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Borna Irpiner Schulen übernehmen Ideen und Vorschläge aus Borna
Region Borna Irpiner Schulen übernehmen Ideen und Vorschläge aus Borna
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00:22 11.11.2017
Die Lehrer aus Borna stehen sowohl der örtlichen Presse als auch den Irpiner Kindern Rede und Antwort. Quelle: Julia Tonne
Borna/Irpin

Der Name ist Programm: Die 13. Schule in Bornas ukrainischer Partnerstadt Irpin hat innerhalb kürzester Zeit 13 Neuerungen eingeführt – allesamt übernommen aus der Dinterschule, dem Teichgymnasium und der Clemens-Thieme-Grundschule in Borna. Welche Eindrücke die Irpiner Lehrer von ihrem Besuch in der Stadt im August (die LVZ berichtete) in ihre Heimatstadt mitgenommen haben, das konnte sich in den vergangenen Tagen die Schul-Delegation aus der Großen Kreisstadt ansehen – und zudem über das hiesige Schulsystem während einer Bildungskonferenz in Irpin berichten.

Eine Woche lang waren die beiden Schulleiter von Dinterschule und Gymnasium, Frank Ziemann und Margitta Schade, in zahlreichen Schulen in Irpin zu Gast – mit dabei: mehrere Lehrer sowie Silke Rüger, Leiterin des Hortes der Grundschule Nord. Besonders beeindruckt waren die Bornaer von der Schnelligkeit der Ukrainer, „positive Erfahrungen bei sich in die Tat umzusetzen und binnen zwei Monaten beispielsweise ein Fachkabinett baulich zu rekonstruieren und auszustatten“, wie Ziemann sagte. Erstaunt zeigten sich Schade und ihre Kollegen über die dortige Disziplin. „Zwischen Lehrern und Schülern herrscht eine herzliche Atmosphäre – und gegenseitiger Respekt.“

In zwei Monaten nach dem Vorbild aus Borna entstanden: das neue Computerkabinett an der 13. Schule. Quelle: Julia Tonne

Für etwas Erheiterung unter den Teilnehmern der Reisegruppe „Schule“ sorgte der Einblick in die Toilettenräume. Bisher gab es in der 13. Schule keine Trennwände zwischen den einzelnen Toiletten – übrigens keine Sitz-WCs, sondern Hocktoiletten. Nach der Stippvisite in Borna wurden sämtliche Sanitäranlagen in dieser Hinsicht nachgerüstet. Eine weitere Neuerung war die Aufrüstung des Foyers mit einem Monitor – eine Idee aus dem Teichgymnasium –, über den nicht nur Stunden- und Vertretungspläne flimmern, sondern auch Bilder von Schulveranstaltungen gezeigt werden. Insgesamt hatte der Irpiner Bürgermeister, Volodymyr Karplyuk, der Schule 1,2 Millionen Griwna, umgerechnet rund 40 000 Euro, zur Verfügung gestellt, um Veränderungen umzusetzen. Dazu gehörten auch die Anschaffung von Sofas für die Aufenthaltsräume und die Ausstattung eines Physikkabinetts.

Gravierende Unterschiede zwischen deutschen und ukrainischen Schulen waren schon auf den ersten Blick erkennbar. In gewisser Weise ähneln dortige Klassenzimmer hiesigen Wohnzimmern. Zudem ließ die technische Ausstattung jeder der Räume die Herzen der Bornaer Lehrer höher schlagen. Whiteboards sind gang und gäbe, ebenso wie Laptops, Drucker und Beamer. Doch wie jede Medaille hat auch diese eine Kehrseite: Die Technik wird ausschließlich von den Eltern finanziert. Auch die Videoüberwachung gehört an der 13. Schule zum guten Ton, denn abgeschlossen wird die Einrichtung nicht, sie ist jederzeit zugänglich.

Durchaus wohnlich sind die Klassenräume in der Ukraine eingerichtet. Quelle: H.-R. Scheibe

Den Abschluss der Woche bildete am Sonnabend eine Bildungs-Konferenz mit fast 200 Teilnehmern aus der ganzen Ukraine. Ein Thema waren unter anderem die aus Borna übernommenen Veränderungen, die bei vielen auf offene Ohren und großes Interesse stießen. „Zahlreiche Lehrer aus der Ukraine wollten von ihren Kollegen etwas über deren Erfahrungen aus Deutschland hören“, erklärte Ziemann. Und Schade ergänzte: „Mich hat beeindruckt, mit welcher Begeisterung die Lehrer das in Borna Erlebte und Gesehene vorgetragen haben. Sie wollen Veränderungen und brauchen Partner. Außerdem scheuen sie keine Kritik.“

Frank Ziemann, Leiter der Dinterschule, berichtet in Irpin über das deutsche Bildungssystem. Quelle: H.-R. Scheibe

Dass der Austausch auf Schulebene weitergehen soll, steht außer Frage. „Denn die Deutschlehrerinnen aus Irpin sind glücklich über die Partnerschaft und sehen den Kontakt mit den Kollegen aus Borna als große Bereicherung“, begründete Janine Hofmann, Lehrerin an der Dinterschule.

In jeder Schule andere Ferienzeiten

Faszination ukrainische Schule: So manche Bedingungen muten durchaus eigenwillig an. So kann beispielsweise jede Schule selbst entscheiden, wann Ferien sind. Einheitliche Zeiten sind unüblich. Verpflichtend hingegen sind an den Schulen Uniformen. Mittlerweile gibt es jedoch erste Überlegungen, diese abzuschaffen. Klassenstärken von bis zu 40 Kindern sind keine Seltenheit, allerdings ist die Disziplin eine vollkommen andere. Hierzulande undenkbar, dort Usus: Grundschüler stehen von ihrem Pult auf, wenn sie auf die Fragen der Lehrer antworten.

Wenn auch die Gebäude an sich so manche bauliche Herausforderung darstellen, so leidet doch nicht die technische Ausstattung in den Klassenzimmern darunter. Dass in jedem Raum mindestens ein Laptop und ein Beamer zu finden sind, dürfte hierzulande bei einigen Lehrern für neidische Blicke sorgen. Eines aber darf an der Stelle nicht vergessen werden: Die Eltern kommen für die Finanzierung der Technik auf.

Was bei den beiden Bornaer Schulleitern Margitta Schade und Frank Ziemann sehr gut ankam: die Irpiner Schulleiter entscheiden selbst, welche Bewerber sie als Lehrer anstellen. „Hierzulande läuft das alles über die sächsische Bildungsagentur“, so Ziemann. Einfacher wäre es, wenn die Schulleiter ein Mitspracherecht hätten.

Ein Fakt sorgte in der vergangenen Woche bei der Bornaer Delegation für ungläubige Blicke: Lehrer in der Ukraine verdienen durchschnittlich 150 Euro im Monat. Das reicht gerade einmal für die Miete einer kleinen Wohnung.

Von Julia Tonne

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