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Borna Groitzscher Pfarrerin Friederike Kaltofen: „Kirche soll wieder mehr im Gespräch sein“
Region Borna Groitzscher Pfarrerin Friederike Kaltofen: „Kirche soll wieder mehr im Gespräch sein“
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00:19 13.12.2017
Pfarrerin Friederike Kaltofen wurde in der Frauenkirche Groitzsch ins Amt eingeführt – im Bild Superintendent Matthias Weissmann (l.) und Pfarrer Torsten Reiprich.
Pfarrerin Friederike Kaltofen wurde in der Frauenkirche Groitzsch ins Amt eingeführt – im Bild Superintendent Matthias Weissmann (l.) und Pfarrer Torsten Reiprich. Quelle: Foto: Jens Paul Taubert
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Groitzsch

Es soll eine Beziehung auf Dauer sein. Schon die Probezeit war drei Jahre lang. Am Sonntag wurde Pfarrerin Friederike Kaltofen von Superintendent Matthias Weismann in der Groitzscher Frauenkirche offiziell in ihr Amt eingeführt.

„Wir, das Kirchspiel und ich, haben uns diesmal bewusst füreinander entschieden“, sagt die 35-Jährige. 2014 habe das Landeskirchenamt sie nach Groitzsch geschickt, wo sie als Pfarrerin zur Anstellung (Probe) ordiniert wurde. „Wir haben uns in der Zeit gut arrangiert. Die Menschen haben es mir einfach gemacht, mich einzuleben. Ich fühle mich hier wohl. Deshalb war es keine Frage, dass ich mich hier bewerbe.“ Das Kirchspiel mit den drei Gemeinden Groitzsch mit Pödelwitz sowie Auligk-Gatzen-Michelwitz und Audigast sagte Ja. „Nach drei Jahren weiß man, worauf man sich einlässt, auf beiden Seiten“, findet Kaltofen.

Sie stammt aus Leipzig. Zunächst schloss sie ein Studium an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in den Fächern Klavier und Komposition ab. „Mit 25 Jahren habe ich mich aber gefragt, ob ich nur Pianistin sein will. Wegen des Übens ist man da viel allein. Ich wollte jedoch mit Menschen arbeiten.“ Die Musik habe ganz nah mit dem Glauben zu tun, zu dem sie früh ein inneres Verhältnis hatte. Sie kommt aus einem christlichen Elternhaus, der Großvater war Pfarrer im Erzgebirge. „Dort habe ich schon als Kind häufig Kirchenführungen gemacht, wenn er beschäftigt war“, erzählt sie schmunzelnd. Also begann sie 2007 ein Theologiestudium. Die vorherige musikalische Ausbildung hilft ihr bei der Arbeit: „Das ist praktisch.“

Im Kirchspiel gibt es „unglaublich viel Engagement und Einsatz“, sagt die junge Frau, die mit einem Musiker, einem Geiger, verheiratet ist. „Die Leute stemmen auch einen großen Teil des kulturellen Lebens in ihren Orten. Das schätze ich sehr.“ Die Zusammenarbeit mit der Stadt und den Vereinen funktioniere gut. „Das ist wichtig, weil überall der Schwund an Menschen zu spüren ist.“

Aufgaben und Wünsche sieht sie einige. „Es wäre schön, wenn wir es schaffen, als Kirche wieder mehr im Gespräch zu sein, wenn die Gemeinde vielleicht sogar wächst.“ Der neue Kinderchor sei ein Anfang. Ein Sorgenkind sei Pödelwitz. „Einstimmig stehen Kirchenvorstand und Pfarrerin an der Seite der Bewohner. Wir kämpfen mit gegen eine mögliche Ab­baggerung und zeigen Präsenz.“ In Audigast sollen Uhr und Glocken, in Michelwitz die Uhr erneuert werden. Ein Problem sei, Friedhöfe und Gemeindehäuser in gutem Zustand zu halten.

Für Hobbys bleibe kaum Zeit. Ab und zu spielt Friederike Kaltofen Klavier, zu Hause und im Trio „Bachalaurus“. Sie ist begeisterter Fußball-Fan, ohne Lieblingsverein, schaut im Fernsehen und im Stadion. „Mir ge­fällt das Spiel, die Taktik. Klar kenne ich die Regeln.“ Und sie mag einen guten Schluck Whisky. „Wenn etwas geschafft ist, schmeckt der prima.“

Von Olaf Krenz