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Borna Deutzener Schulkinder müssen nach Neukieritzsch
Region Borna Deutzener Schulkinder müssen nach Neukieritzsch
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15:39 13.06.2019
Fassungslos und empört nehmen die Eltern die Ankündigung zur Kenntnis, dass ihre Kinder zur Schule nach Neukieritzsch sollen. Quelle: André Neumann
Neukieritzsch/Deutzen

Das Gebäude der Grundschule in Deutzen wird nach den Sommerferien wegen offenbar schwerwiegender Mängel an der elektrischen Anlage vorläufig nicht mehr betrieben. Die Schule soll stattdessen als eigenständige Grundschule „4 Jahreszeiten“ in das dritte Geschoss der Grundschule in Neukieritzsch einziehen. Das teilte die Gemeindeverwaltung knapp hundert Eltern von jetzigen und künftigen Schülern am Mittwochabend auf einem Elternabend in einem Flur des Schulhauses mit.

In Neukieritzsch soll demnach das in Deutzen seit 2016 verfolgte Konzept des jahrgangsübergreifenden Lernens fortgeführt werden. Das Obergeschoss der Neukieritzscher Schule war erst im vorigen Jahr für den Hort umgebaut worden, jetzt soll es dort eine Doppelnutzung von Hort und Schule geben.

„Wir schließen Ihre Schule nicht, die Schule zieht nach Neukieritzsch um“, fasste Bürgermeister Thomas Hellriegel (CDU) die mit dem Landratsamt und der Schulbehörde in den vergangenen Wochen abgesprochene Lösung zusammen. Die Deutzener Schulleiterin Silke Schröder bezeichnete das als „Notauslagerung“.

Beim Elternabend wurde den Deutzener Eltern erklärt, dass ihre Kinder nach Neukieritzsch müssen

Aufgeheizte Atmosphäre und Ablehnung

Die versammelte Elternschaft reagierte in einer von Anfang an aufgeheizten Atmosphäre empört und mit Ablehnung. Zwischenrufe, Beschimpfungen, heftige Wortwechsel, Vorwürfe und sogar Beleidigungen machten über weite Strecken den Ton der Veranstaltung aus.

Die Gemeinde hatte Ende 2018 eine Überprüfung der festen Elektroinstallation in Auftrag gegeben. Die fand erst im Februar statt. Anfang Mai, so sagte es Bauamtsleiter René Hertzsch, erhielt die Gemeinde das Prüfprotokoll mit einer Vielzahl von schwerwiegenden Mängeln, „was uns überrascht hat.“ Die seien so gravierend, dass „wir hier mit der Sicherheit der Kinder nicht spielen dürfen“, sagte Hertzsch.

Bürgermeister Hellriegel nannte das Fazit daraus: „Das Gebäude ist nicht geeignet, Ihre Kinder über das Schuljahr 2018/19 hinaus zu beschulen.“

Unverständnis zur Interimslösung bis Schuljahresende

Was Eltern unmittelbar fragen ließ, wieso die Kinder dann noch bis Schuljahresende hier bleiben könnten. Die Erklärung, es seien einige Vorkehrungen getroffen, einige Bereiche abgeschaltet worden, wurde kaum akzeptiert.

Wie die Eltern auch generell deutlich machten, dass sie ihre Kinder nicht nach Neukieritzsch schicken wollen. Die Entgegnung des Bürgermeisters, es gebe keine andere Lösung, wurde ebenfalls nicht akzeptiert. Auf die Frage nach einer Containerlösung erklärte Hellriegel, es seien zurzeit keine zu bekommen. Was wenig später einmal mehr für lautstarke Empörung sorgte, als zwei Container als Übergangslösung für eine Hortbetreuung im Deutzener Kindergarten angekündigt wurden.

Nicole Escher vom Elternrat kündigt an, dass Eltern sich selbst nach Möglichkeiten für übergangsweise Container umschauen würden.

