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Borna Karneval: Knallhartes Geschäft für die Pegauer Funkengarde
Region Borna Karneval: Knallhartes Geschäft für die Pegauer Funkengarde
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15:13 26.02.2018
Dehnung ist entscheidend: Co-Trainerin Sarah Wenge kontrolliert den Spagat der Tänzerinnen aus der Funkengarde. Die 15- bis 28-Jährigen trainieren dreimal pro Woche und sind mehrfache Sachsenmeister im karnevalistischen Tanz. Quelle: Andreas Döring
Pegau

Die Erwärmung ist knackig: Treppenlauf im Pegauer Trainingszentrum. Danach dehnen sich die Tänzerinnen ausgiebig, bevor sie in den Spagat gehen und das Rad üben. Erster Durchgang der Standard-Disziplin Gardetanz: zackige Arme beim Marsch, hohe Beinwürfe, Stand- und Sprungspagat, Grätschwinkelsprung...

Mandy Wagner steht am Rand, schaut zu und lächelt zufrieden. Sie ist die Betreuerin der Funkengarde und ein Urgestein des Pegauer Karneval-Klubs. 1985 begann sie als Jugendliche in der damaligen Funkengarde zu trainieren. „Da ging es mehr um den Spaß, heute mehr um den Sport. Was die Mädels hier machen, ist Leistungssport“, sagt sie.

Kraft, Kondition, Dehnung und Tanz dreimal zwei Stunden pro Woche

Mittwochs, samstags und sonntags trainieren sie jeweils zwei Stunden. Kraft, Kondition, Akrobatik, Koordination und Dehnung sind entscheidend. Dann geht es um das Feilen an der Choreographie. Einmal in der Woche kommt Ballett-Trainer Sebastian Bronst, der Körperhaltung und Ausstrahlung perfektioniert.

Die Pegauer sind heute im karnevalistischen Tanz in Sachsen führend. „Nach der Wende begann bei uns im Verein eine hervorragende Jugendarbeit. Seitdem wird Nachwuchs groß geschrieben“, sagt die Betreuerin. Fast hundert Kinder sind in der Tanzabteilung. Es gibt acht Gruppen von den Minis ab vier Jahren bis ins Erwachsenenalter.

Die Funkengarde holte sowohl im Schau- als auch im Gardetanz mehrere Sachsenmeistertitel – und will den im Februar verteidigen. Bundesweit nehmen die Tänzerinnen an Turnieren teil. „Dort lässt sich viel lernen, was Choreographie, Kostüme und Leistung betrifft. Dort sehen wir, wo wir noch Baustellen haben und können daran arbeiten“, sagt Mandy Wagner. Die Truppe ist ehrgeizig: „Ziel ist, bei den Deutschen Meisterschaften zu tanzen.“ Bisher schafften sie die Qualifikation zum Turnier davor – den Norddeutschen Meisterschaften.

Sachsenmeistertitel verteidigen und Turniere bundesweit

Ein Motor für den Erfolg ist Samira Liebau. Aufmerksam und mit kritischem Blick verfolgt die 28-Jährige die Bewegungen der Tänzerinnen, korrigiert hier und da. Für sie ist das Tanztrainingszentrum ein Zuhause. Sie unterrichtet Jugendgarde, Lolipops, fünf Solisten sowie die Funkengarde, in der sie selbst auch noch tanzt. „Ich bin immer hier – außer dienstags. Das ist manchmal anstrengend und stressig, aber eben auch sehr schön“, sagt die Pegauerin.

Die Pegauer Tänzerinnen sind Sachsenmeister im karnevalistischen Tanz und trainieren hart.

Dabei hatte sie als Kind eigentlich gar keine Lust dazu: „Ich wollte nicht tanzen.“ Aber die beste Freundin wollte. So meinte ihre Mutter, da könne sie doch mitgehen... Da sie inzwischen unterschiedliche Altersklassen unterrichtet, freut sie sich zu sehen, „wie die Mädels sich immer mehr steigern“. Motivation sei der Erfolg, bei den Sächsischen Meisterschaften zum Beispiel „bebt die Hütte, das ist wirklich toll“. Allerdings: „Wir machen Leistungssport, da bekommt man nichts geschenkt. Die anderen Vereine schlafen nicht“, sagt die Trainerin, die als selbstständige Schneiderin auch noch der Profi für die schicken Kostüme ist.

Verletztes Tanzmariechen muss zuschauen: „Ganz schlimm“

Die Tänzerinnen schwitzen, gönnen sich eine Trinkpause. Der Gardetanz-Durchgang ist gut gelaufen. Jetzt ist gleich noch der Schautanz dran, den sie auch bei den großen Karnevalsfeten im Volkshaus zeigen. Als Supergirls. Während sie übers Parkett wirbeln, sitzt Fabienne Schröter auf der Bank. Unfreiwillig.

Dabei gehört die 15-Jährige als Tanzmariechen zu den Solisten und hat nicht drei-, sondern fünfmal Training, das sind zehn Stunden pro Woche. Doch als sie kürzlich das freie Rad übte, überdehnte sie das Außenband am Knie, hat nun vier Wochen Sportbefreiung und darf danach erst wieder langsam beginnen. Beim Training ist sie trotzdem dabei, sogar zu Turnieren fährt sie mit. „Wenn ich das alles sehe, will ich so gerne mittanzen“, meint Fabienne, die es „ganz schlimm“ findet, nur zuschauen zu dürfen. Die vielen Trainingsstunden mag sie, „da kann ich völlig abschalten“. Auf der Bühne steht sie gern, um zu zeigen, „wie viel Spaß Tanzen macht“.

Auch beim Turnier-Schautanz will sie bald wieder die Geschichte „Vom Jäger zum Gejagten“ mittanzen. Dabei wollen eigentlich die Jäger Rehe jagen. Doch diese verführen die Männer mit ihren Arschgeweihen, geben ihnen auch noch einen Schnaps. Und dann jagen die Rehe die konfusen Jäger...

Gardetanz

Karnevalsgarden entstanden als Persiflage auf das Militär mit dem Wiederaufleben des Straßenkarnevals in den 1820er- und 1830er-Jahren. Zu den ersten Garden gehörten die Kölner Roten Funken.

Uniformen und Organisation orientierten sich dabei meist an historischen Vorbildern, in der Regel aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Diese Militärpersiflage ist nicht zu allen Zeiten auf Gegenliebe gestoßen, sei es, dass sie als „unpatriotisch“ betrachtet wurde, sei es, dass man Militarismus unterstellte.

Weibliche Tanzgarden sind dagegen relativ neu, sie sollen Ende der 1940er-Jahre entstanden sein. Sie haben ihren Ursprung im Revuetanz der 1920er- und 1930er-Jahre. Die Kleidung der Tänzerinnen sind durchweg Fantasieuniformen.

Bei vielen Karnevalsveranstaltungen gehört die Tanzgarde fest zum Programm, oft auch Solisten wie das Tanzmariechen. Manche Garden verfügen zudem über Kindertanzgruppen.

Von Claudia Carell

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