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Borna Karl Marx hat in Borna eine Inventarnummer
Region Borna Karl Marx hat in Borna eine Inventarnummer
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18:33 19.09.2019
Das „Relief der DSF“ in der Angerstraße neben dem schwarzen Netto. Quelle: Jens Paul Taubert
Borna

Karl Marx hat eine Inventarnummer. Er liegt im Depot des Bornaer Museums. Der Begründer des Wissenschaftlichen Kommunismus hat in Borna schon bessere Zeiten gesehen. Die Büste mit dem vollbärtigen Philosophen stand einst in der Bornaer Karl-Marx-Schule, der heutigen Grundschule West. Sie ist eins von zahlreichen eindeutig sozialistischen Denkmälern oder Kunstwerken, von denen einige verschwunden sind, andere sich aber nach wie vor besichtigen lassen.

Dreimal Marx in Borna

Der Marx im Museumsdepot ist keineswegs der einzige in Borna, wie Thomas Bergner, Mitarbeiter des Museums klar macht. Bis 1989/90 gab es ihn in Borna dreimal. Im kleinen Park gegenüber dem Hotel „Drei Rosen“ in der Bahnhofstraße war eine Plakette angebracht, auf der das markante Konterfei gut erkennbar war. Und an der Alten Wache auf dem Markt gab es zu Zeiten, als das Areal Karl-Marx-Platz hieß, eine Plakette mit einem bekannten Karl-Marx-Zitat. Dabei handelte es sich allerdings nicht, wie viele Bornaer heute glauben, um den berühmten letzten Satz aus dem Kommunistischen Manifest („Proletarier aller Länder, vereinigt euch“). Vielmehr war dort die elfte Feuerbach-These von Marx zu lesen („Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt drauf an, sie zu verändern.“). Der Schriftzug am Markt galt lange Zeit als verschollen. Mittlerweile, so Fachmann Bergner, hat sich herausgestellt, dass sich das Relief in Nenkersdorf bei einem Privatmann befindet.

Das Karl-Marx-Relief, das früher am Markt zu sehen war. Quelle: Museum

Wilhelm Pieck auf dem Karl-Marx-Platz in Borna

Auch den ersten und einzigen DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck gab es zu sozialistischen Zeiten in Borna im Doppelpack. Zum einen erinnerte eine Plakette daran, dass Pieck im Jahr 1947, als er einer von zwei Vorsitzenden der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) war, in Borna auf dem Markt eine Rede hielt. Die Plakette befand sich seit den 60er-Jahren am Rathaus. Damals sollten viele historische Gebäude am Markt wegkommen. Es war die Zeit, als Borna zu einer durch und durch modernen sozialistischen Vorzeigestadt umgebaut werden sollte und die Zeugen der kapitalistischen Vergangenheit zum Fall für die Abrissbirne wurden. Das blieb der Stadt bekanntlich erspart. Stattdessen musste Pieck in der Wendezeit weichen. Ein zweites Pieck-Denkmal wurde in der Nähe des heutigen Teichgymnasiums errichtet. Die Schule trug zur DDR-Zeit seit 1967 den Namen von Wilhelm Pieck.

Luxemburg-Kopf in Borna gestohlen

An Rosa Luxemburg, die Mitbegründerin der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), erinnerte ein Denkmal in Borna, das passenderweise in der damaligen Rosa-Luxemburg-Straße stand, die seit knapp drei Jahrzehnten wieder Wettinstraße heißt. „Es wurde in den 80er-Jahren aufgestellt“, sagt Thomas Bergner. Und das Denkmal überlebte auch zunächst die Wende. Bis zum Jahr 1995, als wahrscheinlich Jugendliche den Bronzekopf stahlen. Damals wie heute ein geldwerter Rohstoff, der den Dieben auch etwas eingebracht haben dürfte. Immerhin: Die Stele, die zum Denkmal gehörte, stand dort noch bis zum Umbau des Areals vor wenigen Jahren.

König Albert musste weg

Gewissermaßen sozialistische Ursprünge hat auch das Denkmal, das den Pädagogen Gustav Friedrich Dinter zeigt und das an der gleichnamigen Schule zu finden ist. Dinter war keineswegs ein Säulenheiliger im sozialistischen Pantheon. Dass das Denkmal 1951 eingeweiht wurde, hat eine spezielle Geschichte. Immerhin steht der gebürtiger Bornaer dort, wo sich auch nach dem Kriege ein Denkmal des sächsischen Königs Albert befand. Noch 1949, immerhin im Jahr der DDR-Gründung, machte sich der Rat der Stadt Borna für den Erhalt des Denkmals stark, das an den Großvater des letzten sächsischen Königs erinnerte. Das Gremium war CDU-dominiert, was in den späten 40er-Jahren offenbar noch etwas zu bedeuten hatte. Im Sommer 1949 aber wurde die Büste des Sachsenkönigs über Nacht entwendet, und vor dem leeren Sockel fand sich ein Schild mit der Aufschrift „Das Alte stürzt ein, wir bauen auf, Neues blüht aus den Ruinen“. Zwei Jahre später stand Dinter dort. An der Dinterschule gab es in der DDR-Ära auch ein Ernst-Thälmann-Denkmal.

