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Borna Hainer See droht zu versauern – Kalk ist ungefährlich
Region Borna Hainer See droht zu versauern – Kalk ist ungefährlich
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23:31 28.02.2019
Der Hainer See, hier im Bild das sogenannte Haubitzer Becken, muss vermutlich viele Jahre lang neutralisiert werden, weil er sonst versauert. Quelle: André Neumann
Neukieritzsch/Kahnsdorf

Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) will bei der bevorstehenden Bekalkung des Hainer Sees ein Verfahren einsetzen, bei dem auf eine Mischstation am Ufer verzichtet werden kann. Wie LMBV-Sprecherin Maria Lange mitteilt, werde ein Gewässerbehandlungsschiff vom Typ Brahe III eingesetzt.

Auf dem Schiff wird eine dreiprozentige Suspension hergestellt, indem das Kalksteinmehl ins Seewasser gemischt wird. Die Flüssigkeit werde dann ins Gewässer eingespült. Weil das Kalksteinmehl direkt auf dem Schiff lagert, so Lange, könne auf einen Anmischcontainer an Land verzichtet werden.

Bekalkung des Hainer Sees und anderer Bergbauseen im Südraum Leipzig erforderlich

Wie berichtet ist die Bekalkung des Hainer Sees wie auch anderer Bergbauseen im Südraum Leipzig erforderlich, weil deren Wasser nach dem Ende der Flutung erneut versauert. Dieser Prozess wird voraussichtlich noch viele Jahre, möglicherweise sogar über Generationen hinweg andauern. Lange sagt dazu in Fachsprache: „Es ist eine langfristige Nachsorge der Gewässergüte erforderlich.“

Der Hainer See und andere Seen im Süden von Leipzig drohen zu versauern. Quelle: André Neumann

Die LMBV geht vorläufig davon aus, dass der Hainer See bis 2028 durch die Zugabe von Kalk neutralisiert werden muss, bis dahin liege vorläufige eine behördliche Genehmigung vor. Vorgesehen ist, in den Hainer See bis zu 1400 Tonnen Kalksteinmehl im Jahr zu kippen. Beim Störmthaler See rechnet die LMBV mit jährlich bis zu 2250, beim Zwenkauer mit bis zu 3000 Tonnen.

Seen müssen mehr als zehn Jahre neutralisiert werden

Ob die zehn Jahre reichen, um die Seen langfristig zu neutralisieren, ist mehr als ungewiss. Der in Dahlitzsch (Rötha) lebende promovierte Chemiker Christian Schubert (65) glaubt, die Versauerung der Berbaufolgeseen „wird die Menschen vermutlich länger als ein Menschenalter beschäftigen“. Grund sind chemische Prozesse, die sich nicht stoppen lassen.

Der Grund für die Versauerung: In den ausgebaggerten Gruben und im verkippten Material befinde sich Pyrit, ein Eisensulfid. Bei Kontakt mit Sauerstoff oxidiere dieses zu Eisensulfit oder Sulfat, erklärt Schubert. Wenn das wiederum mit Wasser in Kontakt komme, entstehe Säure, die das Seewasser sauer macht.

Auch der Großräschener See in der Lausitz wird mit Kalk neutralisiert. So wird das Ganze auch am Hainer See aussehen. Quelle: Peter Radke

Während der kürzlich offiziell beendeten Flutung der Seen mit alkalischem Tagebauwasser wurde dem Prozess entgegengewirkt. Der Hainer See ist zudem zwischen 2008 und 2010 schon einmal mit Kalk neutralisiert worden. Da nun kein fremdes Wasser mehr zugeführt wird, gewinnt der natürliche Prozess wieder die Oberhand, die Seen werden wieder sauer, ihr ph-Wert sinkt.

Ein Tagebausee ist keine emaillierte Badewanne

Man könnte meinen, sagt Schubert, dass die Säurebildung und der Eintrag gar nicht mehr passieren sollte, wenn das Wasser einmal im vollen See steht. Doch, hält der Chemiker diesem Gedanken gleich entgegen: „Ein Tagebausee ist keine emaillierte Badewanne.“ Heißt: Es gibt überall Hohlräume, Löcher, schwankende Wasserstände und so weiter, so dass der natürliche Prozess sich fortsetzt.

Die LMBV hat für die bevorstehende Bekalkung, die am Hainer See voraussichtlich im Mai beginnen soll, einen Flyer in Umlauf gebracht. Darin wird über die Ursachen der Versauerung aufgeklärt und über die vorgesehenen Maßnahmen informiert.

Christian Schubert (r.) aus Rötha ist pensionierter Chemiker und sagt, die Tagebauseen müssen noch jahrelang bekalkt werden. Quelle: privat

Dabei legt der Bergbausanierer Wert auf die Feststellung, dass die Bekalkung für Mensch und Tier unbedenklich sei. „Das Kalkprodukt ist keine gefährliche Substanz oder Mischung, sie ist nicht hautreizend, nicht augenreizend und nicht toxisch“, sagt Sprecherin Lange.

Während der Bekalkung kann im Hainer See gebadet werden

Auf dem Flyer heißt es ausdrücklich, dass auch während der Bekalkung im See gebadet werden könne. Mit der Einschränkung: „ Dennoch sollten Sie nicht die Kalkfahne durchschwimmen, um Ablagerungen auf Haut und Badebekleidung zu vermeiden.“

Zugleich geht der LMBV-Flyer auf eine Frage ein, die sich viele im Umfeld der Seen immer wieder stellen, wenn sie auf einen See stoßen, dessen Wasser als sauer gilt, wie beispielsweise beim Bockwitzer See: Ist das Baden in sauren Gewässern schädlich? Der Bergbausanierer gibt darauf eine klare Antwort: „Nein, das Baden ist nicht schädlich. Auch saure Seen können als Badegewässer genutzt werden.“

Kommentar: Nachsorge ein Fass ohne Boden

Zehn Jahre lang wird die LMBV den Hainer See bekalken. Vorläufig, weil zunächst für diesen Zeitraum die Genehmigung vorliegt. Der Grund dafür – die Versauerung – wird dann aller Wahrscheinlichkeit nach nicht beseitigt sein. Die natürlichen chemischen Prozesse, die in den einstigen Gruben und auf den Kippen ablaufen, werden dadurch nicht gestoppt, nur die Folgen gemildert.

Das bedeutet auch: Wer glaubt, dass die Nachsorge in den Bergbaurevieren, die nach der Wende nicht privatisiert wurden, in absehbarer Zeit enden könne, der irrt vermutlich. Noch immer sind Kippen zu stabilisieren, Wege und Straßen zu bauen und zu sanieren. Viele Kommunen haben noch immer Wünsche an den Bergbausanierer LMBV, und noch ist aus dem Verwaltungsabkommen der ostdeutschen Braunkohleländer mit dem Bund eine Menge Geld da.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Nimmt man die Situation der Seen, dann ist Bergbaunachsorge ein Fass ohne Boden, und man muss sich fragen, wer das auf Dauer füllen soll. Straßen und Wege sind irgendwann fertig, Kippen sollten irgendwann so stabil sein, dass man sie freigeben kann. Aber die Versauerung der Seen zum Beispiel wie auch die Verunreinigung der Pleiße, dort wo sie an den Kippen entlang fließt, wird andauern.

Irgendwann wird die Frage zu stellen sein, wie viel Aufwand man noch betreiben will, um sich dem Lauf der Natur – in die ja erst von Menschenhand eingegriffen wurde – aufhalten zu wollen. Oder anders gefragt: Wann überlassen wir die Natur wieder sich selbst?

a.neumann@lvz.de

Von André Neumann

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