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Borna Delegation in der Ukraine: Bornaer sind beeindruckt von Irpiner Schnelligkeit
Region Borna Delegation in der Ukraine: Bornaer sind beeindruckt von Irpiner Schnelligkeit
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00:17 07.11.2017
Alle Irpiner, die schon einmal in Borna waren, und die Bornaer Delegation kommen zum gemeinsamen Abend zusammen. Die Gastfreundschaft der Ukrainer ist beeindruckend.  Quelle: Julia Tonne
Borna/Irpin

 IrpinBornas Partnerstadt in der Ukraine – ist eine Stadt voller Gegensätze. Auf der einen Seite heruntergekommene Wohnviertel und Menschen, die im Abfall wühlen, auf der anderen Seite Siedlungen, die von Kameras überwacht werden, und hochmoderne technische Ausstattungen in den Schulen. Was sich in den vergangenen Monaten in Irpin nahe Kiew getan hat und welche Ideen die Ukrainer aus Borna mit nach Hause genommen haben, konnte sich eine Bornaer Delegation in den vergangenen Tagen ansehen. Zwei Reisegruppen hatten sich auf den Weg gemacht: zum einen die beiden Schulleiter von Dinterschule und Teich-Gymnasium, Frank Ziemann und Margitta Schade, samt einiger Lehrer und Hortleiterin der Clemens-Thieme-Grundschule, Silke Rüger, zum anderen Stadtvertreter wie Oberbürgermeisterin Simone Luedtke, Stadtwehrleiter Tino Reim sowie dessen Stellvertreter Kai Noeske. Mit von der Partie waren zudem Holger Luedtke, Stadtsprecher Hans-Robert Scheibe sowie die Autorin.

Rathaus

Erster Tagesordnungspunkt am vergangenen Montag war eine offizielle Begrüßung durch den Irpiner Bürgermeister Volodymyr Karplyuk. Es war ihm deutlich anzumerken, dass er sich über den Besuch freute, stolz zeigte er das Rathaus, in dem sich seit Aufleben der Städtepartnerschaft einiges getan hat. „Wir haben aus den vielen einzelnen Räumen große Bereiche mit Fenstertrennwänden gemacht“, erklärte er. Hintergrund dafür sei, die um sich greifende Korruption einzudämmen. Im Foyer hingegen entstand etwas, das hierzulande undenkbar wäre: ein Überwachungsraum, in dem auf Monitoren sämtliche Übertragungen der Kameras einlaufen, die in der Stadt verteilt sind. Seitdem, sagte Karplyuk, sei es auf den Straßen ruhiger geworden.

Das Irpiner Zentrum mit dem Rathaus (rechts), in dem Bürgermeister Karplyuk einige Neuerungen eingeführt hat. Quelle: Julia Tonne

Der Rathauschef erneuerte zudem die gesamte Belegschaft. Ältere Mitarbeiter mussten wegen Korruption und fehlender Flexibilität gehen. Junge Leute kamen, weil sie den Umgang mit Computern und Internet beherrschten. Denn in vielerlei Hinsicht hängt die Ukraine einige Jahren den Entwicklungen der westlichen Welt hinterher. Damit nicht genug. Nach eigener Aussage spendet Karplyuk, seit gerade einmal drei Jahren Stadtoberhaupt, sein Einkommen als Bürgermeister der Stadt – „Ich will Irpin etwas zurückgeben“, erklärte er. In den vergangenen Jahren habe er eine eigene Baufirma besessen, die nun seiner Frau gehöre. Bornas Oberbürgermeisterin Luedtke war ob der Schnelligkeit ihres Amtskollegen sichtlich überrascht. Neben dem Umbau des Rathauses wurden innerhalb kurzer Zeit außerdem zahlreiche Parkanlagen geschaffen und Veränderungen in den Schulen angestoßen. „Von dem Tempo können wir uns sogar etwas abgucken“, sagte Luedtke, die für die Irpiner Presse einige Interviews geben musste. „Irpin lernt von Borna, Borna von Irpin.“

Feuerwehr

Wie ein Besuch im Museum kam es Tino Reim und Kai Noeske vor, als sie der Wache 36 in Irpin einen Besuch abstatteten. Sechs Fahrzeuge stehen den Kameraden dort zur Verfügung, allerdings sind die zum Teil 45 Jahre alt. „Aber sie fahren“, erklärte Juriy Burenko, Chef der Wache 36, die für den gesamten Irpiner Raum inklusive der Stadtteile zuständig ist. In der Ukraine gibt es lediglich Berufsfeuerwehren, die dem Militär unterstellt sind. Eine Freiwillige Feuerwehr gibt es nicht. Das aber soll sich nach Aussage von Bürgermeister Karplyuk ändern, er will das System der ehrenamtlichen Helfer in Irpin etablieren.