Das Dinterdenkmal vor der Dinterschule. Quelle: Jens Paul Taubert

Starfighter auf dem Bornaer Markt

Vielleicht weniger politisch war die Errichtung des Brunnens auf dem Markt im Jahr 1976. Zu dieser Zeit wurde der Platz vor dem Rathaus, eben der Karl-Marx-Platz, ebenso wie die Wilhelm-Pieck-Straße, die heutige Reichsstraße, zur Fußgängerzone. Der neue Brunnen hieß im Volksmund „Sterbender Schwan“ oder auch Starfighter. Er stand bis 1990, dann kam er trotz heftiger Diskussionen weg, um Platz für einen neuen Brunnen zu schaffen. Der wurde allerdings erst 23 Jahre später für beachtliche Baukosten von 80 000 Euro errichtet.

Plastik mit sperrigem Namen

Auch auf dem Markt stand in der Zeit des entwickelten Sozialismus eine Plastik, die den sperrigen Namen „Zur Entwicklung und Struktur des Kreises Borna“ trug. Schöpfer war Hans-Joachim Förster, ein Künstler, der in jenen Jahren an fünf Orten in Borna seine künstlerischen Spuren hinterließ.

Bergmann und Zwiebelfrau

Bergmann und Zwiebelfrau am Breiten Teich. Quelle: Jens Paul Taubert

Hinter dem Rathaus, auf dem Platz des Bergmanns, wurden 1985 „Bergmann und Zwiebelfrau“ aufgestellt. Das Werk des Berliner Künstlers Fritz Ritter hat den politischen Gezeitenwechsel überlebt und steht heute am Breiten Teich. Dort findet sich auch ein Denkmal der DSF, der „Deutsch-sowjetischen Freundschaft“ – und zwar „zwischen Gymnasium und Volksplatz“, so Thomas Bergner, und damit an dem Platz, an dem früher ein Denkmal an das sächsische Karabinierregiment erinnerte. Mittlerweile wächst es langsam zu. Zu sehen sind eine Arbeiterfrau mit Kind, ein Sowjetsoldat und ein Bergmann. Es stammt aus dem Jahr 1962.

Das Denkmal der Deutsch-sowjetischen Freundschaft. Quelle: Jens Paul Taubert

Die „Kanone“ ist weg

Überhaupt die DSF, nach der in Borna auch das beliebte Kulturhaus benannt war, in dem es zur DDR-Zeit sogar eine Bar gab. Heute steht dort der Schwarze Netto, und an dessen Seite (Bergner: „Das fällt nicht auf.“) prangt nach wie vor ein „Relief der DSF“. Verschwunden ist dagegen die „Kanone“, so der Museumsmitarbeiter, ein sowjetisches Geschütz, das einst am DSF-Kulturhaus, in der Nach-Wende-Zeit Volkshaus genannt, stand.

Das Kulturhaus der DSF in Borna. Quelle: Museum

Der Bär steht jetzt beim Mammut

Den Bären gibt es noch. Das Monument des Bildhauers Bruno Kubas wurde zu DDR-Zeiten an der Kaufhalle in Borna-Nord aufgestellt. Mittlerweile steht das steinerne Tier in den Nähe des liegenden Mammut am Breiten Teich. Verschwunden ist dagegen das Wandgemälde mit dem Titel „Utopia“, das einst im Kindergarten „Jenny Marx“ zu sehen war. Heute befindet sich dort die Robinienhofschule.

Die Reste des Wandbildes in der heutigen Stadtverwaltung An der Whyra. Quelle: Jens Paul Taubert

An frühere Zeiten erinnert nach wie vor ein Wandbild im Gebäude der Stadtverwaltung An der Wyhra. Es stammt aus der Zeit, als das Haus im damaligen Paul-Paschke-Viertel noch eine Kindertagesstätte war.

Der Bär in der Nähe des liegenden Mammut. Quelle: Jens Paul Taubert

Mode im Wandel der Zeiten

Besondere Aufmerksamkeit hat in diesem Jahr die Plastik „Mode im Wandel der Zeiten“ am Rande des Edeka-Parkplatzes bekommen. Das Werk der Künstlerin Astrid Danneger aus dem Jahr 1981 weist mittlerweile erhebliche Schäden auf. Mittlerweile gibt es eine Initiative, um das Kunstwerk zu retten.

„Mode im Wandel der Zeiten“ von Astrid Danneger am Edeka-Parkplatz. Quelle: Jens Paul Taubert

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