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Borna Grüne Kunst aus Elstertrebnitz – Smart, Fahrrad, Abendkleid unter Moos
Region Borna Grüne Kunst aus Elstertrebnitz – Smart, Fahrrad, Abendkleid unter Moos
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19:30 15.06.2019
Der kleine grüne Smart ist bis heute eine Legende in Elstertrebnitz und schaffte es sogar ins Fernsehen. Die Hobbyfloristin Karina Becker-Jaeger hat dafür unzählige Kilo Waldmoos, Grün-, Blüh- und würzige Kräuterpflanzen verwendet. Der kleine Straßenflitzer steht bis heute im Garten der Familie im Ortsteil Trautzschen. Quelle: privat
Elstertrebnitz

Ihre Kunstwerke sind so vergänglich wie der Frühling und der Sommer – und genauso schön. Karina Becker-Jaeger (49) arbeitet gern mit frischen Blumen und Pflanzen, wenn sie ihre grünen Ideen umsetzt: Hortensien, Rosen, Immergrün, Moos, Efeu, Tannenzweige und Küchenkräuter wie Thymian, Minze oder Schnittlauch. „Ich mag es eher unbunt“, lacht die Elstertrebnitzerin und bewegt sich hauptsächlich im Farbmuster Grün, Rosé-Pink und Weiß.

Karina Becker-Jaeger – entwirft schonmal ein Abendkleid aus Tannenzweigen. Quelle: privat

Zweiter Frühling für alte Gegenstände

Ein Fan von Wohn- und Gartenzeitschriften á la „Landlust“ war die Hobbyfloristin schon immer. Beim Anblick der unzähligen Kreativ- und Dekorationsideen fing Karina Becker-Jaeger schnell Feuer und entwickelte selbst den Wunsch, alten Gegenständen zu einem zweiten Frühling zu verhelfen.

Osterbrunnen in Trautzschen gestaltet

Ihr erstes Übungsstück war 2012 ein Herz aus Moos. Es klappte auf Anhieb und war der Beginn einer großen Leidenschaft. Darauf wagte sich die Pflanzenfreundin an den Dorfbrunnen in Trautzschen vis-á-vis ihres Grundstücks. „Ich hatte 15 Jahre in Baden-Württemberg gelebt und von dort den Brauch mitgebracht, die öffentlichen Dorfbrunnen in der Osterzeit zu verzieren“, erläutert sie ihre Beweggründe.

Blühender Smart und grünes Tischgespräch

In den folgenden Jahren wurden die Motive immer ausgefeilter, raffinierter, üppiger: ein Holzfahrrad mit Marktstand, ein begrüntes Tandem, ein grünes Tischgespräch mit Schaufensterpuppe, eine Erntedankkrone, der blühende Smart – und in diesem Jahr nun die „Sitzgelegenheiten im grünen Wohnzimmer“. Dafür verwandelte Karina Becker-Jaeger eine komplette Wohnzimmereinrichtung mit unzähligen Grün-, Blüh- und würzigen Kräuterpflanzen, etlichen Kilos Waldmoos und zehn Quadratmetern Kunstrasen zu einem gemütlichen Open-Air-Zimmer.

Es gibt nichts, was Karina Jaeger-Becker nicht mit Pflanzen umwickeln könnte

Anfassen ausdrücklich erlaubt

Bei aller Mühe: Zu sehen sind diese Schönheiten immer nur einen Tag – jedes Jahr beim Oldtimertreffen in Elstertrebnitz. „Es macht mir Freude, wenn ich sehe, wie sich die Menschen darüber freuen“, sagt die 49-jährige Immobilienfachwirtin. „Das ist es auch, was mich antreibt: Dankbarkeit und Freude weitergeben.“ Sie halte nichts vom alten Museumsprinzip „Anfassen verboten“, eher im Gegenteil: „Anfassen ist ausdrücklich erwünscht. Die Leute dürfen sich trauen, meine Kunstwerke zu berühren, sich hinzusetzen und darüber miteinander ins Gespräch kommen.“

