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Borna Grünen-Politiker sieht Gefahren für Lobstädt
Region Borna Grünen-Politiker sieht Gefahren für Lobstädt
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13:30 09.01.2019
Erfkampf-Gelände in Lobstädt: Vier Firmen inmitten von 5000 Kubikmetern Abfall. Quelle: André Neumann
Neukieritzsch/Lobstädt

Das private Gewerbegebiet an der B 176/Ecke Glück-Auf-Straße in Lobstädt, besser bekannt als Erfkamp-Gelände (der Name steht noch groß auf einem Schornstein), ist nach Einschätzung von Sachsens Umwelt- und Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt ein „ungenehmigtes Abfalllager“. Die Formulierung in der Antwort auf eine kleine Anfrage des grünen Landtagsabgeordneten Volkmar Zschocke würde dieser sofort unterschreiben. Dass das Landratsamt in Lobstädt aber offenbar keinerlei Bedarf zum Einschreiten sieht, wundert den Politiker sehr.

Liste der Abfälle in Lobstädt ist lang

Die Staatsregierung hat Zschocke auf dessen Frage hin eine lange Liste des Abfalls übermittelt, der in Lobstädt lagert. Sechseinhalb Tonnen Wellasbest beziehungsweise Wellzementplatten allein sind schon bedrohlicher Sondermüll genug. Hinzu kommen unter anderem Teerabfälle (15 Kubikmeter), Styropr, Gummireste, Teerabfälle und Ölschlamm, Farbenbehälter, Kunststoffteile, Kunststoffgranulat, zehn Kubikmeter Dämmstoffe, 200 Kubikmeter Altreifen, geschredderte Plaste, Schaumstoffe, Folien.

In Lobstädt fehlt öffentlicher Druck

Kommentar

Wer einen alten Schuppen mit Asbestdach abreißt, kann finanziell schnell in die Bredouille kommen. Das Zeug gilt als gefährlicher Sondermüll, ordnungsgemäßer Abriss und eben solche Entsorgung sind teuer. In Lobstädt lagern mehrere Tonnen davon und von anderen Stoffen ähnlicher Abfallkategorie. Gefahren aber, heißt es seitens der Behörden, gehen davon nicht aus. Obwohl das Areal kaum die Anforderungen erfüllen dürfte, die an eine Sondermülldeponie gestellt werden.

Es ist ja nur ein illegales Abfallager, so die Sprachregelung des Umweltminsteriums.

Nach Rechtslage mag durchaus begründet sein, dass kein Handlungsbedarf besteht. Nach allgemein menschlichem Verständnis scheinen Zweifel, wie sie der Grünen-Politiker Volkmar Zschocke hegt, durchaus angebracht. Wind weht Späne und Fasern von Geschreddertem Material durch die Gegend. Regen spült Brandrückstände aus und versickert als undefinierbare Brühe im Boden oder läuft ab in die Nahe Pleiße. Von den Gefahren bei einem möglichen neuerlichen Brand gar nicht zu reden.

Würden, diese Frage drängt sich auf, die Behörden zur gleichen Gefahreneinschätzung kommen, wenn es einen greifbaren und wirtschaftlich potenten Grundstückseigentümer oder Verursacher gäbe? Die gibt es nicht. Und damit wären in der jetzigen Situation der Aufwand und die Belastung für die öffentliche Hand und damit den Steuerzahler riesig, würde das Landratsamt auf dem Erfkamp-Gelände zur Gefahrenabwehr schreiten.

Was auch zur Gemengelage gehört: Es fehlt an öffentlichem Druck. Gewohnheit oder Resignation scheinen den zu verhindern. Die Lobstädter in der Glück-Auf-Straße leben seit mindestens anderthalb Jahrzehnten mit dem Schandfleck auf der ehemaligen Ziegelei.

a.neumann@lvz.de

Mehr als 40 Positionen umfasst die Liste. Zusammengenommen geht es um 5000 Kubikmeter Müll. Laut Umweltministerium stamme die Aufstellung von Mitarbeitern des Landratsamtes des Landkreises Leipzig, die die Mengen 2014 „im Rahmen einer Anlagenüberwachung“ermittelt haben.

