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Borna Groitzscher Fisch-Händlerin Amalie Hutfilz geht in Rente
Region Borna Groitzscher Fisch-Händlerin Amalie Hutfilz geht in Rente
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18:03 18.02.2019
Der letzte Backfisch geht über die Theke: Die Nehmitzerin Amalia Hutfilz reicht ihn Siegfried Salzbrunn in Borna und verabschiedet sich in den Ruhestand. Quelle: Olaf Krenz
Groitzsch/Borna

Der letzte Backfisch ist frittiert und über die Theke gegangen. Die Becher mit Rollmops und Brathering sind leer. „Heute war nur Resteverkauf“, erklärt Amalie Hutfilz am Donnerstag im Verkaufswagen beim Bornaer Markttag, ihrem letzten, kurz vor ihrem Geburtstag.

Die Händlerin schließt aus dem Groitzscher Ortsteil Nehmitz ihre Firma Fisch-Feinkost-Räucherwaren und geht in den Ruhestand. „Mit 73 darf man aufhören“, sagt sie, lächelt und wirkt doch traurig.

Weil damit nach 28 Jahren beendet ist, was für sie längst nicht nur Job, sondern Berufung war. „Klar, es war harte Arbeit“, sagt sie, um sich gleich zu korrigieren: „Früh und abends, auch am Wochenende, war es harte Arbeit. Aber das Verkaufen war ein Vergnügen für mich.“ Ging es ihr doch nicht nur um den reinen Vorgang Ware gegen Geld. Da gehörte immer auch ein freundliches Wort für ihre Kunden dazu, häufig gar ein Schwätzchen.

Kunden werden Fischhändlerin Amalie Hutfilz fehlen

Viele waren Stammkunden, kamen seit Jahren. Weil der Fisch von guter Qualität war und weil die sympathische und kontaktfreudige Verkäuferin es ehrlich meinte. „Die Leute vom Betreuten Wohnen hier in Marktnähe kommen immer noch her – zum Quatschen. Wir haben an unserem Hänger ja sogar schon ältere Herrschaften vermittelt“, meint Hutfilz schmunzelnd.

Das werde ihr fehlen. Und sie wird ihren Kunden fehlen. „Alle, die gut schmecken, hauen ab“, sagt eine Frau enttäuscht, wenn auch sprachlich nicht ganz korrekt. Brunhild Ritter, die jahrelang ihren Fisch hier am Wagen kaufte, überreicht sogar eine Rose zum Abschied. „Und in Altenburg, wo ich gestern war“, so Hutfilz, „haben die Leute gesagt, sie machen eine Demo.“ Aber auch die hätte die Händlerin nicht umstimmen können. „Ich wollte ja schon mit 65 Schluss machen, habe mich dann aber Jahr für Jahr überreden lassen.“

Fischhändlerin Amalie Hutfilz aus dem Groitzscher Ortsteil Nehmitz (r.) geht in den Ruhestand. Brunhild Ritter, eine langjährige Kundin in Borna, überreicht zum Abschied eine Rose. Quelle: Olaf Krenz

Bei Wind und Wetter war Hutfilz auf den Plätzen unterwegs

Inzwischen drücken auch gesundheitliche Probleme, sagt Ehemann Werner, der immer dabei ist, sich im Hintergrund hält. „Bis zu zehn Stunden Stehen sind ja nicht ohne.“ Bei Wind und Wetter auf den Plätzen, wenn auch nicht ganz im Freien. „In Borna waren es schon mal minus 15 Grad“, wirf Amalie ein. „Da bist du nicht erkältet, brauchst keinen Doktor.“ Aber es geht nun an die Substanz.

Die gebürtige Luckaerin hatte Rinderzüchterin mit Abitur gelernt und sich zur Veterinärtechnikerin und Diplom-Landwirtin qualifiziert. Mit der Wende suchte sie neue Aufgaben, fand zunächst ihren späteren Mann Werner, der aus der Stralsunder Gegend stammt, und dann „Fisch“. In Nürnberg ließ sie sich ins Händler- und Verkäuferdasein einweisen, ehe sie – wieder in der Heimat – die Märkte stürmte. Lange Zeit in rollender Woche, wegen der Feste an den Wochenenden. „Da hatten wir auch mal vier Mitarbeiter und drei Fahrzeuge“, erinnert Amalia Hutfilz.

Hutfilz war in Borna, Altenburg, Meuselwitz und Frohburg unterwegs

Zuletzt waren sie von Dienstag bis Freitag im Einsatz, in Borna, Altenburg, Meuselwitz und Frohburg. Gegen fünf Uhr morgens ging es los mit dem Vorbereiten, abends musste alles wieder hergerichtet werden. Montags wurde die Ware selbst aus Bremerhaven geholt, „ein breites Angebot, keine Einheitsware“, und im eigenen Kühl- und Gefrierhaus verstaut.

„Da muss alles funktionieren, einer hat das Sagen“, meint sie. Sie kann also auch energisch, die freundliche Frau. „Na ja, früher habe ich die Leute bei der Arbeit kontrolliert, das hängt einem immer an.“ Was Werner bestätigt: „Das hat sie zu Hause fortgeführt.“ Beide lächeln.

Die Kinder wollten das Geschäft nicht übernehmen. Auch über die Industrie- und Handelskammer fand sich kein Interessent. „Mal sehen, ob wir alles verkaufen können“, sagt sie. Die Abwicklung wird noch einige Zeit dauern. Dann kann sie ihre Heimat genießen: „Zu Hause ist es am schönsten.“

Von Olaf Krenz

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