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Borna Der Stausee Rötha wird kaum noch gebraucht
Region Borna Der Stausee Rötha wird kaum noch gebraucht
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15:07 19.09.2019
Blick über den Stausee Rötha in Richtung Stadt. Quelle: André Neumann
Rötha

Es ist kein besonders attraktives Bild, das Axel Bobbe vom Stausee Rötha zeichnet. Der ist eigentlich kaum noch für irgend etwas nützlich und erforderlich, unter einer Schlammschicht verbergen sich etliche Altlasten. Er steckt voller Blaualgen, die Wassersportlern schon im dritten Sommer in Folge den Spaß verderben, und touristische Angebote gibt es rund um den See so gut wie nicht.

Älteste Anlage des Speichersystems Untere Pleiße

Röthas Bürgermeister Stephan Eichhorn (parteilos) hatte den Betriebsleiter des in Rötha ansässigen Betriebes Elbaue/Mulde/Untere Weiße Elster der Landestalsperrenverwaltung (LTV) eingeladen, im Stadtrat über die Bewirtschaftung des Stausees zu sprechen. Den gibt es seit 1942, womit er die älteste Anlage des Speichersystems Untere Pleiße ist.

Allerdings ist seine Hochwasserschutzfunktion nur noch eine kleine. Das Rückhaltevermögen liege bei rund einer viertel Million Kubikmeter, sagte Bobbe in Rötha. Und nannte als Vergleich die Summe der Hochwasserspeicher in der Region südlich von Leipzig: 70 Millionen Kubikmeter.

Der Stausee Rötha ist Teil eines Landschaftsschutzgebietes. Funktionen hat er kaum noch.

Die industrielle Nutzung des Wassers ist auch Geschichte. Ursprünglich lieferte der Stausee Brauchwasser für die Braunkohleindustrie, zuletzt für Kraftwerke in Espenhain und auf dem Gelände der Chemieunternehmen in Böhlen/Lippendorf. Doch die beiden Großunternehmen Dow und das Lippendorfer Kraftwerk werden heute über das Speicherbecken Witznitz bei Borna versorgt. Mit Wasser, das über ein ausgeklügeltes System aus der Mulde hierher befördert wird.

Trotzdem hat die LTV in den zurückliegenden Jahrzehnten einiges in die Bewirtschaftung des Stausees investiert. In den neunziger Jahren holte der Kampfmittelbergungsdienst 13 Bomben und tausende Stück Munition aus dem See.

Wassertiefe hat sich verringert

Die LTV ließ vor Kurzem den Auslauf in die Kleine Pleiße erneuern und den Stausee zweimal, 2016 und 2017, abschnittsweise entschlammen. Er ist heute trotzdem viel flacher als früher. Laut Bobbe habe die Wassertiefe mal zwei bis drei Meter betragen. „Jetzt könnte man durchlaufen, wenn man nicht im Schlamm versinkt“, fügt er hinzu.

Tiefer soll der See allerdings auch nicht ausgeräumt werden. Denn unter der Sedimentschicht der vergangenen zwanzig Jahre lauern Altlasten. Bobbe spricht von „hoch belasteten Sedimenten“, die Phenole enthalten würden. Die machen offenbar keinen Schaden, solange sie nicht freigelegt werden. Jedenfalls gehe „der Freistaat da nicht ran“, sagt Bobbe, zumal eine Sanierung des See-Untergrundes geschätzte 60 Millionen Euro kosten würde.

Bleibt die touristische und Freizeitnutzung des Sees. Spaziergänger, Radfahrer und Läufer nutzen gern den Rundweg um den See. Leider sind in dessen Wasser seit Jahren, wie Bobbe sagt, Blaualgen heimisch. Das sind keine herkömmlichen Algen, sondern Bakterien, die einen blau-grünen Film auf der Wasseroberfläche bilden. Das muss nicht immer passieren, wird aber durch hohe Temperaturen begünstigt, weswegen es (nicht nur) im Röthaer Stausee in den letzten Sommern eine Dauererscheinung war.

„Es ist fast aussichtslos, diese Lebewesen zu bekämpfen“, sagt Bobbe. Sei ein Gewässer einmal befallen, werde man die Blaualgen nicht wieder los. Weil die Blaualgen gefährlich für den Menschen sind, was von Hautreizungen bis zu allergischen Reaktionen mit Atemnot und Entzündungen im Magen-Darm-Trakt führen kann, muss die LTV die Bevölkerung vor der Nutzung ihrer befallenen Gewässer warnen.

Stauseepiraten denkt über Zukunft am See nach

Besonders betroffen sind die Stauseepiraten, ein am See ansässiger Freizeit- und Sportverein. Der jetzt ernsthaft über seine Zukunft am See nachdenkt. Zumal Bobbe in Richtung des Vereins bezogen auf die Blaualgen deutlich sagt: „Ich kann Ihnen da keine Hoffnung machen.“ Dass die Bakterien im September, Oktober, wenn es kühler wird, absterben und auf den Boden sinken, ist da nur ein ganz schwacher Trost.

Bleibt die touristische Nutzung des Sees. Es führen Rad- und Wanderwege um ihn herum. Ansonsten aber sei der See ein Pfund, mit dem die Stadt nicht wuchere, sagt Bobbe. Der aber zugleich ins Feld führt, was – abgesehen von den Blaualgen – dagegen spricht, dass hier beispielsweise wie früher wieder Boote verliehen werden könnten: Der See sei nicht für den so genannten Gemeingebrauch frei gegeben und er liege fast komplett innerhalb eines Landschaftsschutzgebietes.

200 Liter Wasser pro Sekunde durchgeleitet

Ein möglicher Bootsverleiher müsste sich zumindest sehr intensiv mit Behörden auseinandersetzen. Immerhin wird der Stausee wasserwirtschaftlich betrieben. Über das Trachenauer Wehr und ein Zulaufbauwerk zweigt die Kleine Pleiße ab, die den See mit Wasser aus der Pleiße speist. Über den so genannten Grundablass fließt Wasser auf der anderen Seite wieder in die Kleine Pleiße. Derzeit würden laut Axel Bobbe rund 200 Liter Wasser pro Sekunde durch den See geleitet. Mehr nicht, denn sonst, sagt der LTV-Betriebsleiter, würde die Vegetation Schaden nehmen.

Von André Neumann

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