Das war nach dem Großbrand, der im November 2011 auf dem Gelände wütete. Die zurückgebliebenen Brandrückstände blieb das Ministerium in der ersten Antwort an Zschocke noch schuldig. Erst auf Nachfrage hieß es in einer zweiten Antwort: „Die Tabelle ist durch die Angabe zur Abfallart ’Brandrückstände’ und die geschätzte Menge von 800 Kubikmeter zu ergänzen.“

Das Gelände in Lobstädt während des Brandes im Herbst 2011. Quelle: Günther Hunger

Gefahren für Schutzgüter, also für Wasser, Luft und Boden bestünden trotz allem nicht, das betont der Minister in beiden Antworten. Das hätten sowohl eine Untersuchung der Rückstände gleich nach dem Brand als auch eine 2014 von der Gemeinde Neukieritzsch in Auftrag gegebene Bodenuntersuchung ergeben.

Grünen-Politiker befürchtet Gefahr für Anwohner

Volkmar Zschocke zweifelt dennoch: „Auf dem Gelände lagern nach Angaben der Staatsregierung Stoffe wie zum Beispiel Wellasbest, Wellzementplatten, Ölschlämme, Dämmstoffe oder auch leicht entzündliche Abfälle. Ich kann mir daher nicht vorstellen, dass Gefahren für die Anwohnerinnen und Anwohner, für Boden, Luft oder das Wasser hier so ohne Weiteres ausgeschlossen werden können“, sagt der Landtagsabgeordnete.

Nachdem das Ministerium auch auf Zschockes Nachfrage hin Gefahren für Schutzgüter verneint hat, zweifelt der auch am Handlungswillen der Behörden. Er könne nicht erkennen, „ob es bei den Behörden wirklich den Willen gibt, konsequent tätig zu werden“. Karsten Jockisch, Verantwortlich für Brandschutz in der Gemeinde Neukieritzsch, hält die Situation auch aus dieser Blickrichtung für gefährlich. Im Falle eines Brandes, macht er klar, könnten Umweltgefahren drohen.

Offensichtlich keine Beschwerden aus der Region

Das Ministerium teilte Zschocke auch mit, dass in der für Immissionsschutz zuständigen Abteilung des Landratsamtes keine Beschwerden wegen Lärm oder Geruchsbelästigung von Nachbarn vorliegen würden. Für den Politiker von Bündnis 90/Die Grünen ist das allerdings eher ein Hinweis darauf, dass die Leute sich „an den Schandfleck gewöhnt haben beziehungsweise resigniert gewöhnen mussten“. Zudem hätten die Anwohner mit den zunehmenden Verkehrslärm in der Glück-Auf-Straße jetzt andere Sorgen.

Tatsächlich bestehen die Zustände auf dem Gelände nicht erst seit gestern, auch nicht erst seit dem Brand von 2011. Schon im Juni 2006 schätze der damalige Umweltamtsleiter Lutz Bergmann nach Bürgerbeschwerden öffentlich ein, dass auf dem Gelände rund 2500 Tonnen Plasteabfälle lagern. Seitdem hat sich Situation nie gebessert, eher verschlimmert. Das einstige Unternehmen Ökoland und Umwelt Service GmbH gibt es nicht mehr. Noch früher lagerten hier schon alte Reifen.

Anstrengungen der Gemeinde, die Situation mit Hilfe von Fördermitteln und dem Grundstückseigentümer zu entschärfen, misslangen bisher. Stattdessen entwickelte sich das Gelände, auf dem vier Gewerbe offiziell angemeldet sind, offenbar zu einem Hort der Kriminalität.

Nach dem Brand 2011 geriet das Areal nämlich mindestens noch fünfmal ins Visier der Polizei, allein dreimal im vergangenen Jahr. Im April ging es bei einer Durchsuchung zunächst um Diebstahl, danach wurde auch wegen Hehlerei, Waffen und Drogen ermittelt. Der nächste Einsatz der Polizei betraf im August einen Fall von unterlassener Hilfeleistung im Zusammenhang mit einem medizinischen Notfall.

Im November schließlich erfolgte erneut eine Durchsuchung wegen Diebstahls, Hehlerei und Umweltverstößen. Aus all dem zieht Landespolitiker Zschocke den Schluss: „Handlungsbedarf gibt es hier genug.“ Denn das Objekt in der Glück-Auf-Straße 9 sei nicht nur „ein verwahrloster Ort mit einst dort illegal abgelagerten Abfällen“, sondern stehe auch in der Gefahr, sich als Ort für Kriminalität zu entwickeln.

Von André Neumann

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