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Borna Kita-Plätze: Machern, Brandis und Rötha sind Sorgenkinder
Region Borna Kita-Plätze: Machern, Brandis und Rötha sind Sorgenkinder
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09:56 17.07.2018
Große Schritte sind nötig, um überall im Landkreis den Anspruch auf einen Betreuungsplatz zu erfüllen. Quelle: dpa
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Landkreis Leipzig

Zu viele Kinder, zu wenig Betreuungsplätze: Das ist derzeit die Situation in vielen Landkreis-Kommunen. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass steigende Geburtenzahlen und Zuzüge für einen eklatanten Mangel an Kita-Plätzen sorgen. Der Investitionsbedarf, den Städte und Gemeinden bis zum Jahr 2025 signalisieren, spricht Bände: Für den Erhalt von Plätzen veranschlagen sie laut Landkreis in den nächsten sieben Jahren 14,8 Millionen Euro. „Um neue Plätze zu schaffen, werden über 65 Millionen Euro benötigt“, so Ines Lüpfert, Zweite Beigeordnete. „In Summe gehen die Kommunen von über 2000 Plätzen aus, die bis 2025 zusätzlich benötigt werden.“

Angespannte Lage in einzelnen Kommunen

In der Regel zählen Kommunen mit massivem Zuzug zu den Sorgenkindern. Besonders angespannt ist die Lage nach Auskunft von Ines Lüpfert derzeit in Brandis, Machern, Markranstädt, Rötha, Belgershain und Zwenkau. Aber auch Pegau, Kitzscher und Neukieritzsch haben akuten Nachholbedarf, was Betreuungsplätze betrifft. Mittelfristig werden Engpässe in Borna und Wurzen befürchtet.

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Die Größenordnung, in der es heute schon an Kapazitäten mangelt, ist enorm: „Im Jahr 2018/2019 fehlen akut rund 240 Plätze in Kitas sowie 180 Plätze in Krippen“, macht Lüpfert den Handlungsdruck deutlich. Bei Horten habe sich die Situation etwas entspannt – hier fehlen zehn Plätze. Der Preis dafür ist allerdings oftmals die Doppelnutzung von Klassenzimmern. „Nicht zu vergessen sind darüber hinaus Bemühungen, Integrationsplätze zu schaffen. Auch hier“, resümiert die Beigeordnete, sei der Bedarf nicht an allen Stellen gedeckt.

Gute Auftragslage im Bauhandwerk bereitet zusätzliche Probleme

„Aktuell sind viele Kommunen dabei, ihre Kapazitäten zu erweitern, was auf Grund der guten Auftragslage am Bau nicht ganz einfach ist“, so Lüpfert – man finde schlicht keine Firmen. Zudem werde die Aufgabe ohne eine verbesserte Finanzausstattung der Kommunen oder zusätzliche Gelder von Bund oder Land nur schwer zu leisten sein.

Statistik der Geburten im Landkreis Leipzig nach Kommunen im Jahr 2017 Quelle: Landkreis Leipzig

Eltern, die heute schon hängeringend einen Platz suchen, greifen zu unorthodoxen Mitteln. So tauchte kürzlich in der Macherner Ratssitzung eine Mutti mit Baby auf. Ihr Söhnchen im Arm, berichtete die Machernerin von der ausweglosen Suche nach einem Krippenplatz in der Kommune. „Mit mir stehen noch 15 andere auf der Warteliste, für die es keine Lösung gibt“, sandte sie einen Hilferuf. Das Jugendamt versucht in solchen Fällen, das Schlimmste zu verhindern. Inzwischen wurde der Familie eine Betreuung in einem Ortsteil der Gemeinde Trebsen angeboten. „Die werden wir jetzt annehmen, denn eine Fahrtzeit von 30 Minuten gilt wohl als zumutbar, wenn es keinen Platz in der Heimatkommune gibt.“ Ihren Namen möchte die Machernerin nicht in der Zeitung lesen. Es gehe, versichert sie, aber vielen Familien ähnlich. Und Besserung ist vorerst nicht in Sicht: Über Gedankenspiele reichen die Pläne für eine neue, dringend benötigte Kita in Machern derzeit nicht hinaus.

Fünf Verfahren am Verwaltungsgericht

Inzwischen wird der Landkreis auch immer öfter vor Gericht zitiert, wenn Eltern wieder arbeiten müssen. „In fünf Verfahren mussten wir uns bislang vor dem Verwaltungsgericht Leipzig stellen“, erklärt Klaus-Thomas Kirstenpfad, Leiter des Amtes für Rechts-, Kommunal- und Ordnungsangelegenheiten. In einem Fall sei der Kreis verurteilt worden. „Bevor das Urteil vollstreckt wurde, stand für die Eltern aber ein Platz zur Verfügung, so dass wir unterm Strich noch in keinem einzigen Fall Schadenersatz leisten mussten.“ Kirstenpfad zollt in dem Zusammenhang den Mitarbeiterinnen des Jugendamtes Respekt: „Dort wird mit großem Engagement versucht, den Eltern zu helfen und doch noch einen Platz aufzutreiben.“ Eine Einschätzung, die auch Beigeordnete Ines Lüpfert unterstreicht: „In den Fällen, wo in der Heimatkommune kein Platz verfügbar ist, wird einzelfallbezogen und im Zusammenspiel zwischen Kommunen und Jugendamt nach Möglichkeiten der Akquise von Plätzen gesucht.“ Entsprechende Vorgehensweisen seien abgestimmt. „Eine wichtige Rolle spielen hier jedoch auch die Eltern, die den Platzbedarf immer sehr frühzeitig in der Kommune anzeigen sollten.“ Insbesondere in den Zuzugsgebieten könne aber nicht davon ausgegangen werden, dass in jedem Falle in der Wunschkita zum Wunschtermin ein Platz frei ist.

Von Simone Prenzel