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Borna Ein Dorf auf Reisen: Großzössener entdecken gemeinsam das Land
Region Borna Ein Dorf auf Reisen: Großzössener entdecken gemeinsam das Land
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00:18 20.07.2017
Immer fröhlich auf Reisen: Horst Bauer fühlt sich wohl neben den Frauen in der letzten Reihe. Er lässt keine Busfahrt der Neuen Helene aus. Quelle: Andreas Bodenlos
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Neukieritzsch/Großzössen

Ein Dorf geht gemeinsam auf Reisen, und das mittlerweile schon seit sieben Jahren. Angefangen hat alles mit der Gründung des Vereins „Neue Helene“ im Jahr 2009, der sich ums kulturelle Leben in Großzössen kümmern wollte. „Wir haben damals überlegt, was man den Leuten anbieten könnte“, sagt Andreas Bodenlos (41), der Vorsitzende des Vereins. Es sprudelten die Ideen: Das Schlachtfest hat sich bis heute erhalten, ebenso der Helene-Tag. Radtouren hat der Verein nie angeboten. Aber die Busfahrten, die anfangs auf Skepsis stießen, schlugen ein.

Die erste Fahrt führte in der Vorweihnachtszeit 2010 zum berühmten Striezelmarkt nach Dresden. 125 Leute wollten mit. Einer davon war Horst Bauer. „Hier war doch nie was los“, erklärt er rückblickend, warum er damals mitfuhr. Die Reise war so toll, dass er mit einer einzigen Ausnahme nach einem Fahrradunfall an allen Fahrten teilgenommen hat, auch an denen im Frühjahr. Mittlerweile kommen auch seine Tochter und sein Schwiegersohn mit, die bei Groitzsch zu Hause sind.

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Die drei und noch einige andere sorgen regelmäßig für Stimmung im Bus, nicht nur wegen der Hütchen, die sie immer tragen. Horst Bauer selbst hat längst seinen Spitznamen weg. „Er ist der Gigolo der letzten Reihe“, lacht Bodenlos und schaut sich gemeinsam mit dem fröhlichen Rentner Fotos der letzten Fahrten an.

Partner der Neuen Helene ist von Anfang an das Unternehmen Pervenio aus Grimma. Auf den Bus-Anbieter sei man gekommen, weil der als einziger eine wichtige Bedingung erfüllen wollte: Dass die Neue Helene im Bus selbst Getränke verkaufen darf. Und so steigen in Großzössen nicht nur dutzende Menschen in den Bus, es werden auch zwei große Kisten mit kleinen Flaschen verladen: Wasser, Limo und Cola, Bier, Wein und Sekt und kleine Schnäpschen. Auf dass die Busfahrt lustig werde.

Ein Jahr später kam die Frühjahrsfahrt dazu. Auf der wird meist eine Sehenswürdigkeit angesteuert und gemeinsam etwas unternommen. So war man 2011 in der Sektkelterei Freyburg, ein Jahr später im Staatsweingut Schloss Wackerbarth. Ein Bergwerksführung war schon dabei, ebenso eine Schifffahrt auf einen Stausee im Erzgebirge. Die Rückfahrt führt häufig über Hartmannsdorf, denn im dortigen Braugut ist viel Platz für ein großes gemeinsames Abendessen. Weil dort sonnabends immer Tanz ist, wollen dann einige gar nicht nach Hause.

So geht es zu, wenn beim Helene-Tag in Großzössen die Tickets für die nächste Busfahrt verkauft werden. Quelle: Andreas Bodenlos

Noch beliebter als die Frühjahrsfahrten sind aber nach wie vor die Ausflüge in der Vorweihnachtszeit. Auf denen lernten die Großzössener schon viele der schönsten Weihnachtsmärkte in Mitteldeutschland kennen. Nach dem Striezelmarkt besuchten sie Chemnitz (für Helene-Chef Bodenlos bis heute der schönste), Erfurt, die Quedlinburger Höfe, Seifen, Magdeburg und Schneeberg mit der Bergparade. In diesem Jahr wird Weimar angesteuert.

Die Nachfrage ist häufig sogar größer, als die 120 Plätze, die in zwei Bussen zur Verfügung stehen. Deswegen stehen die Großzössener beim Helene-Tag im September Schlange, und die Tickets sind meist gleich ausverkauft. Host Bauer, versichert Andreas Bodenlos, müsse sich natürlich nicht anstellen. Er bekommt seine Karten immer. Und der will dabei bleiben, so lange es geht: „Ich lasse nichts aus“, sagt er.

Von André Neumann

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