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Borna Groitzsch und Zwenkau wollen ihren Bahnanschluss zurück
Region Borna Groitzsch und Zwenkau wollen ihren Bahnanschluss zurück
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15:22 23.05.2019
Prioritäre Straßenprojekte zur Verbesserung der Erreichbarkeit im Mitteldeutschen Revier. Quelle: Staatskanzlei
Groitzsch

Was bringt der Strukturwandel ? Zweieinhalb Stunden drehte sich die Diskussion am Mittwoch im Groitzscher Ortsteil Großpriesligk um Visionen für die Zeit nach der Kohle. Während Bundeswirtschaftsminister Altmaier am Vormittag in Berlin vor die Presse trat, stellte sich am Abend der sächsische Revierbeauftragte Stephan Rohde den Fragen von rund 50 Bürgern.

Zuvor machte der Groitzscher Stadtchef Maik Kunze (CDU) seine Erwartungshaltung klar: „Es ist die Rede von viel zusätzlichem Geld, da entstehen Begehrlichkeiten und Bäume wachsen in den Himmel.“ Das hält die Schusterstadt freilich nicht davon ab, auch ihre Ideen selbstbewusst in den Ring zu werfen. Eine ihrer wichtigsten Forderungen: die Wiederbelebung der Bahnanbindung, die durch den Bergbau verloren ging. „Konkret fordern wir die Verlängerung der S-Bahn von Gaschwitz über Zwenkau nach Groitzsch, um für Pendler attraktiv zu sein.“ Beide Nachbarstädte hätten sich die Grundstücke der früheren Trasse in weiser Voraussicht gesichert, berichtete Kunze: „Jetzt verläuft dort ein Radweg. Aber wir wollen, dass dort eines Tages wieder Gleise liegen.“

Von Leipzig über Geithain nach Chemnitz

Welche Akteure in den Genuss der Milliarden kommen, wird sich noch entscheiden müssen. Gute Argumente für ihre Projekte führen viele ins Feld. Es sind aber auch die Tage der Strippenzieher, in denen nicht jeder Fortschritt oder Rückschlag an die große Glocke gehängt wird. So macht sich der Landkreis zum Beispiel Hoffnungen, bei der versprochenen Ansiedlung von Bundesbehörden zum Zuge zu kommen. Die Rede ist von einer Außenstelle des Bundesverwaltungsamts, die sich in Borna ansiedeln könnte. „Unser Vorschlag ist im Bundeskanzleramt auf offene Ohren gestoßen“, erklärte Landrat Henry Graichen (CDU) zuversichtlich. Weitere Vorhaben seien die Errichtung eines Wasserstoffzentrums in Grimma, das Wasserstoffzüge auf der Strecke Leipzig-Grimma einschließt, aber auch ein besserer Bahnanschluss von Pegau. Angestrebt werde ebenfalls die Elektrifizierung der Strecke Leipzig-Geithain-Chemnitz.

Straßenprojekte sind ebenso in der Pipeline. In dem Eckpunktepapier, das vom Kabinett am Mittwoch beschlossen wurde, finden sich drei priorisierte Maßnahmen wieder: die Tieferlegung der B2 im Bereich des Markkleeberger Agra-Parks, die Verlegung der B 176 bei Neukieritzsch und das Projekt Milau.

Air Liquid profitiert vom Kraftwerk in Lippendorf

Graichen lobte den Kabinettsbeschluss, wies aber auf viele offene Fragen hin. „Vor allem Unternehmen wie Dow Chemical oder Air Liquid sind eng mit der Kohle verflochten. Air Liquid zum Beispiel als Hersteller von Industriegas könnte an jedem anderen Ort der Welt produzieren. Er tut es derzeit in Lippendorf, weil das benachbarte Kohlekraftwerk für die nötige Netzstabilisierung sorgt.“ Hier gelte es, langfristige Lösungen zu finden.

Wohin das Geld fließt, darüber sollen die Bürger mit entscheiden, kündigte der Revierbeauftragte der Staatsregierung an. „Im Frühjahr 2020 wollen wir als Land erste Förderbescheide vergeben“, sagte Rohde. Bis dahin soll in Sachsen ein großer Beteiligungsprozess ablaufen, den in der hiesigen Region die Metropolregion moderiert. „In Mitteldeutschland wird es mindestens 18 Veranstaltungen geben“, so deren Geschäftsführer Jörn-Heinrich Tobaben. „Die erste wird im Januar in Borna stattfinden.“ Ziel sei, ein Leitbild zu entwickeln, das maßgebend für die abschließende Bewertung der Projektvorschläge sein soll. Nach jetzigem Stand stellt der Bund den Revieren 14 Milliarden Euro für bedeutende Investitionen bereit. Darüber hinaus will er für bis zu 26 Milliarden konkrete eigene Projekte in den Kohleregionen umsetzen. Unterm Strich macht das die 40 Milliarden aus, die der Kohlekompromiss veranschlagt hat.

Was passiert mit Pödelwitz und Obertitz?

Am meisten brennt den Groitzschern derzeit die Zukunft von Pödelwitz und Obertitz unter den Nägeln. Bewohner der beiden Orte drängten bei der Veranstaltung im Großpriesligker Gasthof auf Klarheit, ohne konkrete Antworten zu bekommen. Zumindest Graichen stellte eine baldige Entscheidung in Aussicht. „Ich gehe davon aus, dass wir in Deutschland bis Jahresende für jedes Kraftwerk Klarheit haben, wie lange es noch laufen soll.“ Dann könne auch das Bergbauunternehmen Mibrag seine eventuell angepassten Planungen vorlegen. Bürgermeister Maik Kunze pocht ebenfalls auf baldige Aussagen zur Zukunft der beiden Dörfer, die als einzige in Mitteldeutschland noch der Kohle weichen sollen. „Es macht schon einen Unterschied, ob noch weitere Orte der Stadt Groitzsch für den Tagebau in Anspruch genommen werden oder nicht.“ Sowohl vom Umfang der Inanspruchnahme als aus der Zeitschiene her müssten konkrete Strukturhilfen abgeleitet werden.

Zum nächsten Dialogforum lädt die Staatskanzlei am 12. Juni in Borna ein. Die Veranstaltung findet um 19 Uhr im Bürgerhaus Goldener Stern statt.

Von Simone Prenzel

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