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Borna Zof meldet Insolvenz an: Landkreis Leipzig fühlt sich bestätigt
Region Borna Zof meldet Insolvenz an: Landkreis Leipzig fühlt sich bestätigt
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10:37 13.02.2019
Die Karte zeigt die 2018 geplante Aufteilung der Flüchtlingssozialarbeit im Landkreis Leipzig. Für die Lose 1 und 3 hätte der Verein Zof um ein Haar den Zuschlag erhalten. Quelle: Landkreis
Landkreis Leipzig

Es war offenbar doch keine so falsche Entscheidung, den Duisburger Sozialdienstleister Zof nicht längerfristig zu binden. Der Verein musste jetzt in Nordrhein-Westfalen Insolvenz anmelden.

Landkreis Leipzig wollte Millionenauftrag vergeben

Im Vorjahr hatte sich der Verein Zukunftsorientierte Förderung (Zof) bemüht, im Landkreis Leipzig Fuß zu fassen. Zof bewarb sich im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung um die Flüchtlingssozialarbeit in der Region. Nachdem die Duisburger für zwei Bereiche das finanziell beste Angebot abgegeben hatten, war der Landkreis im Oktober drauf und dran, den Zuschlag an Zof zu erteilen. Dabei ging es um ein Gebiet, das im wesentlichen das ehemalige Leipziger Land umfasste, im Norden bis Markranstädt und im Süden bis Geithain reichte. Und es ging um ein Auftragsvolumen von rund einer Million Euro.

Dann jedoch wendete sich das Blatt. Der Landkreis hatte zwar angegeben, sich zu Referenzen erkundigt zu haben. Was den Verantwortlichen aber zu Beginn des Verfahrens entging, waren staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen ein knappes Dutzend Personen im Umfeld des Vereins.

Verein geriet ins Visier der Staatsanwaltschaft

Nach Angaben der Strafverfolger in Duisburg soll Ex-Geschäftsführer Deniz A. rund zwei Millionen Euro veruntreut haben. Zwischenzeitlich saß der Beschuldigte bereits in U-Haft. Unter anderem wirft ihm die Staatsanwaltschaft Duisburg vor, mit der Kreditkarte des Vereins teure Urlaubsreisen, Schmuck und Autos bezahlt zu haben. Noch im Oktober erklärte sein Bruder Bülent A., inzwischen Zof-Chef, gegenüber LVZ, dass man selbst großes Interesse an der Aufklärung der Vorgänge habe. Die Presseberichte würden sich erheblich nachteilig auf laufende Ausschreibungsverfahren auswirken, so der Dienstleister.

Auch Berlin setzte Zof den Stuhl vor die Tür

Das Land Berlin hatte Zof zu diesem Zeitpunkt den Stuhl bereits vor die Tür gesetzt. Mitte Oktober 2018 zog man in der Hauptstadt die Reißleine und beendete die Zusammenarbeit mit den Duisburgern. Dezente Hinweise aus Berlin erreichten schließlich auch die Bornaer Behörde, die ebenfalls Konsequenzen zog. Statt den Millionenauftrag an Zof zu vergeben, kündigte der Kreis nun an, die Flüchtlingssozialarbeit im Leipziger Land selbst zu übernehmen.

Zu den schon bekannt gewordenen Ermittlungen waren weitere Unregelmäßigkeiten hinzu gekommen. Wegen der Untreuevorwürfe gegen Ex-Chef Denis A. war dem Verein zeitweilig die Gemeinnützigkeit aberkannt worden. Dies führte zu hohen Steuernachforderungen durch das Finanzamt, die Zof nicht zahlen konnte. Auch Sozialabgaben sollen nicht bezahlt worden sein. Inzwischen hat der Insolvenzverwalter das Sagen. Medienberichten zufolge sind aktuell rund 350 Mitarbeiter in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg von der Vereins-Pleite betroffen.

Flüchtlingssozialarbeit läuft jetzt in Regie des Kreises

Im Landkreis Leipzig läuft die Flüchtlingssozialarbeit seit Jahresanfang rund um Borna in Regie des Landratsamtes. Auf die Frage, ob sich der Kreis durch die Zof-Pleite nachträglich bestätigt fühlt, erklärt Kreissprecherin Brigitte Laux: „Die Entscheidung, die Flüchtlingssozialarbeit durch eigene Beschäftigte des Landratsamtes wahrzunehmen, war schon im Oktober 2018 richtig.“ Inzwischen seien alle Beratungsstellen an den Standorten in Borna, Markranstädt, Böhlen, Rötha, Lobstädt und Colditz am Start. „Die Mitarbeiter sind sicherlich noch in der Einarbeitungsphase“, so Laux, „aber die Beratungen werden gut angenommen.“ An den Standorten in Grimma, Wurzen, Beucha und Naunhof ist neuerdings die Johanniter Unfallhilfe tätig, die die Ausschreibung für sich entschieden hatte.

Von Simone Prenzel

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