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Borna Im Rosenkrieg brennt in Böhlen ein Auto
Region Borna Im Rosenkrieg brennt in Böhlen ein Auto
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19:04 13.03.2019
Ein wegen Brandstiftung angeklagter 40-jähriger Mann ist in Borna freigesprochen worden. Er sollte im Juni 2016 in Böhlen ein Auto angezündet haben. Quelle: Jens Paul Taubert
Borna/Böhlen

Am 20. Juni 2017 brannte nachts kurz nach drei Uhr morgens in Böhlen ein roter Pkw. Der Reifen vorn links platzte, Motorraum und Kotflügel wurden in Mitleidenschaft gezogen. Weil der Gutachter der Polizei einen technischen Defekt ausschloss, kam nur Brandstiftung in Frage. Beschuldigt wurde Lars K.* Jetzt verhandelte das Amtsgericht Borna gegen den heute 40-jährigen arbeitslosen Bürokaufmann.

Wenn nicht zufällig genau an diesem Tag ein unbekannter Brandstifter den Wagen angezündet hat, dann passt der Vorfall in eine Kette von Ereignissen, die die schmerzhafte Trennung zweier Eheleute begleiten. Im Gerichtssaal sitzen sich Lars und Corinna K.* als frisch Geschiedene gegenüber. Die Ex-Gattin ist die einzige Belastungszeugin. Sie will ihren Mann, von dem sie damals schon getrennt lebte, in jener Nacht an dem Auto unter ihrem Schlafzimmerfenster erkannt haben. Nicht am Gesicht, wie sie im Zeugenstand sagt, das sah sie nicht. Aber an der Gestalt und an den Sachen.

Corinna K.* will Ex-Mann nachts erkannt haben

Lars K.’s Anwältin gab vor der Beweisaufnahme eine Erklärung ab. Der Angeklagte bestreite die Tat, in der fraglichen Nacht habe er in der Wohnung seiner neuen Lebensgefährtin geschlafen. Der Vorfall gehöre aus ihrer Sicht zu einer Reihe von Versuchen der Ex-Frau, ihren damaligen Mann in Misskredit zu ziehen, weil sie erwirken wolle, dass er die Kinder nicht sehen darf.

Rund 17 Anzeigen und Beschuldigungen habe Corinna K. gegen ihren Ex vorgebracht. Die Kinder würden im Kindergarten schlecht über ihren Vater reden, obwohl es seit fast zwei Jahren keinen Kontakt mehr gegeben habe.

Erster Höhepunkt des Rosenkrieges war eine Ausweisung des Mannes aus der gemeinsamen Wohnung durch die Polizei. Das war im Mai 2017. Einen Tag nach dem Brand fand eine Verhandlung der beiden vor dem Familiengericht statt. Dort sei der mutmaßliche Anschlag gleich zur Sprache gekommen.

Sein Alibi ist dünn

Das Alibi des Angeklagten ist dünn. Seine Lebensgefährtin bestätigt zwar, dass er zu dieser Zeit schon öfter bei ihr wohnte und auch in jener Nacht bei ihr schlief und auf ihre Kinder aufpasste. Sie selbst aber war zur Nachtschicht, die Kinder schliefen, er hätte theoretisch die Wohnung in Rötha verlassen und den kurzen Weg zur Wohnung seiner (damals noch) Frau in Böhlen zurücklegen können.

Das Gericht spricht K. trotzdem vom Vorwurf der Brandstiftung frei, folgt damit den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Denn so dünn wie das Alibi ist auch der Erkenntnisgewinn aus den widersprüchlichen Angaben der Belastungszeugin. Angaben zur Bekleidung widersprechen sich zwischen den damaligen polizeilichen Vernehmungen und heutigen Erinnerungen. Vor Gericht erwähnt sie jetzt nach 21 Monaten überhaupt erstmals die Brille, an der sie ihren Mann in jener Nacht unter anderem erkannt haben will.

Wem das Auto gehört, bleibt unklar

Am verworrensten sind aber die Äußerungen zum Auto, von dem nicht ganz klar ist, wem das eigentlich gehört. Corinna K. behauptet, Lars K.’s Opa habe es ihr geschenkt. Von dem wiederum liegt ein Schreiben vor, in welchem er diese Behauptung als Lüge bezeichnet. Der Opa kann nicht mehr gefragt werden, er ist Ende November gestorben.

Ein Schreiben mit der Schenkungserklärung wie auch die Papiere des Autos will Corinna K. am Vorabend des Brandes in der Fahrertür des Autos verstaut haben (bei der polizeilichen Vernehmung hatte sie von der Beifahrertür gesprochen), weil sie das am nächsten Tag mit zum Familiengericht nehmen wollte. Im Auto seien die Dokumente mit verbrannt. Dumm nur, dass der polizeiliche Gutachter auf Nachfrage versichert: In der Tür kann nichts verbrannt sein, da war kein Feuer. Auch das Pulver aus den Feuerlöschern hätte den Papieren nichts anhaben können.

Beweise reichen nicht aus

Zum Schluss sind sich alle einig: Lars K. könnte es gewesen sein, aber die Beweise gegen ihn reichen nicht aus. Staatsanwalt und Richter ziehen sogar in Erwägung, dass die Ex-Frau den Anschlag inszeniert haben könnte. Der nicht vorbestrafte Angeklagte kann den Gerichtssaal mit weißer Weste verlassen. Die Verfahrenskosten trägt die Staatskasse.

(*alle Namen geändert)

Von André Neumann

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