Elternrat fühlt sich von der Verwaltung übergangen

Mehrere Redner, darunter Uwe Hinz und Elternratsvorsitzende Jana Pfaff, machten deutlich, dass sich die Eltern von der Verwaltung übergangen fühlen. Das war der zweite große Vorwurf des Abends, welcher mit Geschrei, hämischem Gelächter und persönlichen Angriffe zeitweilig aus dem Ruder zu laufen drohte.

Die Eltern wollen um ihre Schule kämpfen, dieses Banner in Deutzen weist schon darauf hin. Quelle: André Neumann

„Wir wollen keine vorgefertigte Lösung haben“, sagte Uwe Hinz unter Applaus. Elternratsvorsitzende Jana Pfaff kritisierte, dass die Eltern vor vollendete Tatsachen gestellt würden. Die präsentierte Lösung liege im Interesse von keinem der Eltern.

Wie es für die Kinder und Eltern im kommenden Schuljahr weiter geht, konnte Thomas Hellriegel nur andeuten. Einerseits, weil er Mühe hatte, sich vor dem aufgebrachten Publikum Gehör zu verschaffen. Andererseits, weil vieles offenbar noch nicht abschließend geklärt ist.

Kinder sollen mit einem Bus vom Frühhort nach Neukieritzsch kommen

Demnach sollen die Kinder im Deutzener Kindergarten im Frühhort betreut und dann von einem Bus zum Unterricht nach Neukieritzsch gebracht werden. Nach dem Unterricht und dem Mittagessen bringt sie ein Bus wieder nach Deutzen, so der Plan. Hellriegel räumte an dieser Stelle ein: „Es ist noch nicht alles rund, es sind noch nicht alle Genehmigungen erteilt worden.“

Immerhin, das kündigte Ines Lüpfert an, die zweite Beigeordnete im Landkreis Leipzig, sollen den Eltern für diesen Bustransfer keine Kosten entstehen.

Zukunft des Schulgebäudes in Deutzen ungewiss

Offen blieb an dem hitzigen Abend, was aus dem Schulgebäude in Deutzen werden soll. Darüber müsse der Gemeinderat befinden, hieß es seitens der Verwaltung. Das war auch schon gesagt worden, als die Eltern im März über Naphtalin-Ausdünstungen informiert worden waren, worauf ein Umzug innerhalb des Gebäudes folgte.

Auf den Vorwurf von Sylvette Hinz vom Elternrat an den Bürgermeister, er habe das Schulgebäude schon immer für zu groß gehalten, sagte der, er stehe zu den drei Neukieritzscher Schulstandorten. Ines Lüpfert versicherte aus Sicht des Landkreises: „Der Schulstandort steht nicht in Frage“.

Nach fast drei Stunden hitziger Debatten kündigte Sylvette Hinz bezüglich des Umzuges nach Neukieritzsch an: „Wir werden das nicht hinnehmen!“ Man wolle bis an die „höchste Stelle gehen, demonstrieren und zeigen, „dass uns das hier ernst ist.“

Nicht alle Besucher werden in die Schule gelassen

Zum Beweis versammelte sich ein großer Teil der Eltern nach dem offiziellen Ende in einem anderen Teil des Schulflures, wo offenbar Pläne besprochen wurden.

Die Verwaltung hatte eigentlich nur Eltern von jetzigen und künftigen Kindern und Gemeinderäte eingeladen. Mehrere andere, darunter die ehemalige Schulleiterin Renate Blonski, eine weitere ehemalige Lehrerin und einige andere hatten doch Einlass gefunden. Der einzige, der tatsächlich abgewiesen wurde und traurig vor der Tür saß, war Ortschronist Werner Wehefritz. Das sorgte beim Bekanntwerden im Schulhaus zusätzlich für viel Empörung und Unverständnis.

Hier lesen Sie den Kommentar des Autors zum Beitrag.

Von André Neumann

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