweihung des IGZ im Oktober 2014. Damals waren das Betonwerk Bad Lausick, der Kunststoffverarbeiter Lätzsch und die Unternehmensgruppe Hänchen mit ihrer neuen Großküche schon da.Hinzugekommen ist seitdem nur noch eine Biogasanlage.

Zwei chinesische Firmen, ein deutsches, ein finnisches und ein japanisches Unternehmen hätten sich in letzter Zeit für den „Goldenen Born“ interessiert, sagte Körner. Der große Vorzug des Gebietes bei Thierbach sei dessen Größe: Mehr als 30 Hektar zusammenhängender Fläche gebe es im Leipziger Südraum nur noch hier und bei Frohburg, ansonsten noch einmal im Leipziger Norden, rechnete Körner vor.

Michael Körner, Geschäftsführer des Akquise-Unternehmens Invest Region Leipzig. Quelle: André Neumann

Flächen befinden sich zum Teil auf Kitzscheraner, zum Teil auf Bornaer Flur

Allerdings gebe es auch Nachteile. Und die liegen in der besonderen Situation des „Goldenen Born“. Dessen Flächen befinden sich zum Teil auf Kitzscheraner, zum Teil auf Bornaer Flur, das heißt, ein Investor hätte es planungsrechtlich gegebenenfalls mit zwei Kommunen zu tun. Eigentümer der Flächen ist das Braunkohle- und Kraftwerksunternehmen Leag, somit ein dritter Verhandlungspartner für Interessenten. In Halle hingegen lagen Eigentum und Planungsrecht in einer Hand.

In Thierbach gab es noch weitere ungünstige Voraussetzungen: Das Pressenwerk brauchte mehr Platz, als die schon erschlossenen 40 Hektar. Doch für die weiteren Flächen, beispielsweise die, auf der einmal die Kühltürme standen, gibt es noch keine vorbereiteten Bebauungspläne. Wenn es schnell gehen soll, ist das ein Nachteil.

Unterirdische Altlasten vom alten Kraftwerk Thierbach?

Wie auch die Tatsache, dass der Standort des einstigen Kraftwerkes an einigen Stellen möglicherweise noch ungewisse unterirdische Altlasten beherbergt. So lange die nicht ausgeschlossen werden können, siedelt sich ein Investor, der auch in die Tiefe bauen muss, lieber anderswo an. „Darüber müssen wir mit der Leag reden“, gab Körner den Stadträten und der Stadtverwaltung mit auf den Weg. Wie auch den Hinweis, die Planung auf dem Gelände voranzutreiben.

Ein Traktorgespann beliefert die Biogasanlage im Gewerbegebiet „Goldener Born“ bei Thierbach. Quelle: André Neumann

Investorensuche verläuft stets im Geheimen

Das Geschäft der Investorensuche ist so langwierig wie sensibel. Denn ein großer Hersteller möchte natürlich seine Ansiedelungsabsichten nicht vor einer endgültigen Entscheidung in der Öffentlichkeit sehen.

Deswegen würden Vor-Ort-Termine und Gespräche immer „mega-geheim“ erfolgen, sagte Körner. So sehr, dass der Bürgermeister sogar die Stadtratsmitglieder nicht über konkrete Anfragen informiert. Nach der Abkehr von Porsche und Schuler ist Invest Region Leipzig mit anderen Investoren weiter in Verhandlungen.

Kommentar: Nachteile bei Randbedingungen

Ein Kommentar von André Neumann

Welche Kommune, die ein Gewerbegebiet besitzt, hofft nicht auf ein potentes und solides Unternehmen, das Arbeitsplätze schafft und bald zum guten Steuerzahler wird. Kitzscher war dicht dran an einem Presswerk für Autoteile eines namhaften Herstellers. Doch das für sieben Millionen Euro erschlossene Gewerbegebiet IGZ „Goldener Born“ hat eben leider ein paar Nachteile.

Die lassen sich so auf den Punkt bringen: Zwei Kommunen mit der Planungshoheit – Kitzscher und Borna – und ein privater Flächeneigentümer, die Leag. Das schafft lange Kommunikationswege, lässt sich aber nicht ändern.

Unter Druck steht derzeit nur die Stadt Kitzscher, die zähneknirschend zuschauen muss, wie die schon hergerichteten Flächen langsam verwildern und wie große Investoren wegen der ungünstigen Randbedingungen letztlich doch woanders bauen. Denn anders als Kitzscher hat die Stadt Borna auf ihrem Gelände des einstigen Kraftwerkes noch nichts investiert, weder in Erschließung noch in Planung.

Und die Interessenlage der Leag als Flächeneigentümer dürfte nochmal eine andere sein. Sie schaut mit wirtschaftlichen Erwägungen auf die Grundstücke. Und aus dieser Sicht macht es sogar Sinn, in die Beräumung von Altlasten im Boden erst dann zu investieren, wenn ein Verkauf sicher absehbar ist.

Den Vorteil großer zusammenhängender Flächen im IGZ werden die drei Parteien aber nur dann ausspielen können, wenn sie Investoren gemeinsam auch die besten Randbedingungen liefern können. Dazu gehören geklärte Bodenverhältnisse genauso wie eine abrufbereite Planung. Die beiden Kommunen und das Unternehmen müssten dazu ihre Interessenlagen abstimmen und geschlossen auftreten.

Oder abwarten, bis Investoren mal sagen: Wir wollen unbedingt hieher, unter welchen Bedingungen auch immer. Das kann aber dauern.

a.neumann@lvz.de

Von André Neumann

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