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Borna In Borna sind manche Ecken mit Supermärkten schlecht versorgt
Region Borna In Borna sind manche Ecken mit Supermärkten schlecht versorgt
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16:00 12.04.2019
Im Bornaer Stadtrat wurde jetzt über die Versorgung mit Nahrungsmitteln diskutiert. Quelle: Jens Paul Taubert
Borna

Auch wenn es in Borna sicher genügend Supermärkte geben dürfte. Davon profitieren längst nicht alle. Mehr noch: Wenn der Discounter Aldi, wie geplant, seine Filiale in der Lobstädter Straße – wie auch in der Lausicker Straße – schließt, nimmt die Zahl der Stadtviertel ohne Versorgung mit Lebensmitteln zu. Eine Lösung ist auf die Schnelle nicht in Sicht, wie eine Debatte kürzlich im Bornaer Stadtrat deutlich machte.

In Borna-Südwest fehlen die Supermärkte

Es war SPD-Stadtrat Klaus Sachse, der beim Beschluss über die Fortschreibung des Einzelhandelstandort- und Zentrenkonzeptes auf die Misere in Borna-Südwest aufmerksam machte. „Dort wohnen viele ältere Leute“ – die aber demnächst keine Händler finden, bei dem sie, wie es zu DDR-Zeiten hieß, „Waren des täglichen Bedarfs“ kaufen können.

SPD-Stadtrat Klaus Sachse macht auf die fehlenden Supermärkte in manchen Ecken von Borna aufmerksam. Quelle: Günther Hunger

Die Situation werde sich noch verschärfen, wenn in den nächsten Jahren die beiden Eisenbahnbrücken in der Deutzener und der Luckaer Straße instand gesetzt werden. Sachse: „Dann müsse die Leute über die Dörfer zum Einkauf in die Stadt fahren.“

Bornaer OBM: Wir haben bei Discountern nachgefragt

Allerdings: Eine Lösung des Problems liegt nicht auf der Hand. Das räumten sowohl Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) als auch CDU-Stadtratsfaktionschef Roland Wübbeke ein. Die Rathauschefin verwies darauf, dass die Stadt bei Discountern nachgefragt habe, um eine Ersatzlösung für diese Zeit offerieren zu können. „Es rechnet sich für die Unternehmen aber nicht.“

Laden in Neukirchen war nach zwei Jahren wieder tot

Ebenso Wübbeke. „Es wird niemanden auf dem freien Markt geben, der diesen Standort bedient.“ Andererseits könne die Stadt nicht darüber hinwegsehen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende verwies darauf, dass es Dorfläden gibt, die von Kommunen betrieben würden. „Das ist auch ein Stück weit Daseinsvorsorge.“

„Es wird niemanden auf dem freien Markt geben, der diesen Standort bedient“, so Stadtratsfaktionschef Roland Wübbeke. Quelle: privat

Während Maic Staudacher (Bürger für Borna“/BfB) daran erinnerte, dass es in Neukirchen einen Krämerladen gab, der allerdings „nach zwei Jahren tot war“, sprach Michel Zurbrügg (SPD/FDP-Fraktion) mit Blick auf den Vorschlag von Wübbeke von der „Einführung des Sozialismus“ und forderte, die Haltepunkte des Stadtbusses so zu organisieren, dass die Leute damit zu den Supermärkten kommen. Konter von Wübbekes Fraktionskollegen Sylvio Weise: „Ein Nachbarschaftsmodell hat nichts mit Sozialismus zu tun.“ Es stehe vielmehr in einer sozialdemokratischen Tradition, so Weise weiter und verwies auf die Raiffeisengenossenschaften im 19. Jahrhundert.

Interesse der Bornaer Großvermieter

Zudem sollten gerade die Bornaer Großvermieter ein Interesse an einer guten Versorgung ihrer Mieter haben, so Weise weiter. Vorstellbar sei zudem, dass sich regionale Anbieter wie Bäcker und Fleischer zusammentun könnten.

Sind rollende Supermärkte eine Lösung für den Mangel an Einkaufsmöglichkeiten in Borna?

In einigen Ecken von Borna gibt es zu wenig Einkaufsmöglichkeiten. Das ist vor allem für ältere Bewohner ein Problem.

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Marktwagen in die Bornaer Stadtgebiete lenken

Unterstützung kam von Ines Graichen. Die Linken-Fraktionsvorsitzende („Wir können kein Unternehmen zwingen.“) empfahl, Marktwagen in die entsprechenden Stadtgebiete zu lenken.

Linken-Fraktionsvorsitzende Ines Graichen schlägt vor, rollende Supermärkte in die unterversorgten Stadtgebiete von Borna zu schicken. Quelle: Eiltzer. Gerd

Versorgung kein Bornaer Problem

Dass die Versorgung mit Nahrungsmitteln keineswegs ein Problem der Kernstadt Borna ist, machte Günther Kolbusa deutlich. Der einzige Stadtrat mit Wohnsitz Eula kritisierte, dass über die Ortsteile überhaupt nicht geredet werde. In Eula gebe es ebenfalls keinen einzigen Laden. Frank Feldmann (Linke) regte eine „Ideenkonferenz“ an und wurde gewissermaßen erhört – von Thoralf Lang (BfB). Der stellvertretende Vorsitzende des Gewerbevereins kündigte an, dass sich der Gewerbeverein der Sache annehmen wird.

Kommentar: Bornaer Stadtrat: Diskussion hat sich gelohnt

Ein Kommentar von Nikos Natsidis:

Es gibt Diskussionen, die sich lohnen. So geschehen kürzlich im Bornaer Stadtrat. Dort ging es um ein echtes Problem. Und die Debatte war teilweise kontrovers und vor allem sinnvoll. Am Ende kam etwas dabei heraus.

Gemeinsam soll beraten werden, wie das Problem der Unterversorgung mit Lebensmitteln in bestimmten Stadtvierteln – und vor allem in den dörflichen Bornaer Ortsteilen – zumindest teilweise gelöst werden kann. Das kommt in Teilen sicher der Quadratur des Kreises gleich, weil eine praktikable Lösung wahrscheinlich nur bedingt mit marktwirtschaftlichen Prinzipien in Einklang zu bringen sein wird. Dass aber die Versorgung mit dem täglichen Brot und anderen Waren des täglichen Bedarfs für ältere Bewohner in Borna-Südwest wie auch in Thräna oder Eula tatsächlich zu einer Herausforderung geworden ist, lässt sich nicht bestreiten. Dass dies jetzt zum Thema geworden ist, ist das Verdienst von SPD-Stadtrat Klaus Sachse.

Sollte es in der Sache mittelfristig Verbesserungen geben, wäre das nicht nur gut für die Bewohner in den betroffenen unterversorgten Ortsteilen. Es wäre auch ein Beleg dafür, welche positiven Effekte eine Debatte im Bornaer Stadtrat haben können.

n.natsidis@lvz.de

Von Nikos Natsidis

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