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Borna Deutzener Schüler müssen nach Neukieritzsch umziehen
Region Borna Deutzener Schüler müssen nach Neukieritzsch umziehen
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12:54 10.07.2019
Die Horträume in der Grundschule Neukieritzsch nutzt für die nächsten Jahre die Grundschule aus Deutzen. Quelle: Jens Paul Taubert
Neukieritzsch

Mit Beginn des neuen Schuljahres müssen die Kinder der Grundschule „4 Jahreszeiten“ Deutzen zum Unterricht nach Neukieritzsch in die Grundschule. Das hat der Gemeinderat am Dienstagabend nach einer fast vierstündigen Sitzung mehrheitlich beschlossen. Allerdings ist die Notauslagerung begrenzt. Spätester Termin für die Rückkehr in das Gebäude nach Deutzen soll laut Beschluss das Schuljahr 2021/2022 sein.

Einher geht die Notauslagerung des Schulbetriebs mit dem Umzug des Hortes und der Bibliothek. Während die Kinder künftig in Neukieritzsch unterrichtet und betreut werden – wobei die Schule „4 Jahreszeiten“ als solche im Interimsdomizil erhalten bleibt und eigene Räume bekommt – wird die Bibliothek künftig im ehemaligen Konsum untergebracht.

Auslagerung wegen erheblicher technischer Gefahren

Grundlage für die Auslagerung sind die Ergebnisse einer Überprüfung der elektrischen Anlagen im Schulgebäude vor wenigen Monaten. Sowohl Jens Landmann von der gleichnamigen Elektro-Firma als auch Steve Heintke von der Dekra machten deutlich, dass die Anlage weder zu reparieren noch zu ertüchtigen sei. „Hier ist eine komplette Erneuerung erforderlich.“ Die Elektrik entspreche dem Stand von 1962, „und vieles, was wir hier gefunden haben, würde niemand bei sich zu Hause dulden“. Weshalb sich auch Patrick Puhl, Amtsleiter des Bauaufsichtsamtes des Landkreises Leipzig, für eine Notauslagerung aussprach.

Etliche Untersuchungen bescheinigen der Schule in Deutzen erhebliche Mängel bei der elektrischen Anlage. Quelle: Julia Tonne

Den Beschlüssen ging eine Diskussion voraus, die gespickt war mit Vorwürfen, Schuldzuweisungen, Kritik und vor allem vielen Emotionen. Eltern und auch Gemeinderätin Nicole Wuttig (Bürger für Deutzen) warfen der Gemeindeverwaltung vor, die Schule auf jeden Fall endgültig schließen zu wollen. Und obwohl selbst Jörg Heynoldt vom Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) mehrmals während der Sitzung betonte, der Standort für die Grundschule in Deutzen sei im Schulnetzplan verzeichnet und damit „unstrittig sicher“, blieb Wuttig bei ihrer Meinung. „Die Gemeinde hat bislang nichts getan, um eine Schließung zu verhindern“, sagte sie, sichtlich um Fassung bemüht.

Verwaltung ist mit keinem anderen Thema beschäftigt

Bürgermeister Thomas Hellriegel (CDU) fand gegen diesen Vorwurf deutliche Worte. Seit Wochen sei die Verwaltung mit keinem anderen Thema beschäftigt, habe es Termine in Dresden beim Kultusministerium gegeben, lange Gespräche mit der Dekra, mit der Elektrofirma, den Eltern und dem Lasub. Und das alles, um die Schule zu erhalten.

Kritik an der Kommune kam auch von der früheren Schulleiterin Renate Blonski. Sie vermisste das Engagement der Gemeinde, den Erhalt der Schule voranzutreiben, und bemängelte das „Wischiwaschi“ bei den Diskussionen. Zudem hätte es von Seiten des Landkreises Soforthilfen geben müssen, als klar war, dass die Mängel an der Elektrik so gravierend sind, dass ein Schulbetrieb im Gebäude nicht gefahrlos möglich ist. „Wo blieben die Hilfen, um Leib und Leben zu schützen“, fragte sie.

Notauslagerung soll zeitlich begrenzt werden

Auch diesen Vorwurf ließ Hellriegel nicht auf sich sitzen und verwies auf das TÜV-Prüfprotokoll 2009, das der Schule schon vor zehn Jahren erhebliche sicherheitstechnische Mängel bescheinigte. „Und zu dieser Zeit, Frau Blonski, waren Sie Schulleiterin. Ich erinnere nur: ,Leib und Leben’.“ Dem Bürgermeister sprang Gemeinderat Jens Buder (Bürger für Deutzen) zur Seite. Es könne nicht sein, dass die Gemeinde Neukieritzsch für das ganze Dilemma verantwortlich gemacht wird. Der schwarze Peter gehe vor allem an das Land. Weshalb Buder von Heynoldt forderte, die erforderlichen Schülerzahlen für den Erhalt einer Schule im Falle Deutzen künftig außer Acht zu lassen und darauf zu drängen, dass im Dorf so schnell wie möglich eine Lösung gefunden wird.

Die elektrische Anlage der Grundschule Deutzen ist in einem desolaten Zustand. Quelle: André Neumann

Denn was nicht nur Eltern, sondern auch einige Gemeinderäte befürchten, ist, dass die Notauslagerung eine schleichende Schließung ist. „Selbst wenn die Deutzener Grundschule in Neukieritzsch eigenständig bleibt, aber nicht klar ist, wie es weitergeht, könnten einige Eltern gleich auf Nummer sicher gehen und ihre Kinder dann an der Grundschule Neukieritzsch anmelden“, gab Sebastian Ludwig (Freie Wählergemeinschaft Neukieritzsch Sport) zu bedenken. Er sprach sich daher dafür aus, die Notauslagerung zeitlich zu begrenzen. Sein Vorschlag von einem Jahr aber wurde abgelehnt. „Das ist utopisch, in dem Zeitraum eine Lösung zu finden“, machte Hellriegel deutlich.

Neubau kostet rund 5 Millionen Euro, Sanierung etwa 500 000 Euro

Zur Sprache kamen am Dienstagabend zudem noch mehrere Varianten, wie es denn in Deutzen nun weitergehen soll. Neubau oder komplette Sanierung der Elektrik? Egal, was letztlich umgesetzt wird: Beides braucht Zeit. Ein Neubau sicherlich noch länger. „Denn die Chancen auf Fördermittel gibt es frühestens erst im Jahr 2021“, sagte Heynoldt. Kurzfristig seien alle Anträge überzeichnet, heißt: Die Anträge übersteigen die zur Verfügung stehenden Fördermittel. Zudem würde ein Neubau laut erster Berechnungen durch die Verwaltung mit rund fünf Millionen Euro zu Buche schlagen.

Für die Erneuerung der Elektrik im gesamten Schulgebäude rechnen sowohl Sachverständige von Landmann und Dekra als auch die Verwaltung mit rund einer halben Million Euro. Würde dann noch die von den Eltern bislang favorisierte Container-Lösung (statt Notauslagerung) bis zum Sanierungsende hinzukommen, würde sich die Gesamtsumme dann schon auf mehr als eine Million Euro belaufen. Eines betonte Hellriegel: „Wir müssen so schnell wie möglich alles daran setzen, um eine Beschulung in Deutzen wieder möglich zu machen.“

Claus Bruncke (CDU) gab nach dem Abend sowohl dem alten als auch dem neuen Gemeinderat einen wichtigen Rat mit auf den Weg. „Bringen Sie keine emotionalen Argumente, sondern sachliche. Und beschäftigen Sie sich bitte vorab mit gesetzlichen Vorgaben.“

Von Julia Tonne

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