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Borna Die Geschichte des Harmoniumbaus in Borna
Region Borna Die Geschichte des Harmoniumbaus in Borna
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09:08 03.07.2019
Almut Zimmermann und Thomas Bergner bereiten die Ausstellung über 125 Jahre Harmoniumbau in Borna im Museum vor. Quelle: Nikos Natsidis
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Borna

Dass Borna mehr zu bieten hat als Zwiebeln und Kohle, dürfte interessierten Zeitgenossen längst klar sein. Speziell in Sachen Musikinstrumentenbau war die Stadt über Jahrzehnte eine feste Größe. Darum geht es auch in der neuen Ausstellung im Bornaer Museum mit dem Titel „125 Jahre Harmoniumbau Olof Lindholm“, die am Mittwoch, 17 Uhr, offiziell eröffnet wird.

Von Borna nach Brasilien

Es dürfte wenig Länder auf der Erde geben, in denen sich nicht irgendwo ein Harmonium oder auch ein Cemballo aus Bornaer Produktion findet. Das macht Almut Zimmermann, diplomierte Museologin, klar. Sie hat die Ausstellung über mehr als ein Jahrhundert Musikinstrumentenbau-Geschichte konzipiert. Zutage gefördert hat sie dabei auch Luftpostbriefe, die von der Verbreitung der Bornaer Instrumente in aller Welt künden. „Die Instrumente gingen nach Südafrika, Nicaragua und den Kongo.“ Oder nach Brasilien und Finnland. Zur DDR-Zeit auch in die Sowjetunion. Die weltweite Kundenschar zeugt in jedem Fall von der Qualität der Instrumente, die in der Breiten Straße in Borna hergestellt wurden.

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Almut Zimmermann und Thomas Bergner bereiten die Ausstellung über 125 Jahre Harmoniumbau in Borna im Museum vor. Quelle: Nikos Natsidis

Harmoniumproduktion in Borna seit 1894

Begonnen hatte es mit dem Schweden Olof Lindholm, der im Jahr 1894 mit der Produktion von Harmonien begann. 17 Jahre später übernahm der Klavier- und Harmoniumbauer Gustav Weischet die Lindholmsche Fabrik, behielt aber den eingeführten Namen bei. In der Ausstellung im Museum sehen die Besucher eine Werkbank und einen Werkzeugschrank aus den Zeiten Weischetscher Produktion und selbstverständlich eine Reihe von Instrumenten. Einige davon sind schon lange im Bestand des Museums. Der besondere Reiz der Schau aber besteht darin, „dass wir auf das Archiv der Firma Weischet zurückgreifen können“, wie Museologin Zimmermann sagt.

Prospekte im Museum am Bornaer Reichstor

Möglich wird das durch eine Schenkung von Tobias Weischet. Der Enkel von Firmengründer Gustav Weischet überlässt dem Museum am Reichstor jede Menge Schriftgut. Dazu zählen Werbekataloge und Prospekte, aber auch Jubiläumsschriften oder Gratulationen anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Unternehmens im Jahr 1951. Oder die Offerte einer Leipziger Firma, für sämtliche Mitarbeiter Pelzmützen herzustellen.

Materialprobleme in Borna

Zu sehen sind auch technische Zeichnungen und Patentschriften. Schließlich stammen von den Harmoniumbauern in der Breiten Straße diverse Erfindungen wie etwa ein Windgebläse. Beleuchtet werden auch die Schwierigkeiten, die das Unternehmen spätestens nach der Verstaatlichung im Jahr 1972 bekam, als vor allem Spinette und Cembali hergestellt wurden. Lindholm/Weischet hatte wie die meisten Betriebe zur DDR-Zeit mit Materialproblemen zu kämpfen. Und so geht aus den Unterlagen hervor, dass die Instrumentenbauer mit dem ihnen zugeteilten Nussbaumfurnier, das sie statt Eiche verwenden sollten, eben nicht die staatlichen Vorgaben erfüllen konnten. Ganz abgesehen davon, dass in den 70er-Jahren die Zeiten begannen, in denen die richtige politische Gesinnung im Zweifel wichtiger war als die berufliche Qualifikation des handelnden Personals.

Führung durch Borna am 25. August

Für Almut Zimmermann ist die Ausstellung aber mehr als nur eine Dokumentation des Bornaer Musikinstrumentenbaus. „Die Schau ist auch eine wunderbare Grundlage für Master- oder Facharbeiten“, etwa für Musikwissenschaftler, aber auch für Sozialgeschichtler. Die Ausstellung läuft bis zum 29. September. Am 25. August lädt Gästeführerin Sabine Raabe zu einer Stadtführung zu den einstigen Produktionsstätten der Firma Lindholm ein.

Von Nikos Natsidis

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