Ein Treffen unter Kameraden: Tino Reim (links) und Kai Noeske (2.v.r.) lassen sich von Juriy Burenko (Mitte) die Fahrzeuge der Wache 36 zeigen. Quelle: Julia Tonne

Doch nicht nur die alte bis zuweilen antike Ausstattung sorgte bei den Bornaer Stadtwehrleitern für Irritationen, sondern auch die Zahlen. In der Zentrale, in der die Anrufe eingehen, sitzt gerade einmal eine Mitarbeiterin. 136 Kameraden sind für 80 000 Einwohner zuständig, wobei Irpin inoffiziell gar 120 000 Einwohner hat. „So genau wissen wir das nicht, viele Flüchtlinge, die zum Beispiel von der Krim kommen, registrieren sich nicht“, sagte Burenko. Als er die entsprechenden Zahlen aus Borna hörte – 160 Feuerwehrleute für etwa 20 000 Bewohner –, konnte er es nicht glauben, fragte immer wieder nach, ob die Übersetzung wirklich stimme. Auch von den Erzählungen der hiesigen Einsatzfahrzeuge war er beeindruckt, weshalb die Idee, das in Borna ausgediente Drehleiterfahrzeug Irpin zu schenken, schnell konkrete Formen annahm. Möglicherweise kommt Burenko schon in absehbarer Zeit nach Borna, um sich mit der Technik vertraut zu machen. Dass das Drehleiterfahrzeug, mittlerweile auch 25 Jahre alt, hierzulande neu zugelassen werden darf, ist ausgeschlossen. Hintergrund sind die Schadstoffemissionen, die in Deutschland eingeschränkt werden sollen. Für Burenko wäre das Fahrzeug ein Glücksfall, „ein echter Neuwagen“.

Kindergarten

Einen bleibenden Einruck hat der Kindergarten Kolibri sowohl bei der Reisegruppe „Stadt“, als auch bei der Gruppe „Schule“ (die LVZ berichtet zum Bildungsaustausch gesondert) hinterlassen. Nicht nur, dass das Gebäude gerade einmal zwei Monate steht, es ist auch mit so viel Liebe zum Detail gestaltet, dass viele Eltern und Kinder aus Borna neidisch werden dürften. Jeder Raum hat ein bestimmtes Motto – beispielsweise Weltraum und Märchen – entsprechend sind die Wände bemalt. Geöffnet ist die Einrichtung für Zwei- bis Sechsjährige von 7 bis 19 Uhr, gekocht wird in der hauseigenen Küche.

Investoren von neuen Wohnsiedlungen müssen auch für Spielplätze oder Kindergärten aufkommen. Im Vordergrund der Kindergarten Kolibri, der farbenfroh daherkommt. Quelle: Julia Tonne

Im Keller gibt es neben einer Salzgrotte, in der Kinder mit und ohne Atemwegserkrankungen Zeit verbringen können, ein Krankenzimmer. „Ein Arzt und eine Schwester sind mehrmals in der Woche in der Einrichtung, um kranke Kinder zu pflegen und zu betreuen“, erzählte Ljubov Schostak. 25 Griwna, umgerechnet einen Euro, zahlen die Eltern täglich für das Essen, die Betreuung selbst ist kostenlos. Kein Wunder also, dass die Warteliste für den „Kolibri“ lang ist.

In Irpin gibt es Vorschriften, wonach ein Investor, der ein neues Wohngebiet bauen lässt, auch die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung stellen muss, also Spielplätze oder einen Kindergarten. Der Kolibri ist ein Beispiel dafür, dass die Auflage funktioniert.

Von Julia Tonne

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