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Borna Großdeubener Schüler gedenken Opfer rechter Gewalt
Region Borna Großdeubener Schüler gedenken Opfer rechter Gewalt
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19:50 08.07.2019
Aline Pohl, Susann Eube, Dietmar Berndt und Vera Stein bestücken den Schaukasten mit dem Plakat. Quelle: Julia Tonne
Böhlen/Markkleeberg

Nuno Lourenço wurde gerade einmal 49 Jahre alt. Der Tag seines Geburtstags, der 4. Juli 1998, wurde zugleich der Tag, der seinen Tod besiegelte. Acht Neonazis hatten den portugiesischen Zimmermann so schwer verprügelt, dass er einige Monate später an den Spätfolgen starb. Schüler des Gymnasiums Lernwelten aus dem Böhlener Stadtteil Großdeuben haben jetzt, anlässlich des 21. Jahrestags, dem Opfer rechter Gewalt am Ort des Geschehens gedacht und in Erinnerung gerufen, was in jener Nacht am Bahnhof in Gaschwitz geschah.

„Wir fordern Gerechtigkeit für Opfer rechter Gewalt“, sagte ein Schüler, der an dem Projekt beteiligt war. Um wenigstens ein Stück Gerechtigkeit zu schaffen, sei es wichtig, an Nuno Lourenço und dessen Schicksal zu erinnern. „Wir verstehen unter Gerechtigkeit nicht, Rache zu üben“, ergänzte eine Schülerin, „wir verstehen darunter Erinnerung und Gedenken.“ Deshalb sei in den vergangenen Monaten neben Stickern auch ein Plakat entstanden, das künftig im Schaukasten am Gaschwitzer Bahnhof an den Ermordeten erinnern solle.

Nuno Lourenço wird 1998 von acht Neonazis brutal verprügelt

Lehrerin Aline Pohl hatte auf das Schicksal des Portugiesen aufmerksam gemacht und beschloss zusammen mit den Jugendlichen, das Geschehen aufzuarbeiten und dafür zu sorgen, dass dieses nicht in Vergessenheit gerät. „Denn wenn wir wegschauen, geben wir Diskriminierung, Rassismus und Sexismus zu viel Raum“, machte ein Gymnasiast deutlich. Unterstützung für das Projekt kam vom Historiker Martin Baumert und vom Künstler Martin Haufe.

Das von den Großdeubener Schülern gestaltete Plakat erinnert ab sofort am Bahnhof Gaschwitz an Nuno Lourenço. Quelle: Julia Tonne

Es war der 4. Juli 1998, als Deutschland bei der Fußball-WM gegen Kroatien verlor und damit aus der WM ausschied. Acht Jugendliche beschlossen daraufhin, sich an Ausländern zu rächen. Auf dem Weg nach Böhlen begegneten sie fünf portugiesischen Gastarbeitern und griffen sie brutal an. Vier von ihnen konnten fliehen, nur Nuno Lourenço nicht. Er telefonierte gerade von einer Telefonzelle aus mit seiner Frau. Mit Eisenketten zogen die Neonazis Nuno heraus und traten immer wieder auf ihn ein. „Der Haupttäter sagte später im Gericht aus, er habe es mehrmals knacken gehört und trotzdem weitergemacht“, haben die Schüler des freien Gymnasiums recherchiert. Im Dezember starb Nuno an den Folgen. Die Strafen für die Täter sprachen für sich: Sieben von ihnen wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt, der Haupttäter, der zur Tatzeit 21-jährige Andreas Sch. aus Böhlen, bekam vier Jahre.

Ahnungslosigkeit in Gaschwitz irritiert Schüler

„Zivilgesellschaftliche Initiativen wie das Projekt des Gymnasiums sind wichtige Signale an Betroffene, dass die Gewalt verurteilt wird“, erklärte Lars Lichtermann von der Amadeu Antonio Stiftung aus Leipzig. Eine Stiftung, die die demokratische Zivilgesellschaft stärkt und sich damit konsequent gegen jede Form von Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet.

Lob für das Projekt der Schüler kam von vielen Seiten – von Markkleebergs Quartiersmanagerin Vera Stein, der Gleichstellungsbeauftragten Susann Eube und von Böhlens Bürgermeister Dietmar Berndt. Sie alle können sich vorstellen, dass aus dem Gedenken am Donnerstag eine jährliche Gedenkveranstaltung wird.

Trotz zahlreicher Einladungen kamen viele Angesprochene nicht, unter anderem der Ortschaftsrat. „Vielleicht holt er das ja nach, wenn wir nächstes Jahr wieder hierher einladen, um an Nuno Lourenço zu erinnern“, sagte eine Schülerin. Was sie vor allem irritiert habe, sei die Ahnungslosigkeit in Gaschwitz gewesen.

Von Julia Tonne

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