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Borna Freie Jugendclubs im Landkreis Leipzig schrumpfen – nun soll Talsohle erreicht sein
Region Borna Freie Jugendclubs im Landkreis Leipzig schrumpfen – nun soll Talsohle erreicht sein
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00:16 06.02.2018
Jugendclub 'Abri' Böhlen des Vereins Familien- und Jugendhilfe in Böhlen. Quelle: Claudia Carell
Landkreis Leipzig

Noch vor zwanzig Jahren hatten viele Dörfer ihren eigenen Jugendclub. Sei es ein selbst bemalter Bauwagen, Keller, Scheune oder zwei Zimmer in einem Haus der Kommune etwas abseits, damit die laute Musik nicht so stört. Ende der 2000er Jahre soll das große Club-Sterben begonnen haben. Genaue Zahlen liegen in der Statistik des Jugendamtes ab 2013 vor. Damals gab es 51, heute nur noch 32 Clubs, also ehrenamtliche Treffs, oft von Jugendlichen selbst- oder mitverwaltet.

Im Wurzener Land und in der Region Grimma sind es jeweils acht, elf gibt es im südlichen Teil des Landkreises und dem Kohrener Land. Dünn sieht es in der Region Borna mit nur einem Club aus. Die Elsteraue und das Partheland haben jeweils zwei Angebote.

Geburtenknick ist vorbei: Zahl der Jugendlichen steigt wieder leicht an

Das Jugendamt des Landkreises erklärt dies vor allem mit Demografie. Auch im Leipziger Land schlug der Geburtenknick zu, die Zahlen haben sich innerhalb weniger Jahre nahezu halbiert. Hinzu kam, dass junge Leute in Scharen wegzogen, weil sie keine Lehrstelle in ihrer Heimat fanden. Gründe seien außerdem die Auflösung von Cliquen, zum Teil durch andere Schulwege. Auch Zerstörung und Brandschäden in Räumlichkeiten, zu hohe Unterhaltungskosten, Probleme mit rechtsorientierten und alkoholisierten Jugendlichen sowie kein Interesse spielten eine Rolle, teilte das Amt auf LVZ-Anfrage mit.

Allerdings sei nun wohl die Talsohle erreicht. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der unter 18-Jährigen hierzulande wieder leicht gestiegen: 2013 waren es 37300 Jugendliche, zwei Jahre später bereits 39100, aktuellere Zahlen liegen derzeit nicht vor. Hinzu kommt, dass immer mehr Schulabgänger hier bleiben, weil die Ausbildungssituation gut ist. Dies macht sich bemerkbar: Es würden sich laut Jugendamt wieder mehr Gruppen zusammen finden und die Kommunen um Unterstützung für Treffs bitten.

26 hauptamtliche und 32 ehrenamtliche Jugendclubs im Landkreis

Das sieht auch Andreas Rauhut vom Kinder- und Jugendring mit Sitz in Bad Lausick so: „Es gibt in mehreren Orten eine erfreuliche Entwicklung.“ Sein Verein sowie das Flexible Jugendmanagement begleiten und unterstützen ehrenamtliche Treffs.

Die sind nicht zu verwechseln mit den hauptamtlich betreuten Jugendeinrichtungen, von denen es im hiesigen Landkreis 26 Häuser für offene Kinder- und Jugendarbeit gibt. Finanziert werden sie vom Freistaat und Landkreis sowie zum Teil von den Kommunen. Die Nutzerzahlen sollen zwischen fünf und 30 Besuchern pro Tag und pro Einrichtung liegen. Von einem Sterben dieser Jugendtreffs kann nicht gesprochen werden, betont die Landkreisverwaltung. Hier gebe es eine konstante Förderung – dieses Jahr ist es eine knappe Million Euro.

Hauptamtliche Treffs sind derzeit also nicht in Gefahr, bei den ehrenamtlichen Clubs ist nach langer Durststrecke wieder Positives zu vermelden. Dabei muss es nicht immer um neue Räumlichkeiten gehen. Der Kinder- und Jugendring setzt auch auf andere Angebote, zum Beispiel eine Skate-Anlage wie in Pegau.

Gewisse Aufsicht in freien Treffs ist sinnvoll

Dennoch: Die Probleme des ländlichen Raums gibt es nach wie vor, sagt Andreas Rauhut. Mit dem Bus kommen die Jugendlichen nachmittags nur selten von A nach B. Deshalb werde versucht, Treffs in Orten anzusiedeln, wo viele Kinder umsteigen.

Auch die Betreuung sei in den freien Clubs oft nicht einfach. Eine gewisse Aufsicht hält er für notwendig, damit die Sache funktioniert. Daher sollte der Freistaat Sachsen seiner Meinung nach nicht an dieser Stelle den Rotstift ansetzen. Die Jugendlichen sollten nicht komplett sich selbst überlassen werden, schon aus alkoholtechnischen Gründen, aber auch wegen einer „menschenfreundlichen Orientierung“. Die Vereinbarung mit dem neuen Ministerpräsidenten Kretzschmar, dass Jugendarbeit im ländlichen Raum gestärkt werden soll, mache Mut. Wichtig findet der Chef des Kinder- und Jugendrings, dass die haupt- und ehrenamtlichen Clubs nicht gegeneinander ausgespielt werden, „das ist keine Konkurrenz“.

Oft ziemlich viel Stress: Freizeitverhalten der Schüler hat sich geändert

Generell habe sich am Freizeitverhalten der Schüler viel geändert. Sie seien oft stark eingebunden, zum einen mit hohen schulischen Anforderungen, zum anderen mit Fußball, Musikschule und Feuerwehr am Nachmittag. Ein Jugendclub mit Eigeninitiative sei eine gute Sache, aber viele junge Menschen haben dafür heute schlichtweg keine Zeit mehr. Wobei Jugendclubs für lebendige Dörfer wichtig sein können. Andreas Rauhut: „Diejenigen, die sich in selbst organisierten Jugendtreffs engagieren, bleiben öfter im Ort und übernehmen später häufig Ämter für die Dorfgemeinschaft.“

Von Claudia Carell

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