Ideen klingeln an der Haustür

Ideen hat sie schon für die nächsten fünf Jahre im Kopf. „Inspiration erhalte ich durch das tägliche Leben und manchmal klingeln die Ideen einfach so an der Haustür“, lacht sie. „Wenn ich das fertige Bild im Kopf habe, weiß ich auch, dass es klappt.“ Meist beginnt Anfang des Jahres schon die gedankliche Vorarbeit. „Dann freue ich mich, dass nach den Weihnachtsfeiertagen wieder Normalität einzieht und ich gezielt auf das Oldtimertreffen hinarbeiten kann“, sagt die Mutter eines zwölfjährigen Sohnes.

Zutaten aus dem Internet-Flohmarkt

Über einen Internet-Flohmarkt bestellt Karina Becker-Jaeger ihre Zutaten: mal ein Holzfahrrad – das Meisterstück eines Tischlermeisters aus den alten Bundesländern, mal ausrangierte Schaufensterpuppen, Tische, Stühle, ein Kanapee, Schirme, Kerzenständer und andere Dekoartikel. Auch in der Pegauer Trödelscheune wurde sie bereits fündig.

Mit Sprühkleber in die Garagenwerkstatt

Spätestens eine Woche vor Zapfenstreich beginnt die eigentliche Arbeit. Dann verzieht sich die Hobbyfloristin mit Messer, Schere, Sprühkleber und allerlei Werkzeug in die Garagenwerkstatt (“Die Familienautos müssen für ein paar Tage ausziehen“), bindet sich als Ritual zuerst die alte, grüne Schürze um, streift sich neue Handschuhe über und beginnt mit dem Gestalten. Und vergisst darüber die Zeit.

Sitzgelegenheiten im grünen Wohnzimmer - so nannte Karina Becker-Jaeger ihr Kunstwerk in diesem Jahr. Zu sehen war es einen Tag lang beim Oldtimertreffen in Elstertrebnitz. Quelle: privat

„Ich arbeite mit Naturprodukten, das ist die eigentliche Herausforderung“, erklärt die sympathische Frau. „Wenn ich einen schön geschwungenen Tannenzweig sehe und ihn abschneide, kann es sein, dass er auf einmal ganz anders fällt als vorher. Da gibt es schon mal das eine oder andere ernste Gespräch mit dem Zweig...“

Zusammenarbeit mit Pegauer Floristin

Ihre blühenden Zutaten bezieht die kreative Gestalterin im Floristikgeschäft von Ulrike Kröher in Pegau. „Hier bekomme ich auch wertvolle Tipps, wir ergänzen uns prima“, ist Karina Becker-Jaeger dankbar für die gute Zusammenarbeit. Und seit der Entdeckung des Kraftsprühklebers kann die Elstertrebnitzerin so gut wie alles begrünen. „Das ist mein heimliches Wundermittel. Wie sonst hätte ich den Smart mit Kunstrasen dekorieren können?“

Schrott-Auto bis heute eine Legende

Das blühende Mobil hatte es 2016 sogar ins Fernsehen geschafft und ist bis heute in aller Munde. In stundenlanger Kleinarbeit hatte sie das kleine Schrott-Auto in einen regelrechten Wiesenflitzer und mittlerweile in eine Legende verwandelt. „Die Autoverwertung Großkopf aus Groitzsch hatte mich damals sehr unterstützt, das Auto entkernt und entsprechend hergerichtet verkauft.“ Bis heute parkt der Smart auf ihrem Grundstück. „Andere haben Gartenzwerge im Beet stehen und wir eben ein Auto.“

Unterstützung bekommt die 49-Jährige auch von anderen Seiten. „Ohne meine Familie, Freunde und viele fleißige Helfer wären meine grünen Ideen nicht möglich“, sagt sie dankbar. Zwar sei sie eine „Alleinschafferin“ bei der Umsetzung ihrer Ideen, dennoch sei der Transport aus der Garagenwerkstatt und das Aufstellen vor Ort nur mit Unterstützung möglich.

Von Kathrin Haase

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