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Borna Grimma oder Borna – Ex-Landrat Gey und die Kreisreform
Region Borna Grimma oder Borna – Ex-Landrat Gey und die Kreisreform
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13:04 17.07.2018
Verabschiedung von Landrat Gerhard Gey vor drei Jahren: Da war er die letzten sieben Jahre seiner insgesamt 25 Landratsjahre Kreischef in Borna gewesen. Quelle: Frank Schmidt
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Grimma

Er war am Ende der Sieger. Obwohl ihm selbst der oberste sächsische Parteifreund, der damalige Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) keine ernsthaften Chancen bei der Wahl des Landrates für den neuen Landkreis Leipzig einräumte. Milbradt hatte Gerhard Gey im Vorfeld der Kreisreform vor nunmehr zehn Jahren zweimal zu sich nach Dresden zitiert, weil der, ganz Anwalt des Muldentalkreises und seiner Heimatstadt Grimma, selbstredend gegen den vorgesehenen Kreissitz Borna war. Grimma als Kreissitz war nicht zu halten. Gey aber wurde Landrat des neuen Landkreises und residierte für die restlichen sieben seiner insgesamt 25 Jahre als Landrat in der Bornaer Stauffenbergstraße.

Es hat auch Argumente für Grimma gegeben

Dabei war es aus Grimmaer Sicht überhaupt nicht zu begreifen, dass gerade Borna, Synonym für Kohle nebst all ihren unangenehmen Begleitumständen, Kapitale des neuen Landkreises werden sollte. Gey und seine vielen Mitstreiter im Muldental waren entsetzt darüber, dass der damalige sächsische Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) den Kreissitz-Punkt auf der Landkarte in Borna gemalt hatte. Auch wenn es ihm seinerzeit „nicht in erster Linie um den Kreissitz“ gegangen sei, habe es doch ausreichend Argumente für die „Perle des Muldentals“ gegeben, macht Gey auch zehn Jahre nach der Kreisreform noch deutlich. Etwa die gute Autobahnanbindung. Und Grimma sei damals in jedem Fall die stärkere Kommune gewesen.

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Grimma hat’s nicht geschadet und Borna was gebracht

Andererseits räumt der spätere Bornaer Landrat ein, dass es auch eine andere Sichtweise gegeben habe – die Stärkung der vermeintlich schwächeren Stadt, also Borna. Mittlerweile stehe fest, „dass der Kreissitz Borna etwas gegeben hat“. Die Stadt habe „eine kleine Aufwertung“ erfahren. Und weiter: „Grimma hat der Verlust nicht geschadet.“ Nicht zuletzt deshalb, weil nennenswerte Teile der Landkreisverwaltung nach wie vor an der Mulde sind. Zudem habe das nunmehr einzige Finanzamt im Landkreis in Grimma seinen Sitz. Unterm Strich, sagt der 67-Jährige, der seit drei Jahren im Ruhestand ist, „wurde die Kreissitz-Diskussion damals aufgeblasen“. Spötter jenseits der Grimmaer und Bornaer Gemarkungsgrenzen verlautbarten damals, die K-Frage interessiere ohnehin nur die Bewohner der beiden Kreissitz-Anwärter.

Gerhard Gey jedenfalls fuhr ab dem 1. August 2008, dem Tag, als die Kreisreform in Sachsen praktisch umgesetzt wurde, jeden Morgen von Grimma nach Borna. Und er erlebte, wie zumindest nicht gleich zusammenwachsen wollte, was der Gesetzgeber in seiner Weisheit zusammengefügt hatte. „Im Kreistag gab es Scharmützel.“ Debatten mit einer gewissen Schärfe, wie sie der Landrat aus seinem Muldental so nicht gewöhnt war. In der Verwaltung krachte es bisweilen, weil unterschiedliche Verwaltungsabläufe aufeinanderprallten. Zudem, so Gey, „gab es Querschläger“. Etwa, als der Kreissportbund seinen Sitz von Borna nach Naunhof verlagerte und der Kreisjugendring nach Bad Lausick zog. Dabei seien das Entscheidungen gewesen, an denen er überhaupt keine Aktie hatte.

Die Wunden sind geheilt

Oder die Entscheidung für das neue Berufsschulzentrum Böhlen. Die bedeutete die Schließung der Außenstellen in Regis-Breitingen, Markkleeberg und natürlich Borna. „Eine Sachentscheidung“, sagt Gey, die keineswegs gegen die Kreisstadt gerichtet gewesen sei.

Mittlerweile glaubt Gey, dass die Wunden aus der Zeit vor zehn Jahren geheilt sind. Am Ende habe keiner Schaden genommen. Der Landkreis, den Gey bis 2015 geführt hat, sei gut aufgestellt. Und der studierte Veterinär ist einer von zwei sächsischen Landräten, die vier Wahlen gewonnen haben. Und er konnte sich den Luxus leisten, freiwillig und selbstbestimmt aus dem Amt zu scheiden.

Von Nikos Natsidis