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Borna Kita in Thräna betreut blinde Kinder
Region Borna Kita in Thräna betreut blinde Kinder
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19:48 15.10.2018
Ute Hoffmann (r.) mit ihrem Schützling Pascha (2.v.l.) und den Mädchen Tess und Helene.
Ute Hoffmann (r.) mit ihrem Schützling Pascha (2.v.l.) und den Mädchen Tess und Helene. Quelle: Julia Tonne
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Borna

Vorsichtig tastet sich Pascha an der Wand entlang, erfühlt Hindernisse mit ausgestreckten Armen, bis er mit seinen Fingern den kleinen Stern ertastet. Für den blinden Sechsjährigen heißt das: Er hat seine Garderobe zielsicher gefunden und kann sich für den Herbstausflug anziehen. Dass Pascha ohne Hilfe alles alleine findet, war nicht immer so. Der Junge kam als Vierjähriger in die integrative Kita Sonnenkäfer im Bornaer Ortsteil Thräna, konnte zu dem Zeitpunkt weder sitzen noch laufen, war auf dem Entwicklungsstand eines Zweijährigen.

Freude über die großen Fortschritte

Um so mehr freuen sich die Heilerziehungspflegerin Uta Hoffmann, Kita-Leiterin Carmen Riedel und die Kollegen über die großen Fortschritte. „Der Weg für ihn war steinig und lang“, sagt Hoffmann, die viel Zeit mit dem Knirps verbracht hat und immer noch verbringt.

Kita hilft Eltern von Integrativkindern

Seit mehreren Jahren bereits nimmt der Kindergarten in Thräna Integrativkinder auf. Was unter anderem daran liegt, dass die Einrichtung barrierefrei ist, viele Hilfsmittel und Materialien für blinde Kinder zur Verfügung stellt und über zwei Heilerziehungspfleger verfügt. „Bei uns gibt es eine Art Ringsumpaket“, macht Hoffmann deutlich – sowohl für die Kinder als auch für die Eltern. Denn ein Kind, das eine spezielle Betreuung und Förderung benötige, stelle auch eine besondere Herausforderung für die Eltern dar. Für die Mütter und Väter gebe es beispielsweise organisatorische Unterstützung bei der Suche nach Therapieangeboten, Tipps und Adressen, wo außerdem Hilfe zu finden ist.

Trainieren der anderen Sinnesorgane

Pascha ist bereits das zweite blinde Kind bei den Sonnenkäfern. Die Einrichtung hat sich längst darauf eingestellt, hat unter anderem einen Barfußpfad angelegt, besondere Spielzeuge und Materialien angeschafft, mit denen die Kinder lernen, sich ohne Augenlicht zurechtzufinden und die anderen Sinnesorgane zu trainieren. Neben dem Spielen in der Gruppe gibt es zudem Einzelförderung. Was im Falle von Pascha bedeutet: das Ertasten von Gegenständen weiter verfeinern, seinen Orientierungssinn fördern, die Konzentration ausdehnen. Wichtig sei es laut Hoffmann vor allem, dass der Sechsjährige lerne, den Alltag zu bewältigen. Pascha muss sich also alleine anziehen und Aufgaben übernehmen, beispielsweise den Tisch decken. Selbst eine Übungstreppe gibt es bei den Sonnenkäfern, damit auch Stufen in Zukunft kein Hindernis mehr für Pascha darstellen.

In der Gruppe ist Pascha voll integriert. Die vierjährige Tess kitzelt ihn immer wieder mit einer Plüschspinne, Helene geht mit ihm durch das Zimmer und erklärt alles, was Pascha erfühlt. „Es ist toll zu sehen, wie selbstverständlich die Kinder Pascha mit einbinden und einbeziehen“, sagt Riedel. Sie würden ihm nichts abnehmen, sondern ihn eher mitnehmen. Hilfe komme nur dann, wenn Pascha wirklich nicht weiter weiß.

Ein Integrativkind – zwei Kita-Plätze

Im kommenden Jahr soll der Sechsjährige in die Schule kommen, aller Voraussicht nach in die Robinienhofschule. Die Thränaer Kita arbeitet eng mit Grundschulen zusammen, außerdem mit der Frühförderung aus Leipzig. „Die Kooperation ist wichtig“, macht Riedel deutlich, „nur so gelingt es, die Integrativkinder auf die nächsten Jahre vorzubereiten.“

56 Kinder kann die Kita Sonnenkäfer aufnehmen, allerdings benötigt ein Integrativkind zwei Plätze – wegen des zusätzlichen Betreuungsbedarfs. Leitung und Erzieher stehen daher immer wieder vor einer neuen Herausforderung.

Von Julia Tonne