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Borna Inklusion mit Handicap: Schulbegleiter sind Mangelware
Region Borna Inklusion mit Handicap: Schulbegleiter sind Mangelware
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19:00 22.11.2017
Damit Inklusion klappt, können Schulbegleiter Schülern mit Handicap beistehen. Quelle: dpa
Landkreis Leipzig

Immer mehr Schulen öffnen sich für Kinder mit Handicap. Doch das gemeinsame Lernen scheitert mitunter daran, dass es an sogenannten Schulbegleitern fehlt. Diese unterstützen Kinder mit körperlicher, seelischer oder geistiger Behinderung im schulischen Alltag. Voraussetzung: Es gelingt, die Stellen zu besetzen.

„Aktuell werden im Landkreis 105 Kinder und Jugendliche von Schulbegleitern unterstützt“, erklärt Brigitte Laux, Sprecherin des Landratsamtes. „Für drei bereits bewilligte Fälle werden Personen gesucht, die sich für die Tätigkeit eignen.“ Mit anderen Worten: Alle Stempel sind da, aber es fehlen Leute, die den Job machen. In der gegenwärtigen Situation stehe das Jugendamt dazu in engem Austausch mit den Leistungsanbietern. Für 24 weitere Kinder oder Jugendliche seien Schulbegleiter beantragt, berichtet die Kreisbehörde weiter. „Hier läuft die Prüfungsphase“, so Simone Rödl, Sachgebietsleiterin Wirtschaftliche Jugendhilfe/Eingliederungshilfe im Jugendamt.

Die Inklusionsassistenten begleiten das Kind zur Schule, sitzen mit im Unterricht. Sie brauchen ein feines Gespür dafür, wann Hilfe nötig ist oder ein vorschnelles Eingreifen eher kontraproduktiv, weil der Schüler sich dann zu schnell auf seinen Begleiter verlässt. Mitunter besteht die Hilfe darin, eine Seite im Lehrbuch aufzuschlagen, das richtige Klassenzimmer zu finden oder einfach Ordnung bei den Unterrichtsmaterialien zu halten.

Ohne Antrag geht nichts. Diesen können Sorgeberechtigte beim Landkreis stellen. Bevor ein Schulbegleiter aktiv wird, muss in jedem Fall ein amtsärztliches Gutachten oder die Stellungnahme eines Kinder- und Jugendpsychologen vorliegen. Auch der Allgemeine Soziale Dienst sitzt mit im Boot. „Wird im Rahmen der Prüfung eine Behinderung festgestellt und ist Schulbegleitung die im Einzelfall notwendige und geeignete Hilfe, dann wird – insbesondere im Austausch mit der Schule – der konkrete Stundenbedarf ermittelt“, erläutert Simone Rödl. Die Schulbegleitung wird in der Regel für ein Jahr bewilligt. Träger wie zum Beispiel die Lebenshilfe Grimma werden dann beauftragt, eine geeignete Person einzusetzen.

„Aktuell haben wir wirklich Mühe, Begleiter insbesondere für Kinder mit einem erhöhten Förderbedarf zu finden“, bestätigt Lebenshilfe-Geschäftsführerin Elke Neldner. „Hierfür braucht es gut ausgebildete Fachkräfte. Voraussetzung ist unter anderem ein Abschluss als Heilpädagoge oder Heilerzieher, um zum Beispiel Schüler mit Autismus im Unterricht zu begleiten.“ Kinder mit leichteren Beeinträchtigungen könnten hingegen auch von Menschen unterstützt werden, die das nötige Einfühlungsvermögen mitbringen. „Das können durchaus Seiteneinsteiger sein, mit denen wir sehr gute Erfahrungen gemacht haben.“ Das Problem sei, dass sich angesichts der Lage auf dem Arbeitsmarkt die oft nur befristeten Schulbegleiter-Stellen schwer besetzen lassen. „Wer die Wahl hat, greift dann doch eher zu einer verlässlicheren Beschäftigung“, muss Elke Neldner feststellen. Dabei sei der Bedarf an Schulbegleitern noch nie so groß gewesen. „Die Eltern können jetzt schließlich frei entscheiden, ob sie ihr Kind auf eine Regelschule schicken.“ Um keine böse Überraschung zu erleben, müssten die Verantwortungsträger dringend gegensteuern, warnt die Geschäftsführerin. „Und zwar bevor der Personalmangel behinderte Kinder vom Unterricht an einer Regelschule ausschließt“. Bislang sei ihr nur ein Fall aus der Vergangenheit bekannt, bei dem die Personalnot über die Schulpflicht triumphierte. „Nach zwei Schulstunden sahen sich die Lehrer jeweils außer Stande, ein Kind ohne Begleitung noch in der Schule zu lassen und schickten es heim.“

Eine statistische Erhebung gibt Aufschluss, an welchen Einrichtungen Integrationshelfer im Landkreis tätig sind. 28 Prozent der Schulbegleiter wirkten im Vorjahr an Förderschulen, 40 Prozent an Grundschulen und 25 Prozent an Oberschulen. Die wenigsten Inklusionsassistenten gaben an Gymnasien Unterstützung. Hier waren sieben Prozent der Schulbegleiter im Einsatz.

Von Simone Prenzel

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