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Borna Groitzscher Denkmalhaus steckt voller Geheimnisse
Region Borna Groitzscher Denkmalhaus steckt voller Geheimnisse
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18:41 09.07.2019
Katrin und Andreas Gottschling stehen in der Terrassentür zum Garten. Noch in diesem Jahr will das Paar hier einziehen. Quelle: Kathrin Haase
Groitzsch

Ein Haus bekommt Patina und eine Seele, wenn hinter jedem Stein, jedem Ziegel und jedem Balken Geschichten stecken. Wie in der Altenburger Straße 13 in Groitzsch. Auf den drei Etagen des Umgebindehauses kann man lesen wie in einem offenen Buch.

Seit einem Jahr sanieren Katrin und Andreas Gottschling das Umgebindehaus in der Altenburger Straße 13 in Groitzsch. Auf den drei Etagen kann man Geschichte lesen wie in einem offenen Buch.

Entstehungsjahr bleibt ein Geheimnis

Sein wahres Alter wird es vermutlich nie preisgeben, denn darüber gibt es keine Aufzeichnungen, und die Jahreszahl 1801 über einem Türsturz deutet mit großer Wahrscheinlichkeit nur auf einen größeren Umbau hin. Für Katrin und Andreas Gottschling machen aber genau diese Rätsel den Reiz ihres Fundstückes aus.

Beste Innenstadtlage und großes Grundstück

Bei einem Spaziergang war das Paar zufällig auf das denkmalgeschützte, etwas verborgen liegende Haus in Groitzsch gestoßen. „Es hat uns nicht mehr losgelassen“, erinnert sich die 51-Jährige an den besonderen Moment, der alles in ihrem Leben verändern sollte. Beste Innenstadtlage, ein 1230 Quadratmeter großes Grundstück mit viel Grün, der Geist der Jahrhunderte – viele Argumente sprachen für das leerstehende Objekt, dessen wahre Schönheit unter Sauerkrautplatten und orangem Putz verborgen lag. „Man konnte seinen Charme nur erahnen“, erinnert sich die Bauherrin.

Über dem Türsturz ist die Jahreszahl 1801 eingraviert. Vermutlich deutet sie aber nur auf einen größeren Umbau hin. Quelle: Kathrin Haase

Fördermittel und Spezialisten im Boot

Fast ein Jahr lang ließen sich die Gottschlings Zeit zum Überlegen, wägten alle Eventualitäten und Möglichkeiten ab und setzten schließlich im Januar 2017 ihre Unterschriften unter den Kaufvertrag mit der Erbengemeinschaft. Das Paar stellte Fördermittelanträge über das europäische Leader-Programm und die Stiftung Umgebindehaus des Landesamtes für Denkmalpflege in Dresden und holte sich darüber hinaus Fachleute ins Boot: die auf historische Gebäude spezialisierte Architektin Steffi Pietsch aus Jonsdorf, den Handwerksbetrieb Thomas Hofmann aus Hohendorf, die Zimmerei Drescher aus Theißen sowie Dachdeckermeister Mike Wolf aus Lucka. Sie sind alle erfahren im Denkmalschutz und beherrschen ihr Handwerk.

Vor ziemlich genau einem Jahr nahm das länderübergreifende Bauprojekt Fahrt auf. „Als erstes haben wir das Dach zur Entlastung abgedeckt, damit die Fachwerksanierung beginnen kann“, erzählt die Hausherrin. Bis heute hat sich auf den drei Etagen schon viel verändert. „Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es hier vor einem Jahr aussah“, überlegt Katrin Gottschling, „man vergisst das alles.“

Ökologisches Baumaterial mit Vorgeschichte

Mittlerweile atmet das Haus sichtbar auf. Auf dem vorderen Dach glänzen schwarzviolette Biberschwänze, die Rückseite zum Garten wird in diesen Tagen in Angriff genommen, da nun die Vorarbeiten dafür abgeschlossen sind. Sowohl die Dachziegel als auch die Innentüren stammen aus Abrisshäusern, erzählt Steffi Pietsch, die viel auf Nachhaltigkeit und ökologisches Baumaterial mit Vorgeschichte setzt.

Diese sogenannten Schößchenfenster (mit dem kleinen in der Mitte) sind typisch für die Zeit des Barock. Im Obergeschoss des Denkmalhauses waren solche Fenster eingebaut. Ein Hinweis auf die Entstehungszeit des Hauses? Quelle: Kathrin Haase

Spezialanfertigungen sind dagegen die Fenster im Erdgeschoss, weil sie in keine DIN-Schablone passten, ebenso die Fenster im Obergeschoss, die an die ehemaligen historischen Schößchenfenster angelehnt sind. Diese sind typisch für die Zeit des Barock (Ende 16. Jahrhunderts bis 1770), sagt Architektin Pietsch. „Ein Hinweis auf die Entstehungszeit des Hauses? Ich weiß es nicht, aber es könnte durchaus sein.“

Rund 100 Quadratmeter Wohnfläche verteilen sich hier auf drei Etagen. Im Erdgeschoss wollen Katrin und Andreas Gottschling ihre Stube einrichten, die Küche, das Gäste-WC sowie den Hauswirtschaftsraum; eine Etage darüber entstehen das Wohn- und Schlafzimmer für die Schwiegermutter sowie das große Bad und im Dachgeschoss das Schlafzimmer des Paares. „Wir werden zu dritt hier leben“, berichtet die 51-Jährige und freut sich schon auf den Umzug. „Eigentlich soll der Christbaum hier stehen“, lacht sie und ergänzt, „das Jahr lassen wir mal offen...“

Blick in die Bohlenstube des Umgebindehauses. Quelle: Kathrin Haase

Zuvor wird aber noch die Bohlenstube eine große Herausforderung für alle Beteiligten, sie ist sozusagen der Herzstück des Hauses. „Die Decke wird uns viel Mühe kosten“, weiß die Architektin, „das gibt noch ein bisschen action.“ Aber es sei spannend, so tief in die Geschichte des Hauses einzutauchen und ihm Schritt für Schritt wieder Leben einzuhauchen. „Ein richtiges Abenteuer“, findet Katrin Gottschling und strahlt.

Von Kathrin Haase

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